Reh gerettet – doch Experte sagt: «Töten wäre besser»
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Reh gerettet – doch Experte sagt: «Töten wäre besser»

Eine Frau rettete am Walensee ein Rehkitz und fuhr es durch die halbe Schweiz zur Wildstation Utzenstorf. Fachleute streiten sich über den Sinn solcher Aktionen.

Es ist eine Tragödie – gesunde Tiere werden abgeknallt», sagt Marianne Staub von der Wildstation Utzenstorf. Wie den meisten Wildtieren, die verletzt, verirrt oder verwaist gefunden werden, drohte auch diesem Bambi der Gnadenschuss: Doch die Frau, die das Reh vor Schmerz wimmernd hinter ihrem Haus am Walensee (SG) entdeckte, päppelte es auf. Dann musste es eine vierstündige Autofahrt erdulden. Denn einzig im bernischen Utzenstorf kann es überwintern, bis es wieder ausgesetzt wird.

«Wohin hätte ich es sonst bringen sollen? Die hiesigen Wildhüter sind fleischgeil und zücken gleich die Flinte», sagt die Frau. «Falsch», kontert Christoph Jäggi vom Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, «die Wildhüter können das Fleisch nicht für sich behalten.»

Mit ihrer Rettungsaktion hat sich die Frau sogar strafbar gemacht: Wildtiere darf man nur mit Bewilligung bei sich aufnehmen. Tausende werden jährlich bei Unfällen mit Autos, durch Landwirtschaftsmaschinen oder Angriffe von Hunden verletzt oder von den Eltern getrennt.

Um mehr verletzte Tiere aufzunehmen, bräuchte es zusätzliche Wildstationen. Jäggi ist skeptisch: «Bei aller Achtung vor solchen Einzelschicksalen – es wäre wohl sinnvoller, die Tiere rasch zu töten, statt sie Stress und Gefangenschaft auszusetzen.»

Patrick Marbach

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