Corona-Krise trifft Reisebloggerin: «Mir fällt beinahe mein ganzes Einkommen weg»

Aktualisiert

Corona-Krise trifft Reisebloggerin«Mir fällt beinahe mein ganzes Einkommen weg»

Die Corona-Krise setzt dem Tourismus stark zu. Betroffen sind die unterschiedlichsten Berufsfelder. Ein Gespräch mit Reisebloggerin Ellen Gromann.

Martin Hoch
von
Als Reisebloggerin besuchte Ellen Gromann traumhafte Destinationen, wie hier Mauritius.

Als Reisebloggerin besuchte Ellen Gromann traumhafte Destinationen, wie hier Mauritius.

Ellen Gromann

Ellen Gromann, Sie haben in den letzten sechs Jahren einen Reiseblog mit über 25'000 monatlichen Lesern aufgebaut. Sie lebten den Traum vieler?

Ob es der Traum vieler ist, weiss ich nicht. Ich habe meinen Traum gelebt. Aber wie in jedem Job gibt es auch bei mir Sonnen- und Schattenseiten. Wer meint, eine Reisebloggerin sei konstant in den Ferien, täuscht sich. Hinter einem Reiseblog steckt viel Arbeit.

Reisebloggerin Ellen Gromann

Ellen Gromann ist leidenschaftliche Globetrotterin. Sie liebt es Landschaften zu entdecken, neue Kulturen und Menschen kennenzulernen. Diese Leidenschaft teilt sie auf Ihrem Reiseblog. Sie zählt zu den erfolgreichsten Bloggerinnen der Schweiz. Patotra.com

Ellen Gromann ist leidenschaftliche Globetrotterin. Sie liebt es Landschaften zu entdecken, neue Kulturen und Menschen kennenzulernen. Diese Leidenschaft teilt sie auf Ihrem Reiseblog. Sie zählt zu den erfolgreichsten Bloggerinnen der Schweiz. Patotra.com

Ellen Gromann

Welchen Einfluss hat die Corona-Krise auf Ihren Reiseblog?

Die Zugriffszahlen sind massiv gesunken. Aktuell besucht noch etwa ein Drittel der Leser die Seite.

Ab wann zeichnete sich dieser Rückgang der Leserzahlen ab?

Ziemlich zeitgleich mit dem Lockdown in der Schweiz. Als das Virus in Asien oder auch später in Italien bereits grassierte, spürte ich das noch nicht.

Auch in ihrer Heimt, dem Bodensee, ist Ellen Gromann gerne aktiv unterwegs.

Auch in ihrer Heimt, dem Bodensee, ist Ellen Gromann gerne aktiv unterwegs.

Ellen Gromann
Hier verbrachte die Reisebloggerin einen Teil ihrer Kindheit.

Hier verbrachte die Reisebloggerin einen Teil ihrer Kindheit.

Ellen Gromann
Genauso liebt sie das Exotische. Von den freundlichen Menschen und den faszinierenden Landschaften Thailands träumt sie aktuell vom Sofa aus.

Genauso liebt sie das Exotische. Von den freundlichen Menschen und den faszinierenden Landschaften Thailands träumt sie aktuell vom Sofa aus.

Ellen Gromann

Welche wirtschaftlichen Folgen hat das für Sie?

Mein Einkommen generiere ich nicht nur direkt durch, sondern in Zusammenhang mit dem Blog. Beispielsweise mit Content-Partnerschaften. Und diese fielen bis auf ganz wenige Ausnahmen alle weg.

Das schmerzt.

Es ist eine Situation, die ich aktuell mit vielen teile. Und ja, es schmerzt sehr. Mir fällt beinahe mein ganzes Einkommen weg. Als Mutter mit Kindern in Ausbildung fehlt das Geld Ende des Monats.

Ich befinde mich tatsächlich noch in einer Art Schockstarre.

Ellen Gromann, Reisebloggerin

Als Selbständigerwerbende erhalten Sie keine Corona-Erwerbsersatzentschädigung fühlt man sich da unfair behandelt?

In der Krise ist sehr vieles unfair. Das liegt in der Natur einer Krise. Es nützt mir nur gar nichts, wenn ich mich darüber zu sehr aufrege. Ich bin es gewohnt, Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Das heisst, ich muss jetzt für mich eine Lösung finden – auch wenn ich Momentan noch nicht weiss, wie die Lösung aussehen wird. Ich befinde mich tatsächlich noch in einer Art Schockstarre. Aber das wird sich legen, da bin ich sicher.

Mussten Sie bereits geplante Reisen absagen?

Ja, es standen in den kommenden Monaten Recherchereisen nach Singapur, Italien, die Kanalinseln, die Florida Keys und einige Destinationen in der Schweiz an. Diese wurden allesamt abgesagt oder zumindest verschoben.

Der Traum vom Reisen und damit Geld zu verdienen, ist ausgeträumt?

Ich würde sagen, er liegt im Moment auf Eis. Ich mache mir Gedanken wie ich den Einkommensausfall mit anderweitigen Tätigkeiten ausgleichen kann. Es geht hier aber nicht nur um mich. Es stehen momentan unzählige Stellen einer grossen Branche auf dem Spiel. Hotels, Fluggesellschaften, aber auch alle, die indirekt vom Tourismus leben, leiden stark. Ich gehe davon aus, dass unsere Branche auch längerfristig als eine der von der Krise am stärksten betroffenen sein wird.

Was sind Ihre Hoffnungen in dieser Zeit?

Ich hoffe, dass die Krise baldmöglichst überwunden ist. Ich wünsche mir, dass der Tourismus wieder zum Laufen kommt. Ich habe auch die leise Hoffnung, dass durch die Corona-Krise ein Umdenken betreffend Nachhaltigkeit im Tourismus einsetzt. Ich frage mich aktuell auch selber: Macht es Sinn, derart viel und weit weg zu reisen? Und doch möchte ich bleiben, was ich bin: eine Weltentdeckerin.

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