Ferien im Ausland - Reiseveranstalter fordern Ende der PCR-Tests für Schweizer Flüge
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Ferien im AuslandReiseveranstalter fordern Ende der PCR-Tests für Schweizer Flüge

Geht es nach Vertreterinnen und Vertretern der Tourismusbranche, soll die Schweiz von den obligatorischen PCR-Tests abkommen. Ansonsten würden den Schweizerinnen und Schweizern die Ferien vermasselt.

von
Leo Hurni
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Bald kommen die Sommerferien. Wer von der Schweiz aus fliegen will, braucht einen negativen PCR-Test oder Antigen-Schnelltest. Das schreibt der Bund so vor. Will man aber zurück in die Schweiz fliegen, ist nur ein negativer PCR-Test erlaubt.

Bald kommen die Sommerferien. Wer von der Schweiz aus fliegen will, braucht einen negativen PCR-Test oder Antigen-Schnelltest. Das schreibt der Bund so vor. Will man aber zurück in die Schweiz fliegen, ist nur ein negativer PCR-Test erlaubt.

AFP
Das geht ins Geld. Für eine vierköpfige Familie zahlt man schnell rund 600 Franken, um sich mittels PCR-Test gegen Corona testen zu lassen. 

Das geht ins Geld. Für eine vierköpfige Familie zahlt man schnell rund 600 Franken, um sich mittels PCR-Test gegen Corona testen zu lassen.

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Verschiedene Länder, darunter auch Spanien, erlauben neu auch den günstigeren Antigen-Schnelltest zur Einreise ins Land. Mit dieser und weiteren Massnahmen erhofft sich Spanien, Urlauber anzulocken, um die angeschlagene Wirtschaft wieder anzukurbeln.

Verschiedene Länder, darunter auch Spanien, erlauben neu auch den günstigeren Antigen-Schnelltest zur Einreise ins Land. Mit dieser und weiteren Massnahmen erhofft sich Spanien, Urlauber anzulocken, um die angeschlagene Wirtschaft wieder anzukurbeln.

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Darum gehts

  • Wer im Flugzeug anreist, kann in Spanien oder Italien nun auch per Antigen-Schnelltest ein negatives Resultat nachweisen.

  • In der Schweiz ist dafür ein PCR-Test notwendig.

  • Die Reisebranche fordert klar, dass auch die Schweiz die Schnelltests zur Einreise erlaubt.

  • In der Politik sieht man diese Forderung kritisch.

  • Ein Epidemiologe schätzt die Situation ein.

Wer mit dem Flugzeug in die Schweiz einreisen will, braucht einen PCR-Test. Dieser geht vor allem ins Geld. Etwa in Spanien kostet ein Test schnell mal 150 Franken. Anders geht Spanien vor: Dort sind für die Einreise auch die deutlich günstigeren und schnelleren Antigentests zugelassen. Mit dieser und weiteren Massnahmen erhofft sich Spanien, Urlauber wieder anzulocken, um die angeschlagene Wirtschaft wieder anzukurbeln. Auch in Italien sind die Schnelltests für die Einreise zugelassen.

PCR-Test soll weg

Reiseveranstalterinnen und -veranstalter fordern, dass die Schweiz vom obligatorischen PCR-Test bei der Einreise abkommt. Für eine vierköpfige Familie könne der Einreise-Test bis zu 600 Franken kosten, was zur «zur echten Budgetfrage» werde, sagt Globetrotter-Chef André Lüthi. Antigen-Schnelltests seien nicht nur deutlich günstiger, sondern hätten auch noch einen weiteren Vorteil. «Für einen PCR-Test muss man Laboruntersuchungen machen und lange warten, beim Antigen-Test fällt das weg. Organisatorisch hätte das also sicher viele Vorteile.»

Auch weitere Reiseanbieterinnen und -anbieter wünschten sich einen Umgang mit den Tests wie in Spanien und Italien. Sie fürchten, dass die Schweizerinnen und Schweizer ansonsten eher mit dem Auto verreisen oder gar nicht ins Ausland gehen. «Eine pragmatische Haltung Spaniens mit dem Antigentest wäre zweifellos auch in Helvetien begrüssenswert», sagt etwa Matthias Reimann, Mediensprecher der Knecht Reisen. Auch beim Reiseanbieter Kuoni würde man es begrüssen, wenn ein Antigen-Test für die Wiedereinreise in die Schweiz genügen würde.

André Lüthis Forderung geht noch einen Schritt weiter: Nicht nur die PCR-Tests, sondern auch die Quarantäneliste sollte künftig durch konsequente Testkontrollen ersetzt werden. «Einige Länder waren dieses Jahr schon mehrmals auf der Liste und dann wieder nicht. Das ist schwierig nachzuvollziehen.» Grund dafür sei die Koppelung an die Schweizer Infektionszahlen. «Je tiefer die Zahlen in der Schweiz, desto mehr Länder kommen wieder auf die Liste, die zwei Wochen zuvor noch als sicher galten. Besser wäre, bei der Einreise in die Schweiz die Tests wirklich konsequent zu kontrollieren und dafür die Quarantäneliste abzuschaffen», so Lüthi.

Politik stellt sich gegen die Forderung

Politikerinnen und Politiker wollen hingegen an den PCR-Tests festhalten. «Die Schweiz hat jetzt viel richtig gemacht im Umgang mit der Pandemie. Ein kurzfristiger Tourismus-Wettbewerb könnte aber zum Boomerang werden», sagt Mitte-Nationalrat Lorenz Hess. Die Schweiz nur mit einem negativen PCR-Test besuchen zu können, wertet Hess als Gütesiegel. «Wir gelten dafür als sicheres Land, was genauso attraktiv für den Tourismus ist. Mittel- und langfristig profitieren wir also davon mehr, als dass wenn wir jetzt die Testvorgaben lockern.»

SP-Nationalrätin Franziska Roth teilt die Bedenken. Die epidemiologische Lage sei weltweit doch noch nicht so entspannt, wie es gewünscht wäre. Antigen-Tests seien weniger aussagekräftig als PCR-Tests. «Rein für den Tourismus jetzt sinnvolle gesundheitliche Massnahmen aufzugeben, ist der falsche Weg.» Auch Epidemiologen bestätigen, dass PCR-Tests zuverlässige Resultate liefern und im Kampf gegen die Ausbreitung von Mutationen wichtig sind (siehe Box).

«PCR-Test erkennt praktisch alle Infizierten»

Ein grosser Nachteil der Antigen-Tests ist laut Infektiologe Andreas Cerny, dass sie weniger sensitiv sind als die PCT-Tests. Es komme vor, dass eine Person mit niedriger Viruslast fälschlicherweise ein negatives Testresultat erhalte – im Gegensatz zum PCR-Test, der praktisch alle infizierten Personen erkenne. «Der Vorteil ist, dass er weniger kostet und in etwa 20 Minuten gemacht ist.»

Cerny sieht den Vorschlag, auch Antigen-Schnelltests für Flüge zu erlauben, kritisch, gerade mit Blick auf die Delta-Variante, die sich immer noch in vielen Ländern stark ausbreitet. «Im Moment sind wir daran, eine weitere Öffnung der Gesellschaft voranzutreiben. Daher ist es sicher vernünftig, ein Auge auf die mögliche Einschleppung von SARS CoV-2 zu behalten. Hier macht uns vor allem die Delta-Variante Sorgen. Diese steigt in England immer noch an», so Cerny.

Die aktuellen Einreisebestimmungen

Wer in die Schweiz mit dem Flugzeug reisen will, der braucht einen negativen PCR-Test (nicht älter als 72 Stunden) und muss ein Reiseformular ausfüllen, das der Bund zur Verfügung stellt. Ausgenommen davon sind vollständig geimpfte Personen (letzte Impfung darf mehr als sechs Monate zurückliegen) und genesene Personen (Erkrankung darf nicht länger als sechs Monate her sein). Für die Ausreise aus der Schweiz ist hingegen ein PCR-Test nicht zwingend. Je nach Land und Airline ist auch ein Antigen-Schnelltest erlaubt.

Kinder unter 12 Jahren sind bei der Einreise von der Testpflicht ausgeschlossen. Dies gilt sowohl für das Boarding als auch an der Schweizer Grenze. Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren müssen keinen negativen Test vorweisen, sofern sie nicht aus einem Staat einreisen, der aufgrund einer besorgniserregenden Virusvariante auf der BAG-Liste der Risikoländer steht.

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