Aktualisiert

Reif für Sex – aber zu doof um zu wählen?

Stimmrechtsalter 16: Die Parteien streiten, wie jung die Jungwähler in Zukunft sein dürfen.

Zum Polit-Blog

Wenn jemand wirklich an den Verstand und das Verantwortungsbewusstsein der ganz Jungen im Land glaubt, dann Evi Allemann – auch nach den Berner Chaostagen vom Wochenende. Die 29-jährige SP-Nationalrätin verlangt in einer Parlamentarischen Initiative das Stimmrechtsalter 16. Allemann heizt damit auf Bundesebene einen Polit-Dauerbrenner neu an, den die Jungparteien zum Wahlkampfthema machten. «Wir müssen die 16- und 17-Jährigen für die Politik begeistern», sagt Allemann.

Dumm nur: In Umfragen spricht sich immer wieder eine Mehrheit gegen die Herabsetzung des Stimmrechtsalters aus. Eine Umfrage von 20minuten.ch zeigt: Selbst bei den unter 35-Jährigen lehnen 77 Prozent die Stimmberechtigung mit 16 ab. Wieso? Weil «die Jungen zu unreif sind» (sagen 66 Prozent) und «zu wenig an Politik interessiert» (meinen 34 Prozent).

Allemann aber will sich nicht entmutigen lassen: «Auch wenn nur eine Minderheit der 16- und 17-Jährigen an der Politik teilnehmen will, muss man ihr es ermöglichen.» Diese Jungen könnten «für ihre Altersgenossen ein Vorbild» abgeben. Im November berät eine Parlamentskommission über den Vorstoss. Mit bürgerlichem Widerstand ist zu rechnen, typisch dafür ist Filippo Leuteneggers Blog auf Myvote.20min.ch: «Hier will man Jugendlichen eine Verantwortung aufbürden, die sie nicht tragen können», so der FDP-Nationalrat.

Doch im Kanton Glarus darf man bereits mit 16, mit Entlassung aus dem Schutzalter, mitbestimmen. Und Evi Allemann führt an: «Politische Bildung oder Intelligenz war nie Voraussetzung fürs Stimmrecht.»

Stimmt. Andernfalls müsste man über das Stimmrecht von vielen Leuten neu nachdenken.

mma

Zum Polit-Blog

Deine Meinung