Bern: Reitschule schloss nach sexuellem Übergriff
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BernReitschule schloss nach sexuellem Übergriff

Wegen gewalttätigen Vorfällen auf der Schützenmatte hat die Reitschule die Notbremse gezogen. Es ging auch um sexuelle Gewalt.

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Das alternative Kulturzentrum gab am Samstagnachmittag bekannt: «Die Reitschule ist bis auf Weiteres geschlossen.» Grund sind die unhaltbaren Zustände auf dem Vorplatz.

Das alternative Kulturzentrum gab am Samstagnachmittag bekannt: «Die Reitschule ist bis auf Weiteres geschlossen.» Grund sind die unhaltbaren Zustände auf dem Vorplatz.

Der Platz sei zum «Kristallisationspunkt gesellschaftlicher Probleme» geworden - dies nicht zuletzt wegen der verfehlten Nachtleben-, Drogen- und Asylpolitik. Wochenende für Wochenende würden auf dem Vorplatz verschiedenste Menschen und Interessen aufeinandertreffen.

Der Platz sei zum «Kristallisationspunkt gesellschaftlicher Probleme» geworden - dies nicht zuletzt wegen der verfehlten Nachtleben-, Drogen- und Asylpolitik. Wochenende für Wochenende würden auf dem Vorplatz verschiedenste Menschen und Interessen aufeinandertreffen.

Mit etlichen Transparenten verleihen die Reitschüler ihrer Aussage Nachdruck.

Mit etlichen Transparenten verleihen die Reitschüler ihrer Aussage Nachdruck.

Am Mittwochabend teilte die Mediengruppe der Reitschule mit, dass ein sexueller Übergriff Mitgrund für die Schliessung des Hauses war: «Nach Betriebsende am frühen Samstagmorgen machte ein Passant noch verbleibende Reitschüler auf eine Person aufmerksam, welche im Grossraum Schützenmatte Opfer eines sexuellen Übergriffs geworden war.»

Reitschüler hätten reagiert, eingegriffen und die Betroffenen unterstützt indem sie erste Hilfe geleistet und die Sanitätspolizei informiert hätten. Aus Rücksichtnahme auf das Opfer, sei dies bisher nicht kommuniziert worden. Das Ereignis hätte sich zwar auf der Schützenmatte, nicht jedoch in der Reitschule oder direkt auf dem Vorplatz ereignet.

«Das hat das Fass zum Überlaufen gebracht»

«Dieser Vorfall und andere Ereignisse an diesem Abend, bei denen Personen zu Schaden kamen, haben für uns das Fass zum Überlaufen gebracht.» Die Reitschule verurteile solche Vorfälle aufs Schärfste, denn sie würden den Grundsätzen der Reitschule diametral widersprechen. «Um ein Zeichen zu setzen, haben wir die Tore vorläufig geschlossen», heisst es in der Mitteilung weiter.

Die Kantonspolizei Bern weiss bisher nichts vom sexuellen Übergriff. Dass noch keine Anzeige erfolgte, ginge jedoch nicht auf das Konto der Reitschule: «Entgegen wilden Gerüchten, rät die Reitschule niemandem von einer Anzeige ab», so die Mediengruppe gegenüber 20 Minuten.

Bereits im Frühling kommunizierte die Reitschule gegenüber dem «Bund», dass man das Gefühl habe, dass sich Fälle von sexueller Belästigung «zu häufen beginnen».

Diskussion um die Wiedereröffnung

Wann die Reitschule wieder öffnet, ist laut der Mediengruppe «Gegenstand von Diskussionen». Bis dahin werde man in der Reitschule präsent sein und «den Vorplatz nicht sich selbst überlassen.»

«Für uns ist klar, dass Veränderungen her müssen», lassen die Reitschüler verlauten. Was die Reitschule dazu beitragen könne, werde derzeit in den Strukturen diskutiert. Ausserdem betont die Mediengruppe, dass die Situation vor der Reitschule gesellschaftliche Ursachen habe. Die Reitschule fordert die städtischen Behörden auf, ihre Drogen-, Nachtleben- und Jugendpolitik grundsätzlich zu überdenken, um «endlich Lösungen zu suchen, welche nicht daraus bestehen, sämtliche Probleme im öffentlichen Raum vor die Reitschule abzuschieben».

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