Hochwasser: Regenpause im Tessin – aber noch kein Aufatmen

Aktualisiert

HochwasserRegenpause im Tessin – aber noch kein Aufatmen

Nach drei Tagen Dauerregen zeigte sich am Lago Maggiore am Donnerstag zum ersten Mal wieder die Sonne. Von Entspannung kann jedoch keine Rede sein.

von
cho

Kein Regen, dafür stellenweise Sonnenschein: Die Bevölkerung auf der Alpensüdseite kann heute erstmals seit Langem wieder ohne Schirm aus dem Haus. Doch am Horizont ziehen bereits wieder dunkle Wolken auf. Klaus Marquart vom Wetterdienst Meteonews spricht lediglich von einer Verschnaufpause: «Ab Freitag ist erneut mit flächendeckenden Regenfällen zu rechnen.»

Die Situation sei jedoch nicht mehr mit den vergangenen Tagen vergleichbar. Gemäss Meteonews sollen 50 bis 100 Liter Regen pro Quadratmeter fallen. «Das ist nur noch etwa ein Drittel der vorhergegangenen Menge», so der Meteorologe. Ausserdem soll die Schneefallgrenze sinken, somit würde mehr Niederschlag in den Höhen gebunden werden.

Erdrutsch-Gefahr noch nicht gebannt

Ab Dienstag soll die Wettermisere überstanden sein. Die Meteorologen prognostizieren dem Tessin dann mindestens drei trockene Tage am Stück. «Das ist wichtig, damit sich die Pegel etwas erholen können», sagt Marquart. Auch dann bleibe die Erdrutsch- und Bergsturz-Gefahr jedoch hoch. Schliesslich brauche es einige Tage, bis das Wasser abgeflossen sei.

Die bisher gefallene Niederschlagsmenge im November gehört bereits jetzt zu den zehn höchsten seit dem Messbeginn.

Zivilschutz und Freiwillige im Einsatz

In den Kellern der Ufergebiete laufen die Wasserpumpen und der Zivilschutz Locarno TI bereitet sich schon auf die Regenphase vom Freitag vor. Von den Überschwemmungen der letzten beiden Tage seien rund 600 Bewohner betroffen gewesen, sagte der Leiter des Zivilschutz Locarno, Raffaele Dadò, der Nachrichtenagentur SDA. 50 Zivilschützer seien am Mittwoch dauerhaft im Einsatz gewesen, um Stege auszulegen und die ufernahen Häuser durch Trennbalken vor den Fluten zu schützen – darunter 20 Freiwillige, die in solchen Notfällen auf Abruf bereitstehen.

Dadò und seine Mitarbeiter konnten sich schon frühzeitig auf den vorläufigen Pegelhöchststand des Lago Maggiore in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag einstellen: Seit der letzten grossen Überschwemmung im Jahre 2000 habe sich die Technik rasant weiterentwickelt.

Mithilfe eines Programms der Tessiner Fachhochschule Supsi können Wetterdaten und Niederschlagsmengen direkt auf einem Stadtplan von Locarno visualisiert werden. «So wussten wir schon am Montagabend mit sehr grosser Sicherheit, welche Zonen wir in den kommenden Tagen evakuieren beziehungsweise schützen müssen», sagt Dadò. In diese Risikozone fiel auch das ufernahe Spital Santa Chiara in Locarno, das am Dienstagmorgen evakuiert wurde.

Uferstrasse am Luganersee gesperrt

Ab Samstag stellen sich die Locarneser Zivilschützer auf weitere starke Regenfälle ein. In der grössten Tessiner Stadt war am Mittwochabend vorübergehend die Uferstrasse am Luganersee im Zentrum gesperrt. Seit Donnerstagmorgen seien aber wieder beide Fahrspuren für den Verkehr freigegeben, teilte die Luganeser Kommunalpolizei in einem Communiqué mit. (cho/sda)

Tote in Italien

Einsatzkräfte fanden in der Nähe von Crema bei Mailand die Leiche eines 36 Jahre alten Mannes. Er war in der Nähe eines überfluteten Gebäudes ins Wasser gestürzt. Im Lago Maggiore nahe der Schweizer Grenze ertrank ein Mann, nachdem er beim Versuch, sein Boot zu sichern, in den See gefallen war. Für den 70-Jährigen kam laut Ansa jede Hilfe zu spät.

Damit stieg die Zahl der Todesopfer allein in dieser Woche auf mindestens fünf.

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