Linn AG - «Rehbock hat sich im Zaun verheddert und ist elendiglich gestorben»
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Linn AG«Rehbock hat sich im Zaun verheddert und ist elendiglich gestorben»

Weidezäune sind für viele Wildtiere gefährlich. Verheddern sich die Tiere, endet das meist tödlich.

von
Thomas Mathis
Monira Djurdjevic
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«Es sieht so aus, als ob der Haag im Kampf heruntergerissen wurde», meint eine Leserin.

«Es sieht so aus, als ob der Haag im Kampf heruntergerissen wurde», meint eine Leserin.

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Die Frau hatte am Donnerstagmorgen auf einem Hundespaziergang in der Aargauer Gemeinde Linn einen traurigen Fund gemacht. 

Die Frau hatte am Donnerstagmorgen auf einem Hundespaziergang in der Aargauer Gemeinde Linn einen traurigen Fund gemacht.

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Darum gehts

  • Erst kürzlich machte eine Leserin einen traurigen Fund.

  • Ein Rehbock hatte sich in einem Zaun verheddert und war verendet.

  • Laut der Stiftung Wildtier Aargau kommt es nicht selten vor, dass sich Wildtiere in Schafzäunen verheddern.

Eine Frau war am Donnerstagmorgen auf einem Hundespaziergang in der Aargauer Gemeinde Linn. Dabei machte sie einen traurigen Fund: «Ein Rehbock hat sich in einem Zaun verheddert und ist so wohl elendiglich gestorben. Es sieht so aus, als ob der Zaun im Kampf heruntergerissen wurde.» Laut Rainer Klöti, Vizepräsident der Stiftung Wildtiere Aargau, wurde der verendete Bock vom Schafhalter selber gefunden, worauf er die Jagdaufsicht benachrichtig hat.

Wie Klöti sagt, komme es nicht selten vor, dass sich Wildtiere in Schafzäunen, sogenannten Flexinetzen, verheddern. Dieses Zaunsystem wirke wie ein Fangnetz. Wenn sich Tiere darin verheddern, hätten sie oft keine Chance, sich zu befreien. Neben grösseren Wildtieren wie Rehen seien häufig auch kleinere Wildtiere wie Igel betroffen.

Das Benutzen der Flexinetze sei grundsätzlich erlaubt. Wenn diese aber nicht genug gespannt sind, können sie gefährlich werden. «Sie müssen regelmässig kontrolliert und im Falle des Nichtgebrauchs entfernt werden», sagt Klöti. Die Nutzung der Wiesen führe seit Langem zu einem Konflikt zwischen Nutz-und Wildtieren. «Leider führt das immer wieder auf Seiten der Wildtiere zu Opfern.» Man suche deshalb mit den Landwirten regelmässig das Gespräch und mache sie auf die Gefahren aufmerksam. Neben den Flexinetzen seien auch junge Wildtiere in den Gras- und Heuwiesen ein wichtiges Thema.

Flatterbänder können die Sichtbarkeit der Zäune erhöhen

«Das sind schreckliche Vorfälle, die leider viel zu häufig vorkommen, und die es zu verhindern gilt», sagt Samuel Furrer, Geschäftsführer Fachbereich beim Schweizer Tierschutz (STS). Meist seien es schlecht installierte und kaum sichtbare Weidenetze, die zu solchen Unfällen führen. «Die Farbe Orange ist total ungeeignet, da sie von Wildtieren nicht wahrgenommen werden kann. Besser sind Weiss und Blau», sagt Furrer. Auch Flatterbänder können die Sichtbarkeit der Zäune erhöhen.

Die grösste Gefahr geht laut Furrer von den mobilen Weidenetzen aus. Standorte an Waldrändern oder an Wildwechseln seien besonders heikel. «Zäune sollten daher immer nur solange stehen bleiben, wie sie auch eine Funktion zu erfüllen haben.» Ebenfalls wichtig sei, dass sie sauber montiert und täglich kontrolliert werden.

Laut Furrer sollten Vorfälle umgehend der Polizei gemeldet werden. «Sie wird selber ausrücken oder einen Wildhüter alarmieren.» Bei verhedderten Tieren selber Hand anzulegen, bringe nichts. «Es macht den Tieren unnötig Angst und ist für Mensch und Tier riskant.» Sollte der Zaun noch unter Strom stehen, sei dieser rasch möglichst auszuschalten. «Ist ein Zaun offensichtlich mangelhaft unterhalten und kommt es zu solchen Unfällen, so soll der Besitzer angezeigt werden.»

Dass solche Vorfälle nicht selten sind, zeigt ein Beispiel aus Walenstadt SG. Letztes Jahr entdeckte ein Jäger zwei Hirsche, die durch einen Zaun aneinandergefesselt waren. Das eine Tier war bereits tot, das andere musste erlöst werden.

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22 (bei Notfällen)

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel. 079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00

Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Schweizer Tierschutz (anonym möglich)

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