Reihenweise Jugendliche ausgenommen

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Reihenweise Jugendliche ausgenommen

Zwei junge Räuber aus Wallisellen haben in Zürich mehrmals Jugendliche überfallen, zum Teil verprügelt und beraubt. Die beiden kamen mit bedingten Freiheitsstrafen von 18 und 9 Monaten mit einem blauen Auge davon.

Im Mittelpunkt der Verhandlung stand der Haupttäter. Dem heute 20-jährigen Türken wurden von der Staatsanwaltschaft nicht weniger als 15 Raubüberfälle angelastet. Die Straftaten ereigneten sich zwischen August 2004 und März 2005.

Der zur Tatzeit arbeitslose Angeklagte schlug jeweils in unterschiedlicher Zusammensetzung mit zwei Komplizen zu. Die meisten Überfälle verübten die jungen Räuber im Zürcher Niederdorf oder in der Nähe des Seebeckens.

Gleichaltrige als Opfer

Der Hauptangeklagte suchte sich jedes Mal gleichaltrige Jugendliche als Opfer aus. Die rund 20 in der Anklageschrift aufgezählten Geschädigten wurden nicht nur überfallen, sondern auch in einigen Fällen mit einem Messer bedroht oder verprügelt.

Die Täterschaft setzte dabei mit Vorliebe Schwedenküsse (Kopfstösse in das Gesicht des Opfers) oder Fusstritte als Mittel ein. Sie nahm den Geschädigten Bargeld und Mobiltelefone für insgesamt 5000 Franken ab. Die Beute gaben die Täter für den Ausgang und den Konsum von Marihuana aus.

Bedingte Strafen gefordert

Vor Gericht zeigte sich der türkische Angeklagte nur teilgeständig. Der Mitangeklagte, ein 21-jähriger Schweizer türkischer Abstammung, wies gar alle Vorwürfe zurück und machte eine Verwechslung geltend. Die Staatsanwaltschaft verlangte Schuldsprüche wegen bandenmässigen Raubes.

Aufgrund des jugendlichen Alters der Angeklagten zur Tatzeit fielen aber bereits die Anträge der Staatsanwältin mit zwei Jahren auf Bewährung sowie einer bedingten Geldstrafe von 270 Tagessätzen zu 30 Franken milde aus. Der Verteidiger des Türken forderte teilweise Freisprüche, der Anwalt des Schweizers einen vollen Freispruch.

Keine Bubenstreiche

Das Gericht folgte bei der rechtlichen Würdigung umfassend der Anklage und bejahte beim Haupttäter auch die Bandenmässigkeit. So sei der Räuber mit der Zeit immer wieder nach dem gleichen Muster vorgegangen. Der Gerichtsvorsitzende sprach von einem erheblichen Verschulden. Es handle sich nicht um Bubenstreiche, erklärte er.

Aufgrund von Teilfreisprüchen bei vier Vorfällen und Delikten, die noch unter das Jugendstrafrecht fielen, kam es trotzdem zu deutlichen Strafsenkungen. Der Türke kassierte 18 Monate Freiheitsstrafe bedingt.

Der von seinem Komplizen verratene und damit für das Gericht überführte Schweizer Staatsangehörige erhielt neun Monate auf Bewährung. Die Schuldpunkte lauteten auf bandenmässigen Raub und Erpressung. Das Gericht hielt den Angeklagten ihr Wohlverhalten seit den Taten zugute.

Beide arbeiten heute wieder und leben laut ihren Verteidigern in geregelten Verhältnissen. Sein Mandant erkenne sich nicht wieder, wenn er in die Vergangenheit blicke, erklärte der Verteidiger des Anführers dazu. (sda)

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