Unwetter über Sardinien: Regierungschef Letta ruft Notstand aus

Aktualisiert

Unwetter über SardinienRegierungschef Letta ruft Notstand aus

Der Sturm Cleopatra hat auf der Mittelmeerinsel Sardinien mindestens 18 Menschen in den Tod gerissen. Ministerpräsident Enrico Letta stellt 20 Millionen Soforthilfe bereit.

von
woz

Auf Sardinien sind bei schweren Unwettern mindestens 18 Menschen ums Leben gekommen - unter ihnen seien vier Kinder, berichten örtliche Medien. Die Zahl der Toten könnte jedoch noch weiter steigen. Es werden immer noch mehrere Menschen vermisst. «Die Situation ist leider wirklich dramatisch», sagte der Präsident der Region, Ugo Cappellacci, in einem Fernsehinterview. Er sprach gar von einem «Jahrhunderthochwasser».

Ministerpräsident Enrico Letta erklärte den Notstand und stellte 20 Millionen Euro an Soforthilfe bereit. Der Regierungschef erklärte es zur Priorität, abgelegene Gebiete auf der Insel zu erreichen und das Leben derjenigen zu retten, die noch vermisst würden. Zudem sollten diejenigen versorgt werden, die wegen des Unwetters ihr Zuhause verloren hätten, sagte Letta.

Der Bürgermeister von Olbia, Gianni Giovanelli, sprach im Sender Sky TG24 von einem «apokalyptischen» Unwetter. Brücken wurden von strudelnden Wassermassen weggerissen. In einigen Regionen stand das Wasser bis zu drei Meter hoch. Der Verkehr war beeinträchtigt, mehrere wichtige Strassen mussten geschlossen werden. Auch ein Tunnel in die Stadt Olbia sei gesperrt worden, teilte die staatliche Strassenverwaltungsgesellschaft Ansa mit.

Toter bei Polizeieskorte

Unter den Todesopfern ist eine Familie aus Brasilien. Drei Angehörige einer weiteren Familie starben, als ihr Auto unter einer eingestürzten Brücke begraben wurde. Ein Mann starb beim Einsturz einer weiteren Brücke. Unter den Opfern waren auch zwei Frauen im Alter von 64 und 90 Jahren. Eine Mutter und ihre Tochter wurden in ihrem Auto weggespült.

Ein Polizist kam ums Leben, als er mit seinen Kollegen einen Krankenwagen eskortierte und das Polizeiauto von den Wassermassen mitgerissen wurde. In Torpè wurden drei weitere Leichen gefunden.

Mehrere Verletzte wurden in Spitäler gebracht. Einige von ihnen waren mit dem Auto in einen Krater geraten, der sich auf einer Strasse aufgetan hatte.

Orte von der Aussenwelt abgeschnitten

Auf der Insel herrschten chaotische Zustände. Der Sender Rai News zeigte Bilder von überfluteten Strassen und Flüssen, die sich in reissende Fluten verwandelt hatten. Vielerorts fiel der Strom aus.

Hunderte Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen. Strassen wurden überschwemmt, ganze Ortschaften von der Aussenwelt abgeschnitten. Züge konnten nicht weiterfahren, Flüge und Fähren waren verspätet. Die Rettungskräfte standen die ganze Nacht im Einsatz.

In Olbia fielen innerhalb von 24 Stunden rund 93 Liter Regen pro Quadratmeter - mehr als üblicherweise im ganzen Monat. Sonst fallen im November durchschnittlich 76 Liter pro Quadratmeter, wie Stefan Bach, Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes, erläuterte. Die Wetterdienste sagten weitere Regenfälle für die Region voraus.

(Video: La Stampa)

(la nuova) (woz/sda)

Schweizer Opfer?

Bisher liegen keine Angaben über Schweizer Opfer vor. Laut den angefragten Reisebüros Hotelplan, Kuoni, Globetrotter und TUI befinden sich keine ihrer Kunden im Unwettergebiet.

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