Aktualisiert 06.02.2014 08:20

Uno-Bericht

Regierung und Rebellen foltern syrische Kinder

Kinder und Jugendliche in Syrien werden systematisch gepeinigt, vergewaltigt, zum Töten gezwungen. Ein neuer Bericht der Uno listet schreckliche Gräueltaten auf.

von
kmo
Sie werden gefoltert und als Kindersoldaten missbraucht: Minderjährige im syrischen Bürgerkrieg.

Sie werden gefoltert und als Kindersoldaten missbraucht: Minderjährige im syrischen Bürgerkrieg.

Unter den Folgen des syrischen Bürgerkriegs leiden Millionen von Kindern. Mindestens 10'000 wurden seit Beginn des Kriegs im Jahr 2011 getötet. Beide Seiten – Opposition und Regierung – schrecken vor Gewalttaten gegenüber Minderjährigen nicht zurück. Das geht aus dem Bericht der Uno-Sonderbeauftragten für Kinder in bewaffneten Konflikten, Leila Zerrougui, hervor. Er umfasst die Jahre 2011 bis 2013 und listet die erschreckenden Gräueltaten auf, die an Minderjährigen verübt wurden.

Zu Beginn des Konflikts begingen demnach vor allem Regierungstruppen Verbrechen an Kindern. Das syrische Regime steckte sie – die Jüngsten waren erst elf Jahre alt – zusammen mit Erwachsenen in Gefängnisse. Hier wurden sie gequält; auf diese Weise sollten von ihnen oder ihren Angehörigen Geständnisse erpresst werden.

Finger- und Zehennägel ausgerissen

Im Gefängnis folterten Mitarbeiter des syrischen Geheimdiensts und der Regierungstruppen die Kinder unter anderem mit Schlafentzug, Isolationshaft und angedrohter Vergewaltigung. Ausserdem mussten Minderjährige zusehen, wie ihre Angehörigen gequält wurden. Sie wurden zudem mit Metallkabeln, Peitschen und Metallstäben geschlagen sowie mit Elektroschocks – auch auf Genitalien – malträtiert. Die Folterer rissen den Kindern Finger- und Zehennägel aus und drückten brennende Zigaretten auf ihnen aus. Auch sexuelle Gewalt wie Vergewaltigung und Scheinhinrichtungen listet der Uno-Bericht auf. Viele Kinder wurden zu Tode gefoltert.

Im Bericht ist auch von Massenhinrichtungen von Kindern die Rede. Vor allem in den Jahren 2012 und 2013 erschossen die Regierungstruppen massenhaft Minderjährige.

Im Laufe des Bürgerkriegs verübten zunehmend auch die Rebellen Gräueltaten an Kindern und Jugendlichen. Sie rekrutieren sie beispielsweise für den bewaffneten Kampf oder als Dienstboten für die Soldaten. Das geschah auch mit subtilen Methoden: «Viele Jungen sagten, es sei ihre Pflicht, sich den Aufständischen anzuschliessen», heisst es im Bericht. Betroffen waren vor allem Flüchtlingskinder aus benachbarten Staaten.

Massenhinrichtungen von Kindern

Auch Bewaffnete der Opposition schreckten nicht vor Massenhinrichtungen zurück – mindestens 130 Kinder wurden bisher von Truppen der Opposition getötet. Bezüglich der Missbräuche durch die Rebellen ist der Uno-Bericht weniger detailliert. Der Grund ist, dass der Zugang zu betroffenen Personen viel schwieriger, teilweise unmöglich ist.

Sowohl die Regierung als auch die Rebellen weisen die detailliert dokumentierten Vorwürfe der Uno laut der «New York Times» vehement zurück. «Ich bestreite kategorisch, dass Kinder in Gefängnisse gesteckt wurden. Das sind Gerüchte», sagt der syrische Vize-Aussenminister Faisal al-Miqdad. Und Omar Abu Leila, ein Sprecher des oppositionellen Syrischen Nationalrats, meint: «Ich glaube dem Bericht nicht. Wir haben derart viele Kämpfer in der Freien Syrischen Armee, dass wir nicht auf Kinder angewiesen sind.

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