Zürich : Reiche Unternehmer sollen mehr Steuern bezahlen

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Zürich Reiche Unternehmer sollen mehr Steuern bezahlen

Mit einer Initiative will die AL, dass Grossaktionäre auf ihre Dividenden mehr Steuern bezahlen. Mitte und Rechtsparteien lehnen das Vorhaben ab. 

von
Anna Ehrensberger
Lynn Sachs
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Aktuell müssen Personen im Kanton Zürich, die mindestens zehn Prozent der Aktien eines Unternehmens halten, ihre Einkünfte zu 50 Prozent versteuern. Eine Vorlage der AL will, dass es künftig 70 Prozent werden.

Aktuell müssen Personen im Kanton Zürich, die mindestens zehn Prozent der Aktien eines Unternehmens halten, ihre Einkünfte zu 50 Prozent versteuern. Eine Vorlage der AL will, dass es künftig 70 Prozent werden.

20min/Taddeo Cerletti
Nur im Kanton St. Gallen liegen die Teilbesteuerungssätze auf der Höhe der von der Volksinitiative geforderten 70 Prozent.

Nur im Kanton St. Gallen liegen die Teilbesteuerungssätze auf der Höhe der von der Volksinitiative geforderten 70 Prozent.

20min/Stevan Bukvic
Die SVP hat die Nein- Parole ergriffen.  Von der Erhöhung der Dividendensteuer wären nach Domenik Ledergerber vor allem KMUs betroffen. 

Die SVP hat die Nein- Parole ergriffen.  Von der Erhöhung der Dividendensteuer wären nach Domenik Ledergerber vor allem KMUs betroffen. 

Privat

Darum gehts

  • In ihrer Initiative fordert die AL eine höhere Besteuerung der Dividenden von Grossaktionären.

  • Die Besteuerung soll von 50 auf 70 Prozent erhöht werden, so hoch ist sie aktuell nur in St. Gallen.

  • Das Initiativkomitee möchte damit mehr Steuergerechtigkeit schaffen.

  • Die Gegner fürchten eine Verringerung der steuerlichen Attraktivität im Kanton Zürich.

Wer massgeblich an einem Unternehmen beteiligt ist, soll auf die damit erzielten Einkünfte höhere Steuern bezahlen. Das fordert die AL-Initiative «Keine Steuergeschenke für Grossaktionärinnen und Grossaktionäre». Darüber wird im Kanton Zürich am 25. September abgestimmt.

Darüber wird abgestimmt

Aktuell müssen Personen im Kanton Zürich, die mindestens zehn Prozent der Aktien eines Unternehmens halten, ihre Einkünfte zu 50 Prozent versteuern. Eine Vorlage der AL will, dass es künftig 70 Prozent werden. 2008 wurde im Kanton Zürich die heute geltende Besteuerung von Dividenden per Volksabstimmung eingeführt. Bei den Bundessteuern werden die Dividenden der Grossaktionäre schon heute zu 70 Prozent versteuert. 

In den Kantonen Schaffhausen, Thurgau und St. Gallen liegen die Teilbesteuerungssätze höher als im Kanton Zürich. Nur im Kanton St. Gallen liegt dieser aber auf der Höhe der von der Volksinitiative geforderten 70 Prozent.

Das sagen die Befürworter

«Jede und jeder muss sein Einkommen zu 100 Prozent versteuern. Nicht so Grossaktionärinnen und Grossaktionäre. Das ist unsolidarisch, ungerecht und schwächt ausserdem die AHV», sagt AL-Kantonsrätin Melanie Berner. Mit dieser Vorlage soll mehr Steuergerechtigkeit geschaffen werden. Dem Argument der Gegner, dass bei einer Annahme KMUs geschwächt werden, widerspricht Berner. Die Initiative betreffe vor allem Privatpersonen und nicht KMUs. «Ein Grossteil der KMUs erzielen weniger als 10'000 Franken Gewinn und sind somit nicht tangiert. Hauptbetroffene sind Reiche und Superreiche mit privilegiert besteuerten Dividenden von 100'000 Franken und mehr.»

Auch die SP, Grünen und die EDU empfehlen ein Ja zur Vorlage.

Das sagen die Gegner

Die SVP hat die Nein-Parole ergriffen. Laut Domenik Ledergerber, Präsident der SVP Kanton Zürich, ist die Steuerbelastung für Unternehmen auf dem Kantonsgebiet schon jetzt sehr hoch. «Viele KMUs wären bei einer Erhöhung der Dividendenbesteuerung betroffen. Durch die Corona-Krise, den Ukraine-Krieg und die Inflation haben die Unternehmen bereits jetzt grosse Herausforderungen zu meistern.» Zudem würde gemäss Ledergerber bei einer Annahme die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Zürich leiden.

Der Kantonsrat und der Regierungsrat lehnen die Initiative ab. Die FDP, GLP, Mitte und EVP haben ebenfalls die Nein-Parole entschieden. 

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