07.06.2019 16:09

Trotz KlimawandelReisebranche ist noch nicht am Boden

Die Klimakrise hat bisher kaum Auswirkungen auf die Schweizer Reise-Branche. Diese sei anpassungsfähig, meint der Präsident des Reise-Verbands.

In diesem Jahr hat sich die Reisebürolandschaft stabilisiert.

In diesem Jahr hat sich die Reisebürolandschaft stabilisiert.

AFP/Mario Tama

Der Präsident des Schweizer Reise-Verbands (SRV), Max Katz, rechnet nicht mit grösseren Marktbereinigungen wegen der derzeitigen Buchungsflaute. «Wir hatten schon viel dramatischere Entwicklungen, etwa nach dem 11. September 2001 oder dem Luxor-Attentat», sagte Katz in einem Interview mit dem Tourismusmagazin «Travel Inside» vom Donnerstag.

«Es kann jetzt vielleicht mal ein Reisebüro treffen, aber ich glaube nicht, dass es tatsächlich grosse Auswirkungen haben wird», sagte Katz: «Wir haben in dieser Branche immer eine grosse Anpassungsfähigkeit bei solchen Veränderungen gezeigt und uns kurzfristig darauf eingestellt.»

Die laufende Saison würde er noch nicht abschreiben. «Ich denke nicht, dass man das jetzige Minus noch in ein Plus drehen kann, aber man kann das Minus noch reduzieren», sagte Katz.

Mehr Reisebüros mit Garantiefonds

In diesem Jahr habe sich die Reisebürolandschaft stabilisiert, der Schwund sei weitgehend vorbei. Die Reisebüros, die eine Kundengeldabsicherung haben müssen, hätten sogar leicht von 1'022 auf 1'032 Büros zugenommen. Diese Steigerung sei wohl auf solche Reisebüros zurückzuführen, die sich neu einem Garantiefonds angeschlossen hätten.

Die Anzahl Reisebüros ohne Kundengeldabsicherung sei indes von 398 auf 325 gesunken. «Insgesamt hat sich die Zahl der Reisebüros stabilisiert. »Die Zahl der SRV-Mitglieder stieg von 684 auf 687«, sagte Katz.

Klimadebatte könnte Auswirkungen haben

Der Schweizer Fluggesellschaft Germania, welche die Pleite der deutschen Germania überstanden hat, hat laut Katz Überlebenschancen. Mit der Beteiligung und Partnerschaft mit Enter Air aus Polen gebe es Synergien beim Treibstoffeinkauf, Catering oder Unterhalt. Das ergebe Grösseneffekte, die für die Schweizer Germania allein mit drei Flugzeugen nicht zu erreichen gewesen wären.

»In der neuen Konstellation denke ich, dass Germania durchaus eine Zukunft hat«, sagte Katz: «Mit dem Geschäft von Air Prishtina, dem Veranstaltergeschäft und dem Einzelplatzverkauf ergibt dies einen Mix, der erfolgreich sein kann.«

Die derzeitigen Klimadebatten könnten Auswirkungen auf die Branche haben, wenn die Diskussion anhalte, sagte Katz: «Ich glaube schon, dass sich das Reiseverhalten verändern wird. Auch bei den Eltern der klimabewegten Jugend." Viele Ziele in Europa seien gut mit dem Zug erreichbar. Man könne auch reisen, ohne zu fliegen.

Erste Auswirkungen habe es schon auf dem Flughafen Zürich gegeben. Die Passagierzahlen seien zwar insgesamt gestiegen, jene der Lokalpassagiere hätten dagegen erstmals seit Jahren im März stagniert und seien im April sogar gesunken, sagte Katz. (sda)

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