Sozialkosten: Reiche Grosseltern zahlen für arme Enkel
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SozialkostenReiche Grosseltern zahlen für arme Enkel

Es heisst öfters nicht nur Papi, sondern auch Grosspapi muss zahlen. Wegen den steigenden Sozialkosten müssen reiche Pensionäre vermehrt für ihre Enkel finanziell aufkommen.

Ein Mann mit den neuen 50 Franken Note. (12. April 2016)

Ein Mann mit den neuen 50 Franken Note. (12. April 2016)

Keystone/Ennio Leanza

Angesichts der steigenden Sozialkosten geraten wohlhabende Pensionäre laut einer Meldung der «NZZ am Sonntag» zunehmend ins Visier der Sozialämter. Sie sollen Kosten für ihre erwachsenen Enkel übernehmen. Direkte Verwandte in auf- und absteigender Linie sind in der Schweiz unterstützungspflichtig. Es gebe vermehrt solche Fälle, sagte Rechtsprofessor Thomas Koller von der Universität Bern der Zeitung.

In einigen Kantonen holten die Sozialämter bei Neuanmeldungen bereits routinemässig die Steuerfaktoren der Grosseltern ein. Zum Beispiel in Arbon TG, wo externe Prüfer nach Optimierungspotenzial gesucht haben. «Seither holen wir bei Neuanmeldungen auf dem Sozialamt auch routinemässig die Steuerfaktoren der Grosseltern ein», sagt Lukas Feierabend, Leiter Abteilung Soziales, zur Zeitung.

Finanzieller Druck nimmt zu

In Frauenfeld wurde die systematische Überprüfung vor vier Jahren eingeführt. In der Stadt Zürich wird dies schon lange standardmässig abgeklärt, wie die Sprecherin der Sozialen Dienste, Nadine Grunder, in der «NZZ am Sonntag» sagt. Die Voraussetzungen für die Unterstützung von Verwandten seien aber oftmals kaum gegeben, sagt sie.

Jährlich nimmt Zürich so 600'000 bis 800'000 Franken ein – gemessen an Sozialkosten in dreistelliger Millionenhöhe ein verschwindend kleiner Betrag. Bei der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (Skos) sieht man zwei Gründe dafür, dass die Fallzahl nicht höher ist. Zum einen hat das Bundesgericht die Schwelle hoch angesetzt, zum anderen bedeutet es für die Sozialämter viel Arbeit, die familiäre Unterstützung auf dem Rechtsweg einzufordern. «Möglich ist allerdings, dass der finanzielle Druck auf die Sozialhilfe dennoch dazu führt, dass die Verwandten vermehrt angegangen werden», erklärt Skos-Fachbereichsleiter Alexander Suter in der «NZZ am Sonntag».

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