Basel – «Reine Symbolpolitik» – Wut auf starre 1000-Personen-Grenze bei Events
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Basel«Reine Symbolpolitik» – Wut auf starre 1000-Personen-Grenze bei Events

Bis zum Ende der Fasnachtsferien am 12. März dürfen im Kanton Basel-Stadt keine Grossveranstaltungen mit über 1000 Personen in Innenräumen stattfinden. Der Beschluss der Regierung kommt beim Stadtcasino nicht gut an.

von
Steve Last
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Der Musiksaal des Stadtcasino Basel bietet viel Platz für verschiedenartige Events. Die Location ist vom Verbot von Veranstaltungen mit über 1000 Personen in Innenräumen betroffen.

Der Musiksaal des Stadtcasino Basel bietet viel Platz für verschiedenartige Events. Die Location ist vom Verbot von Veranstaltungen mit über 1000 Personen in Innenräumen betroffen.

Tamedia/Dominik Pluess
Auch Konzerte finden dort statt, wie etwa die Performance von Jazz-Musikerin Fatoumata Diawara im August. Mit dem neuen Verbot hat das Stadtcasino seine Dauerbewilligung für Grosserveranstaltungen bis 12. März verloren.

Auch Konzerte finden dort statt, wie etwa die Performance von Jazz-Musikerin Fatoumata Diawara im August. Mit dem neuen Verbot hat das Stadtcasino seine Dauerbewilligung für Grosserveranstaltungen bis 12. März verloren.

Tamedia/Kostas Maros
Entsprechend ungehalten äussert sich Stadtcasino-Direktor Thomas Koeb über die Entscheidung des Regierungsrats.

Entsprechend ungehalten äussert sich Stadtcasino-Direktor Thomas Koeb über die Entscheidung des Regierungsrats.

Kanton BS/Juri Weiss

Darum gehts

  • Die Regierung des Kantons Basel-Stadt hat am Donnerstag mitgeteilt, dass Veranstaltungen in Innenräumen mit über 1000 Personen verboten werden.

  • Begründet wird der Entscheid mit der epidemiologischen Lage, das Verbot ist bisher auf den 12. März befristet.

  • Betreibende der Event-Locations sind verärgert: Sie prangern an, dass die starre Personengrenze nur im Kulturbereich angewendet wird.

Im Kanton Basel-Stadt dürfen bis zum 12. März keine Veranstaltungen mit über 1000 Personen in Innenräumen stattfinden. Das hat die Regierung beschlossen und am Donnerstag mitgeteilt. Hängige Gesuche würden nicht bewilligt, bereits erteilte widerrufen. Grund dafür sei die epidemiologische Lage. Ob nach Ablauf des Verbots wieder Grossevents in Innenräumen stattfinden können, ist derzeit unklar. Gesuche könnten zwar eingereicht werden, Bewilligungen unterlägen aber einem Vorbehalt.

Das Musical Theater wollte zum jetzigen Zeitpunkt keine Stellung nehmen. Anders sieht es beim Stadtcasino aus: «Es ist reine Symbolpolitik», sagt Direktor Thomas Koeb. Bei der Location sind laut ihm 15 bis 20 Veranstaltungen betroffen. Aus seiner Sicht ist das Infektionsrisiko bei einem Konzert in einem gut durchlüfteten Innenraum viel geringer, als bei einem schlecht durchlüfteten, kleineren Raum. Die starre Grenze von 1000 Personen im Kulturbereich macht ihm besonders zu schaffen. In anderen Branchen seien die Beschränkungen auch an Quadratmeter gekoppelt. Sein Fazit: «Wenn man die Infektionszahlen reduzieren will, muss man andere Massnahmen treffen».

Nun muss beim Stadtcasino neu organisiert werden. «Manche Veranstaltungen können wir trotzdem durchführen, wenn wir noch keine 1000 Tickets verkauft haben – auch wenn das finanzielle Einbussen mit sich bringt», sagt Koeb. Andere versuche man zu verschieben, aber das sei nicht immer möglich. Tourneen etwa hätten noch weitere Terminverpflichtungen. «Dann bleibt nur noch die Absage», so der Direktor.

«Versuchen so viel wie möglich zuzulassen»

«Der Regierungsrat bedauert diese Entwicklung», heisst es in der Medienmitteilung. Man erachte die Massnahme aber als zwingend zum Schutz der öffentlichen Gesundheit und der Aufrechterhaltung des Gesundheitswesens sowie anderer systemrelevanter Branchen. Auf Anfrage von 20 Minuten schreibt Anne Tschudin, Sprecherin des Gesundheitsdepartements (GD), dass die Bewilligung für ein Musical widerrufen wurde. Die Durchführung der Messe Swissbau sowie ein Konzert und eine Comedy-Show seien nicht bewilligt worden. Auch sei die Dauerbewilligung des Stadtcasinos für Grossveranstaltungen bis zum 12. März ausgesetzt worden.

«Wir versuchen so viel wie möglich zuzulassen», schreibt Tschudin im Hinblick auf die Kritik. Schutzkonzepte spielten dabei eine Rolle, und bei steigender Anzahl von Personen steige das Risiko einer Ansteckung mehrerer Personen von einer Quelle. Dabei sei es ein Unterschied, ob 1000 Personen sich tanzend bewegen oder 50 Personen an Tischen sitzen. «Bei Veranstaltungen zeigt uns die Erfahrung, dass man Einzelfälle beurteilen muss», so Tschudin weiter. Einen Widerspruch zur starren 1000-Personen-Grenze sehe das GD darin nicht: Für die Beurteilung seien auch andere Punkte wichtig, wie etwa die Platzverhältnisse, die Zusammensetzung der Mitwirkenden und des Publikums (Kinder zum Beispiel können sich erst seit Kurzem impfen lassen) oder die Lüftungsmöglichkeiten vor Ort.

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