Aktualisiert 30.11.2011 10:54

Super-Jackpot

Reich, reicher, am reichsten

Wer hat, dem wird gegeben: Drei Investment-Banker haben im US-Bundesstaat Connecticut einen Lotto-Jackpot von 254 Millionen Dollar geknackt.

von
Martin Suter
Tim Davidson (2.v.l.), Greg Skidmore (Mitte) und Brandon Lacoff (2.v.r.) nehmen den symbolischen Check in Empfang.

Tim Davidson (2.v.l.), Greg Skidmore (Mitte) und Brandon Lacoff (2.v.r.) nehmen den symbolischen Check in Empfang.

Selig sind die Reichen, denn ihnen soll noch mehr gegeben werden. Die verdrehte Fassung des Spruchs aus der Bergpredigt ist in Greenwich bei New York wahr geworden. Drei im Nobelvorort ansässige Financiers haben am 2. November im Powerball-Lotto des Bundesstaats Connecticut eine Preissumme von 254,2 Millionen Dollar gewonnen.

Sie erzielten den Reibach mit einem einzigen Los zum Preis von einem Dollar, das einer der drei an einer Tankstelle im nahe gelegenen Stamford gekauft hatte. «Die Lotterie lebt von Träumen, und die gibt es quer durch alle Schichten und Menschen», sagte Anne Noble, die Chefin der staatlichen Lottogesellschaft, am Montag vor den Medien.

Die Arbeitskollegen Timothy Davidson (59), Greg Skidmore (35) und Brandon Lacoff (36) liessen sich in einer langen Super-Stretch-Limousine zur Pressekonferenz chauffieren. Sie wirkten nervös, nippten an Wassergläsern und sagten nicht viel. Sie wollen die Preissumme als einmalige Barzahlung entgegennehmen und haben zu diesem Zweck einen Trust gegründet. Nach Abzug der Steuern erhalten sie 103 586 824 Dollar und 51 Cents. Einen substanziellen Teil wollen sie wohltätigen Zwecken stiften, etwa für US-Kriegsveteranen.

Stattliche Besitztümer

Davidson, der das siegreiche Los kaufte und die Zahlen vom Lottocomputer auswählen liess, ist Portfoliomanager bei der Investmentfirma Belpointe Asset Management. Laut «New York Post» besitzt er eine Eigentumswohnung im Wert von 450 000 Dollar in Greenwich und eine 400 000 Dollar teure Ferienwohnung in West Palm Beach, Florida.

Belpointe-Gründer Lacoff kaufte 2006 für 304 000 Dollar eine Wohnung an der Upper East Side von Manhattan. Dem Anwalt, der einen Teil seiner Jugend in der Schweiz verbrachte, gehören zudem eine 400 000 Dollar teure Wohnung in Greenwich und am gleichen Ort ein 12-Zimmer-Duplex im Wert von 700 000 Dollar, in dem auch Belpointe-Präsident Skidmore wohnt. Er war früher Mitglied des US-Segelteams und Olympia-Anwärter. «Es fühlt sich gut an», sagte er zum Lottogewinn.

Die Besitztümer der drei Lottosieger sind stattlich, aber für Greenwicher Verhältnisse nicht beeindruckend. Wohneigentum in dem Luxus-Vorort von New York, dem bevorzugten Wohn- und Arbeitsort von Hedge-Fund-Managern, kostet im Schnitt über eine Million Dollar.

Frontmänner für anonymen Gewinner?

Womöglich sind die drei aber gar nicht die eigentlichen Gewinner. Wie die britische «Daily Mail» am Dienstag berichtete, sollen sie bloss Frontmänner spielen für einen Lottosieger, der seine Anonymität schützen will. Die Zeitung beruft sich auf Tom Gladstone, einen Immobilienmakler und Freund Brandon Lacoffs. «Der Gewinner ist einer ihrer Kunden», sagte Gladstone der «Daily Mail». «Sie werden das Geld verwalten.»

Falls dies stimmt, bleibt unklar, wie reich der wirkliche Lottogewinner von Haus aus ist. Als Belpointe-Kunde könnte er durchaus noch wohlhabender sein als das Trio. Ein von diesem angeheuerter PR-Manager dementierte am Dienstag gegenüber CNN die Spekulationen: «Es gibt insgesamt drei Gewinner und keinen vierten anonymen Teilnehmer.»

Für einen spielt dies alles keine Rolle: Ranjit Singh, den Geschäftsführer der Tankstelle. Singh erhält von der Lottogesellschaft jetzt eine Siegesprämie von 100 000 Dollar. Zur «New York Post» sagte er strahlend: «Weihnachten kommt diesmal ein bisschen früher.»

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