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TelekomgeschäftReichster Mann der Welt greift nach Holland

Poker um die niederländische Telekomgesellschaft KPN: Der Mexikaner Carlos Slim steigt in den Übernahmekampf mit der spanischen Telefónica um die KPN ein.

von
whr
Carlos Slim bietet sieben Milliarden Euro für 70 Prozent der KPN-Aktien.

Carlos Slim bietet sieben Milliarden Euro für 70 Prozent der KPN-Aktien.

Der mexikanische Milliardär Carlos Slim will über seine Mobilfunkgesellschaft América Móvil den niederländischen Telekomkonzern KPN mit einem milliardenschweren Gebot vollständig übernehmen. Damit könnte die spanische Telefónica ins Hintertreffen geraten, die ihrerseits die deutsche KPN-Tochter E-Plus für fünf Milliarden Euro kaufen will.

Für die 70 Prozent an KPN, die América Móvil noch nicht besitzt, will Slim gut sieben Milliarden Euro auf den Tisch legen, wie es am Freitag hiess. Pro KPN-Aktie will América Móvil 2,40 Euro zahlen - 20 Prozent mehr als der Schlusskurs vom Donnerstag. Auf Basis dieses Gebots ist KPN insgesamt 10,3 Milliarden Euro wert. Man strebe eine Mehrheitsbeteiligung von mindestens 50 Prozent des KPN-Kapitals an, hiess es.

Börse reagiert positiv

An der Börse in Amsterdam beflügelte das neue Gebot den Kurs der KPN-Aktie. Sie gewann am Vormittag 17 Prozent auf 2,34 Euro dazu und fing damit fast die Prämie von 20 Prozent auf, die América Móvil den Aktionären bietet. KPN-Sprecher Ward Snijders sagte, der Konzern prüfe das Gebot von América Móvil.

Die KPN-Geschäftsführung unterstützte zuletzt das Gebot von Telefónica, das allerdings noch auf grünes Licht seitens der KPN-Aktionäre inklusive América Móvil und der Wettbewerbshüter der Europäischen Union wartet. E-Plus hält im deutschen Markt einen Geschäftsanteil von 15 Prozent, auf den es auch Slims Gesellschaft für ihre angepeilte Expansion in Europa abgesehen haben könnte. Die meisten Analysten glauben deshalb, América Móvil wolle E-Plus für sich behalten, anstatt das Unternehmen nach einer erfolgreichen Übernahme der Mutter zu einem höheren Preis weiterzuverkaufen.

«Unserer Meinung nach wurde América Móvil zu diesem Schritt durch das E-Plus-Gebot getrieben», meinte Analyst Marc Hesselink von ABN Amro in einer Notiz für Investoren. «KPN hat ohne E-Plus nur einen begrenzten strategischen Wert». Ein Gegengebot von Telefónica erwartet er nicht.

Carlos Slim gilt laut der Forbes-Liste mit einem Vermögen von 73 Milliarden Dollar als der reichste Mann der Welt, gefolgt von Microsoft Gründer Bill Gates mit 67 Milliarden Dollar. (whr/sda)

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