Goldinitiative: Reimanns Gold-Rede ist ein Youtube-Renner
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GoldinitiativeReimanns Gold-Rede ist ein Youtube-Renner

50'000 Klicks und in andere Sprachen übersetzt: Die Rede von SVP-Nationalrat Lukas Reimann zur Goldinitiative ist ein Youtube-Hit. Das liege am Thema, meint ein Experte.

von
R. Kayser

Sie ist weder lustig oder spektakulär noch besonders originell. Trotzdem ist Lukas Reimanns Rede über die Goldinitiative vor dem Parlament im Mai 2014 auf Youtube ein Renner. Über 40'000 Klicks verzeichnet das Original-Video. Zählt man alle Youtube-Posts zusammen - das Video wurde von verschiedenen Nutzern rund 20-mal veröffentlicht - kommt man auf rund 50'000 Klicks. In seiner Rede wirbt Mitinitiant Reimann für die Goldinitiative und bezeichnet das heutige Geldsystem mit ungedecktem Papiergeld als «den grossen Betrug unserer Zeit».

Reimann ist selber überrascht ob der grossen Resonanz seines Referats. «Normalerweise laufen Parlamentsdebatten im Internet nicht so gut,» meint er schmunzelnd. Er freut sich über die vielen Klicks. Die Popularität des Clips bestätige ihm, dass er und seine Mitinitianten mit der Goldinitiative richtig lägen. «Offenbar habe ich mit meiner Rede einen wunden Punkt in der Bevölkerung getroffen.» Viele Leute fürchteten, dass Papiergeld langfristig keinen Wert mehr haben könnte.

Auch aus dem Ausland habe er viele positive Rückmeldungen bekommen, so Reimann. Seine Youtube-Rede wurde sogar ins Englische und ins Slowenische übersetzt. Letzteres erstaune ihn aber: «Dort kenne ich gar niemanden.»

Gar keine spektakuläre Rede

Reimanns Referat ist nicht die einzige Ansprache aus dem Parlament, die sich auf Youtube grosser Beliebtheit erfreuen konnte. So haben etwa der berühmte Bündnerfleisch-Stotterer von alt Bundesrat Rudolf Merz oder der Orgasmus-Versprecher von BDP-Nationalrat Peter Luginbühl für viel Aufmerksamkeit und Unterhaltung gesorgt. Was aber macht die Beliebtheit von Reimanns Gold-Rede aus?

An der Rede selbst könne es nicht liegen, dass das Video im Internet so populär ist, meint Politik- und Kommunikationsexperte Iwan Rickenbacher. «Das ist eine ganz normale Politikerrede», so sein Fazit, «sie ist weder spektakulär, noch beinhaltet sie einen Gag oder einen peinlichen Patzer.» Zum Vergleich: Merz' Bünderfleisch-Rede erzielte über fünf Millionen Klicks, Luginbühls Orgasmus-Patzer rund 6000.

Vielmehr sei der Erfolg der Rede auf deren Inhalt zurückzuführen, so Rickenbacher. «Reimann hat in seiner Rede eine Frage aufgeworfen, welche viele Leute betroffen gemacht hat.» Der SVP-Nationalrat hätte mit dem Motto «Was alle kennen und niemand weiss» gepunktet: «Viele Leute gehen täglich mit Geld um und wissen gar nicht, wo und wie es hinterlegt ist.»

«Wir werden besser abschneiden, als viele denken»

Trotz Youtube-Hit: Im Moment stehen die Vorzeichen für die Goldinitiative schlecht. Der Bundesrat hat am Dienstag die Nein-Parole zur Volksinitiative verkündet und auch das Parlament hat die Goldinitiative längst zur Ablehnung empfohlen. Sogar aus den eigenen Reihen innerhalb der SVP hagelt es Kritik.

Reimann wertet die breite Resonanz seiner Rede jedoch als positives Zeichen, dass die Goldinitiative an der Urne sogar eine Chance haben könnte. Er gibt sich kämpferisch: «Wir werden besser abschneiden, als viele denken.»

Das Volk stimmt am 30. November über die Goldinitiative ab.

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