17.04.2020 06:58

Bauern alarmiert

«Regnet es nicht bald, haben wir ein Problem»

Die anhaltende Trockenheit geht so schnell wohl nicht vorbei. Dies weckt bei den Bauern unschöne Erinnerungen an den Dürre-Sommer 2018.

von
nke
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Die Trockenheit macht der Schweiz zu schaffen. Dies weckt unschöne Erinnerungen an den Dürre-Sommer von vor zwei Jahren. In diesem Bild von 2018 fährt ein Bauer über ein abgeerntetes Rapsfeld.

Die Trockenheit macht der Schweiz zu schaffen. Dies weckt unschöne Erinnerungen an den Dürre-Sommer von vor zwei Jahren. In diesem Bild von 2018 fährt ein Bauer über ein abgeerntetes Rapsfeld.

Keystone/Urs Flueeler
In einem Waldgebiet in Nenzlingen BL ist am Samstag der Boden auf einer Fläche von rund sechshundert Quadratmetern in Brand geraten. Ursache für den Waldbodenbrand ist laut Polizei wohl ein offenes Feuer bei einer Grillstelle. Solche Meldungen häufen sich in letzter Zeit.

In einem Waldgebiet in Nenzlingen BL ist am Samstag der Boden auf einer Fläche von rund sechshundert Quadratmetern in Brand geraten. Ursache für den Waldbodenbrand ist laut Polizei wohl ein offenes Feuer bei einer Grillstelle. Solche Meldungen häufen sich in letzter Zeit.

Die Gefahrenkarte des Bundes bezüglich Brandgefahr (Stand 16. April 2020). Im Tessin und in Graubünden gilt ein absolutes Feuerverbot. In den grau eingefärbten Kantonen ist das Entfachen von Feuer in Waldrandnähe verboten. In den orange gefärbten Gebieten ist die Waldbrandgefahr erheblich.

Die Gefahrenkarte des Bundes bezüglich Brandgefahr (Stand 16. April 2020). Im Tessin und in Graubünden gilt ein absolutes Feuerverbot. In den grau eingefärbten Kantonen ist das Entfachen von Feuer in Waldrandnähe verboten. In den orange gefärbten Gebieten ist die Waldbrandgefahr erheblich.

In der Nordwestschweiz, im Tessin und in Graubünden ist es in den letzten Wochen zu einigen Waldbränden gekommen. Grund dafür ist die anhaltende Trockenheit. Viele Kantone haben daher ein Feuerverbot in Waldnähe erlassen. Im Bündnerland und im Tessin gilt sogar ein absolutes Feuerverbot im Freien. Hält die Trockenperiode weiter an, könnte es zu Dürren wie vor zwei Jahren kommen.

«Die Trockenheit wird sogar noch schlimmer werden», sagt Roger Perret, Meteorologe bei Meteonews. Anzeichen für das ersehnte Regenwetter seien momentan aber nicht sichtbar. Zurzeit befinde sich die Schweiz inmitten zweier Hochdruckgebiete. Über der Nordsee herrscht das Hoch Olido, während im Süden über Italien das Hoch Nikolas liege. Dies mache Regen in den nächsten zehn Tagen sehr unwahrscheinlich, sagt Perret.

Vereinzelte Schauer sind «Tropfen auf heissen Stein»

Nächste Woche soll die Bise die aktuelle Lage sogar noch verschärfen. «Der Wind bringt zwar kühlere Temperaturen, aber auch sehr trockene Luft», erklärt der Meteorologe. Perret weiss zwar, dass Wetterprognosen ab fünf oder noch mehr Tagen nie ganz genau sind, trotzdem ist er sich sicher, dass die Trockenperiode noch anhalten wird. «Das Wetter in der Schweiz, vor allem im Flachland, ist derzeit sehr trocken. Nur in den Bergen kann es jedoch ab und an zu Schauern kommen. Die sind aber nur ein Tropfen auf den heissen Stein.»

Damit sich die Wälder und Böden von der Trockenheit erholen könnten, bräuchte es mindestens 10 bis 30 Liter Niederschlag pro Quadratmeter, erklärt Perret. «Mit einem kurzen, starken Gewitter ist es aber nicht getan», sagt er, «Es muss auf längere Zeit verteilt regnen, damit die Böden das Wasser auch aufnehmen können.»

Bauern fürchten Ernteausfälle

Die aktuelle Wetterlage ist nicht nur eine Gefahr für die Wälder. Sie führt auch bei den Bauern zu grossen Sorgen. «Wenn es in den nächsten zwei Wochen nicht regnet, bekommen wir ein Problem», sagt Sandra Helfenstein, Mediensprecherin des Schweizer Bauernverbands. «Bei vielen Bauern kommen die unschönen Erinnerungen an den Dürre-Sommer 2018 hoch.»

Zwar sei die Trockenheit momentan noch kein Problem. Gerade bei der Aussaat von Zuckerrüben und Mais oder der Pflanzung von Kartoffeln seien trockene Böden von Vorteil, sagt sie. Wären die Felder zu nass, könnten sie nicht bestellt werden. Hält die Trockenheit jedoch an, laufen die keimenden Pflanzen Gefahr, zu verenden. Die Folgen wären dann Ernteausfälle.

Tiefer Pegelstand bei Gewässern

Gerade Obst- und Gemüsebauern sind auf genügend Wasser angewiesen. «Die entsprechenden Betriebe sind zur Bewässerung ausgerüstet», sagt Helfenstein. Wie lange dies Vorkehrungen reichen, ist aber ungewiss: «Da es schon einen Monat nicht mehr richtig geregnet hat, ist der Wasserstand in den Gewässern schon tief», erklärt sie. Bei anhaltender Trockenheit werde das Wasser zum Abpumpen für die Bauern knapp.

Problematisch sei der trockene Boden bald auch für die Grasflächen. Hier reiche allerdings oft schon ein kurzer Schauer, damit sich das Gras wieder etwas erholen und überleben könne. Eine Bewässerung des Graslandes lohne sich finanziell kaum. Und falls es doch zu gewissen Ernteausfällen käme, gäbe es auf den meisten Betrieben noch Futtervorräte vom guten letzten Jahr.

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