Wegen Aschewolke: Reisen mit «Merkel-Tours»
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Wegen AschewolkeReisen mit «Merkel-Tours»

San Francisco – Berlin in drei Tagen: Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel kehrte in einer beispiellosen Odyssee von ihrer USA-Reise zurück.

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Sonntag, 15 Uhr: Angela Merkel trifft in Berlin ein. Die Irrfahrt durch Europa ist – endlich – zu Ende. Die Kanzlerin war am Freitag um 2.30 Uhr deutscher Zeit in San Francisco in das Regierungsflugzeug «Konrad Adenauer» eingestiegen. Noch hiess sie der Pilot «auf dem Flug nach Deutschland» herzlich willkommen. Doch in der Delegation wird bereits über die gigantische Vulkanasche über Europa diskutiert. Zu diesem Zeitpunkt sind allerdings alle der Meinung, die Wolke werde sich vor der Ankunft Merkels verziehen.

Ein grosser Irrtum: Drei Stunden nach Abflug ändert sich bereits die Tonlage im Cockpit. Die Wolke schwebt immer noch über dem Norden Europas. Man werde sie umfliegen müssen, heisst es. Dadurch werde sich die Flugzeit um eineinhalb Stunden verlängern. Inzwischen ist das aber das kleinste Problem. Die akutere Frage lautete: Wo darf gelandet werden – denn Berlin-Tegel hatte gerade dichtgemacht.

Ausweichen im Süden

Gegen 10.00 Uhr, mitten über dem Atlantik, wird plötzlich umdisponiert. Das Flugzeug werde in Lissabon landen. Aus der Luft versucht man, eine Unterkunft für die Kanzlerin und ihre 60-köpfige Delegation zu organisieren. Merkels Termine werden reihenweise abgesagt: Die Griechenland-Debatte in Berlin muss warten, das Partei-Treffen in Neuss auch.

Freitag, 16.15 Uhr: Bei der Ankunft in Lissabon wartet der portugiesische Premier José Socrates am Flughafen. Er begleitet seine Amtskollegin zum Nobelhotel Ritz Carlton. Merkel gönnt sich einen kleinen Rundgang durch die Altstadt. Am nächsten Tag soll es weiter nach Mailand gehen – vielleicht.

Ein Plan B nach dem anderen

Doch daraus wird nichts: Der Flughafen in Mailand ist inzwischen geschlossen worden. «Wir versuchen, uns so weit wie möglich an Deutschland heranzurobben», sagt Beate Baumann, Büroleiterin von Merkel, dem Reporter der «Rheinischen Post». Ausweichziel ist Rom. Am Samstag, um 12.00 Uhr, steigt Angela Merkel in den Regierungs-Airbus ein. Inzwischen ist die Delegation um ein Mitglied gewachsen: Jörg Asmussen, Staatssekretär von Finanzminister Wolfgang Schäuble, der in Madrid am Euro-Finanzministertreffen teilgenommen hatte. Er glaubt, mit dem Kanzler-Tross schneller in die Heimat zu kommen und fliegt per Linienmaschine nach Lissabon.

Angela Merkel regiert Deutschland nun aus der Luft: Sie telefoniert mit Ministern in Berlin, im kleinen Konferenzraum des Airbus diskutiert sie mit ihren Beratern über die Finanzkrise in Griechenland. Sie meistert die Situation mit viel Humor: Scherze über «Merkel-Tours: USA buchen, Europa gratis dazu» machen im Flugzeug die Runde.

«Unbelievable Trip»

Am Samstag, kurz vor 15 Uhr, landet Merkels Komitee in Rom. Weiterfliegen ist unmöglich. Am Rollfeld warten Busse und gepanzerte Limousinen. Silvio Berlusconi, der in Mailand festsitzt, meldet sich per Telefon bei Merkel. Ein «unbelievable Trip», eine unglaubliche Reise, sei das, sagt Merkel und bedankt sich für die Hilfe. Die Autokolonne fährt schliesslich mit einer Polizeieskorte los. Das Ziel: Südtirol. Kurz vor den Alpen soll übernachtet werden, so weit nördlich wie möglich. Es kommen aber nicht alle im Ziel an: Vor Siena, mitten in der idyllischen Landschaft der Toskana, platzt kurz vor 18 Uhr der hintere rechte Reifen des Delegationsbusses. 40 Insassen bleiben zurück, Angela Merkel fährt aus Sicherheitsgründen weiter.

Im Bozener Parkhotel Laurin, am Fusse der Dolomiten, wird erneut angehalten. Nach einem kurzen Abendessen geht es ins Bett, denn Sonntag früh um 8.40 Uhr ist Abfahrt Richtung Berlin. Nach zehn Stunden Autofahrt ist Angela Merkel dann endlich zuhause - im gleichen roten Blazer wie vor drei Tagen.

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