Milchskandal in China: Regierung trägt Verantwortung am Giftmilchskandal
Aktualisiert

Milchskandal in ChinaRegierung trägt Verantwortung am Giftmilchskandal

Die chinesische Regierung hat erstmals eine gewisse Mitschuld an dem Skandal um Melamin-verseuchte Milchprodukte eingeräumt.

Man habe seine Aufsichtspflicht nur sehr nachlässig ausgeübt, erklärte Ministerpräsident Wen Jiabao in einem am Wochenende veröffentlichten Interview. Die Regierung empfinde «grosse Trauer» angesichts der Krise. An kontaminierter Babymilch sind in China mindestens vier Säuglinge gestorben, rund 54.000 erlitten Nierenerkrankungen, zumeist entwickelten sich Nierensteine.

Das Interview mit Wen wurde vom US-Wissenschaftsmagazin «Science» bereits am 20. September aufgezeichnet und am Freitag ins Internet gestellt. Am Samstag erschien auch eine chinesische Version im Parteiorgan «Renmin Ribao» (Volkszeitung). «Wir werden diesen Fall mit Offenheit und Ernsthaftigkeit angehen und gründliche Lehren daraus ziehen», erklärte der chinesische Regierungschef. «Auch wenn die Probleme in einem Unternehmen aufgetreten sind, so finden wir doch, dass auch die Regierung eine Verantwortung trägt.» Es habe Versäumnisse bei der Kontrolle und beim Management gegeben.

Wen hatte sich schon nach dem verheerenden Erdbeben in der Provinz Sichuan am 12. Mai ungewöhnlich offen gezeigt und damit viel Sympathie gewonnen. Damals reiste er selbst ins Katastrophengebiet und warb um Unterstützung für die Opfer.

Unterdessen tauchten weitere Melamin-verseuchte Produkte auf. Taiwan nahm am Samstag Backpulver aus China vom Markt, nachdem darin Rückstände der Chemikalie festgestellt worden waren. In Hongkong wurde Melamin in zwei Kekssorten gefunden, die aus Malaysia stammten. Auch in Deutschland sind bereits verseuchte Milchprodukte aus China entdeckt worden. (dapd)

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