18.08.2020 17:29

Neue QuarantäneländerReisebüros müssen Saison vorzeitig beenden

Die Aufnahme Albaniens und der Balearen auf die BAG-Risikoliste trifft die Reisebüros schwer. Die Swiss baut die Kapazitäten aus und fliegt am Mittwoch mit einer Boeing 777 nach Mallorca, auch ITS Coop Travel buchte für Mittwoch einen Rückflug.

von
Fabian Pöschl
1 / 10
Wer von Palma de Mallorca in die Schweiz fliegt, muss in Quarantäne.

Wer von Palma de Mallorca in die Schweiz fliegt, muss in Quarantäne.

Foto: Keystone
Das BAG hat die Quarantäneliste angepasst und die Balearen draufgesetzt.

Das BAG hat die Quarantäneliste angepasst und die Balearen draufgesetzt.

Foto: Cati Cladera (Keystone)
Die Swiss und ITS Coop Travel fliegen nun am Mittwoch mit Spezialflügen Touristen heim.

Die Swiss und ITS Coop Travel fliegen nun am Mittwoch mit Spezialflügen Touristen heim.

Foto: Keystone

Darum gehts

  • Indem der Bund neue Länder auf die Risikoliste genommen hat, versetzte er der Reisebranche einen schweren Schlag.
  • Einige von ihnen hatten bereits zuvor die Saison beendet.
  • Die Swiss und ITS Coop Travel fliegen Touristen am Mittwoch mit Spezialflügen heim.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat die Liste der Risikoländer um Staaten wie Albanien und Belgien angepasst. Auch die bei Touristen beliebten Balearen sind neu auf der Liste. Mallorca-Urlauber müssen folglich nach der Rückreise zehn Tage in Quarantäne.

Was bedeutet der Entscheid für die Airlines? Die Swiss prüft einen Ausbau ihrer Kapazitäten für die Heimkehr der Touristen, etwa mit grösseren Flugzeugen und Zusatzflügen. So fliegt morgen eine Boeing 777 nach Palma de Mallorca, wie eine Sprecherin zu 20 Minuten sagt.

Erzwungenes Saisonende

Bei den Reisebüros fallen die Reaktionen unterschiedlich aus. Für das auf Mallorca-Reisen spezialisierte Team von Universal Mallorca Ferien ist es ein schwerer Schlag, wie CEO Philippe Erhart zu 20 Minuten sagt: «Wir müssen die Saison beenden, obwohl wir noch viele Buchungen für die Herbstferien hätten.»

Erhart hätte sich gewünscht, dass in der Schweiz wie in Deutschland am Flughafen Corona-Tests durchgeführt werden, damit heimkehrende Touristen nicht in jedem Fall in Quarantäne müssen. Den Kunden biete man nun eine vorzeitige Heimreise auf Wunsch an.

«Wir leben von unserem Ersparten»

Das Team von Albanien Reisen ahnte, dass Albanien auf die Risikoliste kommt, wie Geschäftsführer Saimir Shala sagt. Deshalb entschied er vor zwei Wochen, die Reiseangebote bis Oktober zu annullieren. Trotzdem bleiben die Kunden treu. Über 90 Prozent hätten die gebuchte Reise aufs nächste Jahr verschoben.

Shala erhofft sich aber Hilfe vom Bund. Wie die meisten Reisebüros ist Albanien Reisen ein inhabergeführtes Unternehmen: «Meine Partnerin und ich erhalten darum keine Unterstützung bei der Kurzarbeit und müssen mit null Franken Umsatz von unserem Ersparten leben.»

Hotelplan hat mehrere Hundert Touristen auf Mallorca

Auch bei Hotelplan hatte man befürchtet dass Mallorca auf der Liste landet: «Das bedeutet natürlich einen zusätzlichen Aufwand», sagt eine Sprecherin. Derzeit seien mehrere hundert Hotelplan-Touristen in Mallorca. Mehrere hundert weitere Kunden hätten bis Ende Monat gebucht.

Die Hotelplan-Mitarbeiter seien nun damit beschäftigt, die Kunden zu kontaktieren und Lösungen zu finden. «Wenn sie eine Pauschalreise gebucht haben, können sie kostenlos umbuchen oder annullieren», verspricht die Sprecherin. Diese Möglichkeiten gibt es auch bei Kuoni, Tui Suisse und ITS Coop Travel, wie es auf Anfrage heisst.

ITS Coop Travel hat laut Geschäftsführer Andi Restle zudem für Mittwoch einen Rückflug gebucht, damit die Kunden wählen können, ob sie vor Beginn der Quarantänepflicht zurückfliegen.

53 STAATEN

Die neue Liste der Corona-Risikoländer

Albanien (gilt ab dem 20. August)

Andorra (gilt ab dem 20. August)

Argentinien

Armenien

Aruba (gilt ab dem 20. August)

Bahamas

Bahrain

Belgien (gilt ab dem 20. August)

Belize (gilt ab dem 20. August)

Besetztes Palästinensisches Gebiet

Bolivien

Bosnien und Herzegowina

Brasilien

Cabo Verde

Chile

Costa Rica

Dominikanische Republik

Ecuador

El Salvador

Eswatini (Swasiland)

Färöer (gilt ab dem 20. August)

Gibraltar (gilt ab dem 20. August)

Guam (gilt ab dem 20. August)

Guatemala

Honduras

Indien (gilt ab dem 20. August)

Irak

Israel

Kasachstan

Katar

Kirgisistan

Kolumbien

Kosovo

Kuwait

Luxemburg

Malediven

Malta (gilt ab dem 20. August)

Mexiko

Moldova

Monaco (gilt ab dem 20. August)

Montenegro

Namibia (gilt ab dem 20. August)

Nordmazedonien

Oman

Panama

Peru

Rumänien

Sint Maarten

Spanien (neu inklusive Balearen aber ohne Kanarischen Inseln)

Südafrika

Suriname

Turks- und Caicos-Inseln

Vereinigte Staaten von Amerika (inklusive Puerto Rico und US Virgin Islands)

Nicht mehr auf der Liste (ab 20. August):

Äquatorialguinea

Sao Tome und Principe

Saudi-Arabien

Serbien

Singapur

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.
684 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Spatz vom Dach

19.08.2020, 22:01

Die aktuelle Länderliste wird wohl aus zwei Gründen die letzte gewesen sein: 1. müsste das nächste Mal Frankreich drauf, was politisch/wirtschaftlich nicht geht (Grenzgänger), 2. erfüllt die Schweiz bald ihre eigenen Anforderungen nicht mehr (60 Fälle pro 100k Einwohner innert 14 Tagen ist bei der Bevölkerung von CH+LI 370 pro Tag).

Antonov

19.08.2020, 21:37

Oha, wenn die zwei Länder so viel ausmachen wird mir einiges klarer in der Schweiz.

Nixo

19.08.2020, 20:41

Wer reist oder gereist ist, handelte fahrlässig, denn es ist allseits bekannt, dass das BAG überfordert ist.