Aktualisiert 17.04.2020 07:18

Aargauer Arzt T .B.

Hat Regierungsrat Arzt-Verhaftung beauftragt?

Laut «Weltwoche» soll Regierungsrat Markus Dieth die Verhaftung des Aargauer Arztes in Auftrag gegeben haben. Dieth wehrt sich und will rechtliche Schritte prüfen.

von
cse
1 / 10
Ein 58-jähriger Arzt aus dem Aargau wurde am Samstag in Wettingen festgenommen und in eine Klinik eingewiesen. Bei ihm sei eine Waffe gefunden worden und er habe auf sozialen Netzwerken Verschwörungstheorien verbreitet.

Ein 58-jähriger Arzt aus dem Aargau wurde am Samstag in Wettingen festgenommen und in eine Klinik eingewiesen. Bei ihm sei eine Waffe gefunden worden und er habe auf sozialen Netzwerken Verschwörungstheorien verbreitet.

Markus Dieth, Regierungsrat des Kantons Aargau, kannte den Arzt. Er dementiert aber Berichte der «Weltwoche», wonach er persönlich den Auftrag zur Verhaftung des Arztes erteilt habe.

Markus Dieth, Regierungsrat des Kantons Aargau, kannte den Arzt. Er dementiert aber Berichte der «Weltwoche», wonach er persönlich den Auftrag zur Verhaftung des Arztes erteilt habe.

Keystone/Walter Bieri
«Weltwoche»-Journalist Alex Baur verteidigt seinen Artikel: «Dieths Reaktion ist reine Wortklauberei. Er will damit seine Rolle minimieren, aber er spielte eine aktive Rolle in diesem Verhaftungsprozess.»

«Weltwoche»-Journalist Alex Baur verteidigt seinen Artikel: «Dieths Reaktion ist reine Wortklauberei. Er will damit seine Rolle minimieren, aber er spielte eine aktive Rolle in diesem Verhaftungsprozess.»

Keystone/Walter Bieri

Am letzten Samstag wurde der Corona-skeptische Aargauer Arzt T. B.* (58) in seinem Haus in Wettingen festgenommen. «Aufgrund verschiedener Nachrichten des Beschuldigten in den sozialen Medien musste davon ausgegangen werden, dass dieser eine Gefahr für sich selbst oder für Drittpersonen darstellen könnte», sagte Alex Dutler, Sprecher der Aargauer Oberstaatsanwaltschaft, am Dienstag gegenüber 20 Minuten.

Zudem sei eine Waffe bei ihm zu Hause gefunden worden. B. hat auf sozialen Medien Verschwörungstheorien über das Coronavirus verbreitet (20 Minuten berichtete). Seine Verhaftung führte im Netz zu wilden Spekulationen, dass die Regierung ihn mundtot machen wolle, was die Aargauer Staatsanwaltschaft aber klar verneint.

Regierungsrat und Arzt kannten sich

Wie die «Weltwoche» am Donnerstag berichtete, soll der Aargauer Regierungsrat Markus Dieth (CVP) persönlich die Anweisung dazu gegeben haben, den 58-jährigen Arzt zu verhaften.

Gemäss der «Weltwoche» sei dies deswegen brisant, weil sich Dieth und B. schon jahrelang kennen und sich seit rund 20 Jahren im Rotary-Club Baden-Wettingen treffen würden.

«Hat seine Meldepflicht erfüllt»

Auf Anfrage von 20 Minuten sagt Patricia Kettner, Generalsekretärin im Departement Finanzen und Ressourcen, dass Regierungsrat Markus Dieth lediglich seine Meldepflicht erfüllt habe. «Die Darstellung in der ‹Weltwoche› ist falsch. In seiner Funktion als Landammann hat Markus Dieth von einer Drittperson eine ernst zu nehmende Meldung auf Selbst- oder Drittgefährdung erhalten.» Dies veranlasste Dieth dazu, die hierfür allein zuständigen Strafverfolgungsbehörden zu kontaktieren und ihnen die Telefonnummer des Informanten mitzuteilen.

So konnte sich die Polizei selber ein Bild über diese Meldung machen. «Weil der Weltwoche-Beitrag klar falsche Aussagen enthält, werden derzeit rechtliche Schritte geprüft», ergänzt Kettner.

«Reine Wortklauberei»

Alex Baur, der Autor des entsprechenden «Weltwoche»-Artikels, gibt zu Dieths Reaktion folgende Stellungnahme ab: «Diese Reaktion ist reine Wortklauberei. Dieth will damit seine Rolle minimieren, aber er spielte eine aktive Rolle in diesem Verhaftungsprozess.»

Der Landammann wolle sich mit diesem Statement aus der Verantwortung ziehen. «Aber im Wesentlichen bestätigt er damit ja sogar meine Angaben.»

*Name der Redaktion bekannt

Fehler gefunden?Jetzt melden.