Kongo: Regierungstruppen flüchten vor Rebellen
Aktualisiert

KongoRegierungstruppen flüchten vor Rebellen

Die Lage im Ostkongo wird immer dramatischer. Die kongolesischen Regierungstruppen ergriffen nach heftigen Kämpfen in der Provinz Nord-Kivu die Flucht vor den heranrückenden Rebellen.

Die Truppen hätten am Mittwoch die Provinzhauptstadt Goma in Richtung Süd-Kivu verlassen, verlautete aus Militärkreisen. Damit war der Weg für die Rebellen des abtrünnigen Generals Laurent Nkunda nach Goma frei.

Aus Angst vor den anrückenden Rebellen flohen nach UNO-Angaben zehntausende Menschen aus einem Flüchtlingslager nördlich von Goma. Rund 45 000 Menschen in dem Lager Kibati hätten die Flucht ergriffen.

Es hätten sich chaotische Szenen abgespielt. Die Menschen in dem Lager seien aufgebrochen, nachdem sie Regierungstruppen auf der Flucht vor Rebellen Richtung Süden gesehen hätten, sagte ein UNO- Sprecher.

Angriff auf Goma

Die ersten Truppen des Rebellengenerals Laurent Nkunda erreichten am Mittwochnachmittag die Provinzhauptstadt Goma, wie eine Sprecherin der Hilfsorganisation World Vision berichtete.

In der Stadt wurde heftig gekämpft, Schüsse seien zu hören gewesen. Unter den Menschen herrsche Panik. Alle versuchten, Goma so schnell wie möglich zu verlassen.

Zuvor hatten erneut Kampfhelikopter der UNO-Mission im Kongo (MONUC) auf Seiten der Regierungstruppen eingegriffen. Sie versuchten erfolglos den Vormarsch der Rebellen auf Goma zu stoppen.

UNO zieht sich zurück

Die UNO forderte alle Hilfsorganisationen auf, ihr Personal unverzüglich aus Goma zu evakuieren. Die meisten zivilen Angestellten des UNO-Hauptquartiers nördlich von Goma wurden auf ein Gelände nahe der Grenze zu Ruanda in Sicherheit gebracht.

Auch die Kinderhilfsorganisation World Vision kündigte an, ihre Mitarbeiter schnellstmöglich aus der Stadt abzuziehen. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) möchte dagegen nach eigenen Angaben vom Mittwoch in Goma bleiben, um medizinische Hilfe zu leisten.

Das IKRK warnte zugleich vor den humanitären Folgen der Kämpfe. Teile der Zivilbevölkerung seien von Kämpfen eingschlossen. Auch das Hilfswerk Caritas beklagte, dass der Zugang zu vielen Flüchtlingen nicht mehr möglich sei.

Dabei fehle es den Vertriebenen an allem, was zum Überleben nötig ist, vor allem Nahrung und Trinkwasser. Manche Flüchtlinge seien dem Hungertod nah.

Uneinigkeit über UNO-Truppen

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte ein Ende der Kämpfe. «Die Lage in Goma ist Besorgnis erregend», sagte Ban am Rande einer Flüchtlingskonferenz in der philippinischen Hauptstadt Manila.

Er sei «zutiefst besorgt» über die zivilen Opfer und die zunehmende Zahl von Flüchtlingen im Osten des Kongos. Die UNO kündigte für Mittwoch eine Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrats zur Demokratischen Republik Kongo an.

Der französische Aussenminister Bernard Kouchner sprach sich für die Entsendung von bis zu 1500 Soldaten aus der EU aus. EU- Aussenkommissar Javier Solana stellte sich umgehend dagegen. «In diesem Stadium ist eine militärische Intervention durch die EU nicht Gegenstand der Diskussion», sagte seine Sprecherin am Mittwochabend in Brüssel.

Hunderttausende von Vertriebenen

Nkunda begründet seinen Kampf in der rohstoffreichen Region mit dem Schutz der kongolesischen Tutsi. In der Gegend sind auch Hutu- Milizen aktiv, die nach dem Völkermord im benachbarten Ruanda 1994 in das damalige Zaire geflohen waren.

Seit dem Zusammenbruch eines Friedensabkommens im August haben in der ostkongolesischen Provinz Nord-Kivu etwa 250 000 Menschen ihre Heimat verlassen. Kämpfe in den vergangenen beiden Jahren hatten nach UNO-Angaben bereits rund 850 000 Menschen vertrieben. (sda)

Deine Meinung