Aktualisiert 28.03.2014 21:26

Snowden-Dokumente

Regierung drohte «Guardian» zu schliessen

Offenbar griff die britische Regierung zum Äussersten im Kampf gegen die Snowden-Enthüllungen. Sie stellte nationale Sicherheit über die Pressefreiheit.

von
pwe

Paul Johnson, der stellvertretende Chefredaktor der britischen Zeitung «The Guardian», sagte an einer Konferenz, die Regierung wolle «die Zeitung wegen der Snowden-Affäre schliessen». Als die «Irish Times» nachfragte, bestätigte er: «Ja, man hat uns mit Schliessung gedroht.»

Er präzisierte zwar später noch, dass die Regierung lediglich die Berichterstattung über die Snowden-Dokumente «schliessen» wolle, der angedrohte Eingriff in die Pressefreiheit bleibt dennoch so massiv wie vage.

Eigener Raum mit Wachmann für Snowden-Dokumente

Offenbar sind die Snowden-Dokumente für die Zeitung sehr anspruchsvoll, gerade wegen der immensen Bemühungen der britischen Regierung um Schadensbegrenzung: «Es ist die schwierigste Story, die wir jemals gemacht haben – inklusive Wiki-Leaks – weil die Korrespondenten und Redaktoren nicht miteinander sprechen konnten. Wir mussten immer Verschlüsselungssysteme verwenden.»

Der «Guardian» hat für die Bearbeitung der Snowden-Dokumente einen eigenen Raum mit neuen, vom Internet unabhängigen Computern eingerichtet, der rund um die Uhr von einem Wachmann gesichert wird.

Die Regierung greift zu mitunter ungewöhnlichen Methoden, um die Berichterstattung einzuschränken. So wurde unlängst der Partner eines Journalisten bei der Einreise verhaftet, Journalisten werden wie Terroristen behandelt oder Redaktionsfestplatten werden medienwirksam zerstört.

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