Debatte um Oraltabak: Reimann fordert Snus an Schweizer Kiosken
Aktualisiert

Debatte um OraltabakReimann fordert Snus an Schweizer Kiosken

SVP-Nationalrat Lukas Reimann will Snus mit anderen Tabakprodukten gleichstellen. Es gebe keinen vernünftigen Grund, Snus-Konsumenten zu diskriminieren. Experten widersprechen.

von
S. Marty / S. Heusser
Fast schon ein «heiliges» Produkt sei der Snus im Verhältnis zur legalen Zigarette, sagt SVP-Reimann.

Fast schon ein «heiliges» Produkt sei der Snus im Verhältnis zur legalen Zigarette, sagt SVP-Reimann.

Der mit Salzen versetzte Oraltabak liegt schwer im Trend: Waren es 2006 noch etwas mehr als eine Tonne, wurden 2012 bereits 27 Tonnen Snus in die Schweiz importiert. Würde man das in Beutelchen umrechnen, so wurden 2012 27 Millionen Snus-Beutel hinter Schweizer Oberlippen platziert. Doch diese rationierte Tabakform, die mit Geschmacksrichtungen wie Lakritz, Pfefferminze oder Wintergreen in Schweden eine grosse Anhängerschaft gewonnen hat, darf in der Schweiz lediglich zum Eigengebrauch importiert werden.

Die Diskriminierung der Beutel-Snuser hat SVP-Nationalrat Reimann nun satt: Er fordert den Bundesrat in einer Motion dazu auf, die Benachteiligungen gegenüber einem Raucher, die der regelmässige Snus-Konsument durch horrende Zollgebühren erfahren müsse, endlich zu beseitigen.

Weniger schädlich für die Gesundheit als Zigaretten

«An praktisch jedem Kiosk ist Snus heute in loser Form erwerbbar. Der Portions-Snus hingegen ist verboten. Dafür gibt es keine sachlichen Argumente», sagt Reimann. «Der Bevormundung der Bürger muss hier ein Riegel geschoben werden.» Denn im Vergleich zu einer legalen Zigarette sei Snus ein fast schon «heiliges» Produkt.

Reimann untermauert seine Forderungen mit gesundheitlichen Studien, die das Risiko des Mundtabaks gegenüber Zigaretten als geringer einstufen. «Snus ist unter allen Tabakprodukten, das am wenigsten schädliche - da sind sich Ärzte und Studien einig.» In Schweden sei mit dem Anstieg des Snus-Konsums die Raucher-Rate massiv zurückgegangen und damit die Zahl der Lungenkrebs-Erkrankungen. Dabei seien die Krebserkrankungen im Mundraum nicht höher als in anderen europäischen Staaten. «Weiter verursacht Snus keinen Passivrauch», sagt Reimann.

Schützenhilfe bekommt der SVP-Mann von der Tabakindustrie, die ebenfalls auf die Gesundheits-Studien der EU verweist: «Studien beweisen, dass Snus 90 Prozent weniger schädlich für die Gesundheit ist als Zigaretten», sagt Christophe Berdat von British American Tobacco Schweiz. Eine Snus-Legalisierung sei deshalb zu begrüssen. Ob der Mundtabak aber tatsächlich als Alternative zum Rauchen gelten kann, ist umstritten.

«Neue Konsumenten würden tabak-abhängig»

«Grundsätzlich kann das Gesundheitsrisiko als geringer eingestuft werden. Die Gefahr einer Raucherlunge fällt weg, da kein Teer eingeatmet wird», bestätigt Thomas Beutler von der Tabakprävention Schweiz. Er gibt aber zu Bedenken, dass die Studien ein erhöhtes Risiko feststellten, an Bauchspeicheldrüsen-Krebs zu erkranken. Catherine Cossy vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) fügt noch hinzu: «Unabhängig von der Art und Weise des Konsums gelangen Nikotin und andere Giftstoffe in den Körper».

Beutler glaubt zudem nicht an das Argument, dass Raucher Snus als Alternative gebrauchen. Im Gegenteil: «Der Markt würde einfach erweitert und neue Konsumenten würden tabakabhängig». Dem widerspricht aber Lukas Reimann: «Studien aus Schweden zeigen, dass das nicht so ist und viele Raucher Snus als Alternative entdeckt und mit dem Rauchen aufgehört haben.»

Ein falsches Zeichen

Für die Motion, die Reimann im Juni einreichen will, sieht er gute Chancen. Doch Reimann ist nicht der Erste, der den Beutel-Snus erlauben will. Vor drei Jahren versuchte es der FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen. «Die Antworten des Bundesrates haben mich überzeugt, dass die gesundheitlichen Risiken von Snus nicht zu unterschätzen sind», sagt Wasserfallen heute. Es würde damit ein falsches Zeichen gesetzt, gerade jetzt, da wegen dem Rauchverbot einige Leute ganz aufgehört hätten mit dem Rauchen.

Portions-Snus.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) erlaubt die Einfuhr von 1.2 kg zum Eigengebrauch. Dies entspreche der Menge, welche für eine durchschnittlich konsumierende Person für zwei Monate ausreicht. Das BAG stuft Snus als weniger gesundheitsschädigend ein als das Rauchen von Zigaretten. Trotzdem weist es auf Risiken hin: Das Nikotin mache abhängig. Krebserregende Stoffe könnten Krebs in der Bauchspeicheldrüse verursachen. (sth)

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