Buchungsplattformen: Reisevermittler pleite – das gilt es zu beachten

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BuchungsplattformenReisevermittler pleite – das gilt es zu beachten

Online finden sich unzählige Ferienschnäppchen. Doch Vorsicht: Bei einer Pleite des Anbieters ist das Geld schnell weg.

von
F. Lindegger
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Frust statt Ferien - so erging es Kunden, die bei einer der Firmen der Lowcost Group buchten. Im Bild: Feriengäste am Strand von Magaluf auf Mallorca.

Frust statt Ferien - so erging es Kunden, die bei einer der Firmen der Lowcost Group buchten. Im Bild: Feriengäste am Strand von Magaluf auf Mallorca.

/David Ramos
Die Firma ging pleite und informierte ihre Kunden teilweise erst nach ihrer Abreise.

Die Firma ging pleite und informierte ihre Kunden teilweise erst nach ihrer Abreise.

AP/Manu Fernandez
Statt das Meer zu geniessen zu können, wurden die Betroffenen zuerst zur Kasse gebeten.

Statt das Meer zu geniessen zu können, wurden die Betroffenen zuerst zur Kasse gebeten.

Keystone/Gaetan Bally

Statt sich am Strand in Ruhe entspannen, sich im Hotel mit einer bereits bezahlten Buchung herumschlagen – das ist einem Leser kürzlich in den Ferien auf Mallorca passiert. Der Grund: Die Betreiberfirma der Buchungsplattform Hoteling.com, wo der junge Mann sein Hotel gebucht und bezahlt hatte, war pleitegegangen. Vor Ort musste er deshalb nochmals für das Hotel bezahlen, wobei das Angebot des Hotels fast doppelt so teuer war wie der ursprüngliche Preis auf Hoteling.com. Aus einem Schnäppchen wurde schliesslich ein teurer Aufenthalt.

Der Konkurs der Lowcost Group, die Hoteling.com und andere Buchungsplattformen betrieb, könnte laut der englischen Zeitung «Independent» für bis zu 140'000 Kunden eine böse Überraschung nach sich ziehen.

Klagen lohnen sich kaum

Beim Konkurs einer Plattform wie Hoteling.com gilt es für Betroffene einige Punkte zu beachten, damit sie ihr Geld möglicherweise doch noch zurückerhalten. Wurde die Buchung mit Kreditkarte bezahlt, sollte man sich beim Kreditkartenanbieter melden und die Transaktion beanstanden, rät Rechtsanwalt Rolf Metz, der sich auf Reiserecht spezialisiert hat. Grundsätzlich kann innerhalb einer einer gewissen Frist bei Kreditkartenanbietern die Rückerstattung für Transaktionen aufgrund nicht erbrachter Leistungen verlangt werden.

Gegen eine Firma wie die Lowcost Group zu klagen, lohne sich für die Betroffenen dagegen kaum, erklärt Metz. «Die Rechtsverfolgung ist im Verhältnis zum bezahlten Preis viel zu teuer.» Nur schon die Abklärungen, welches Recht angewendet werden müsse, seien kostspielig. «Und selbst für den Fall, dass die Klage gewonnen wird, heisst das noch lange nicht, dass man sein Geld zurückbekommt. Aber man sollte seine Forderung bei der Konkursverwaltung anmelden», so Metz. Bei einer Firmenpleite müsse davon ausgegangen werden, dass kein oder nur wenig Geld für die Kompensation der Geschädigten vorhanden sei.

Firmensitz beachten

Metz rät, bei Buchungen darauf zu achten, dass das Hotel oder die Aktivität vor Ort bezahlt werden kann. «Auf diese Weise geht beim Konkurs einer Buchungsplattform oder auch eines Hotels kein Geld verloren.»

Zudem sollte der Sitz einer Webseite abgeklärt werden: «Es gibt enorm viele Buchungswebseiten und oft ist nicht genau ersichtlich, wer dahinter steckt. Auch eine .ch-Adresse bedeutet nicht, dass es sich um eine Schweizer Firma handelt.» Der Firmensitz ist bei einer Pleite entscheidend. «Hat das Unternehmen seinen Sitz in der Schweiz, ist es bei einem Konkurs einfacher, seine Rechte geltend zu machen», so Metz.

Garantiefonds für Pauschalreisen

Alle seriösen Schweizer Reisebüros verfügen zudem über Kundengeld-Absicherungen. Kommt es zu einem Konkurs oder einer Insolvenz, werden die einbezahlten Gelder zurückerstattet. In der Deutschschweiz durch den Garantiefonds der Schweizer Reisebranche oder die Swiss Travel Security. Allerdings sind durch die Fonds nur Pauschalreisen gedeckt, also Angebote, die Transport, Unterkunft sowie möglicherweise weitere touristische Dienstleistungen und Aktivitäten enthalten.

Werden einzelne Leistungen wie der Flug oder die Unterkunft separat gebucht, kann man sich möglicherweise durch eine Reiseversicherung absichern. Allerdings gilt es, die Bedingungen der Versicherungen zu beachten, denn Konkurse oder Insolvenz sind durch Reiseversicherungen nicht immer gedeckt.

Diese Firmen sind betroffen

Die Lowcost Group hat mit verschiedenen Firmen operiert. Betroffen vom Konkurs sind Lowcosttravelgroup Ltd, lowcostholidays Spain S.L, Hoteling.com und Lowcostbeds.com A.G. Flugtickets, die über die Lowcost Group gebucht wurden, bleiben laut den Nachlassverwaltern in den meisten Fällen gültig. Betroffene sollten sich aber direkt bei der Fluggesellschaft melden. Weniger gut sieht es bei Buchungen von Unterkünften aus. Es muss damit gerechnet werden, dass dieses Geld verloren ist. Zur Sicherheit sollte beim Hotel nachgefragt werden, ob das Zimmer bezahlt wurde. Für Personen, die eine Pauschalreise (Flug plus Hotel) gebucht haben, haben die Behörden der Balearen eine Infoseite eingerichtet.

Auch die deutsche Unister, die Betreiberfirma von Ab-in-den-Urlaub.de und Fluege.de hat vor wenigen Tagen Insolvenz angemeldet. Personen, die vor dem 20. Juli über eine der Plattformen Flüge oder Hotels gebucht haben, müssen allenfalls damit rechnen, dass ihr Geld verloren ist. Weitere Infos zur Unister-Pleite finden Sie hier. (lin)

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