Regierungs-SMS an alle Esten: Bleibt zuhause!
Aktualisiert

Regierungs-SMS an alle Esten: Bleibt zuhause!

In Estland ist es offenbar als Reaktion auf die umstrittene Exhumierung sowjetischer Soldaten und die Beseitigung eines sowjetischen Weltkriegsdenkmals zu einer Serie von Gräberschändungen gekommen. Die Regierung versucht derweil die Bevölkerung via SMS zu beruhigen.

Medienberichten zufolge gab es in der Baltenrepublik Übergriffe auf die Gräber berühmter Esten und auf sowjetische sowie deutsche Soldatengräber.

Die estnische Regierung bereitete sich unterdessen auf die dritte Nacht gewaltsamer Ausschreitungen vor. Im ganzen Land wurde der Verkauf von Alkohol nach 18.00 Uhr verboten. Die Regierung verschickte hunderttausende SMS an Handybesitzer, in denen sie die Leute aufforderte, zu Hause zu bleiben.

Allein in der Nacht zum Samstag hatte die Polizei in Tallinn fast 1.000 Personen festgenommen, fast 70 Menschen wurden bei den Krawallen verletzt. Bundeskanzlerin Angela Merkel rief zur Besonnenheit auf. Die Unruhen sind die schwersten seit der Unabhängigkeit Estlands von der Sowjetunion 1991.

Die estnische Regierung will den so genannten «Bronzenen Soldaten» an einen anderen Ort verlegen. Das zwei Meter hohe Denkmal war 1947 zu Ehren der sowjetischen Streitkräfte nach dem Sieg über Nazi-Deutschland errichtet worden. Viele Esten sehen darin aber eine Erinnerung an die fünf Jahrzehnte währende sowjetische Besetzung ihres Landes sowie der beiden Nachbarstaaten Lettland und Litauen. Etwa ein Drittel der 1,3 Millionen Esten sind russischer Herkunft. Viele fühlen sich von der estnischen Mehrheit diskriminiert. (dapd)

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