Aktualisiert 07.10.2013 09:06

Pony Karioka

Reitverband wählt verurteilten Tierquäler

Der Schweizer Berufsreiterverband hat einen Reitlehrer in den Vorstand gewählt, der wegen eines Verstosses gegen das Tierschutzgesetz verurteilt wurde. Nun soll er zurücktreten.

von
dp
Der Tierarzt J. B.* wurde dafür verantwortlich gemacht, dass das Pony Karioka bei einer Ausbildungsstunde stürzte und eingeschläfert werden musste. Symbolbild

Der Tierarzt J. B.* wurde dafür verantwortlich gemacht, dass das Pony Karioka bei einer Ausbildungsstunde stürzte und eingeschläfert werden musste. Symbolbild

Der Fall sorgte für grosses Aufsehen: Der Reitlehrer und Tierarzt J. B.* (Name der Redaktion bekannt) wurde im September 2010 dafür verantwortlich gemacht, dass ein Pony 2007 bei einer Ausbildungsstunde stürzte, sich dabei das Genick brach und eingeschläfert werden musste. «Das Pony Karioka starb nach neun Stunden Leiden», titelte der «Tages-Anzeiger».

Das Bezirksgericht Winterthur verurteilte B. wegen eines Verstosses gegen das Tierschutzgesetz zu einer bedingten Geldstrafe von 210 Tagessätzen und einer Busse von 4000 Franken. Die Staatsanwältin sprach damals von einer reinen Machtdemonstration gegenüber einem schwachen Lebewesen und von fehlender Empathie des Reitlehrers.

Reiter fordern Rücktritt

Nun hat der Schweizerische Berufsreiterverband SHP (Swiss Horse Professionals) B. Mitte August als Presseverantwortlichen in seinen Vorstand berufen. Im Internet hagelt es seither Kritik. Das deutsche Magazin «Dressur-Studien» verlieh dem SHP den «Grand Prix de Blamage» des Monats Oktober 2013. Auch das österreichische Pferdemagazin «Pferd plus» kritisiert den Entscheid. Die Regionalgruppe Schweiz des Netzwerks «Fair zum Pferd» hat ebenfalls reagiert und eine Online-Petition gestartet, die inzwischen über 1000 Personen unterschrieben haben. Der SHP wird dazu aufgefordert, B. mit sofortiger Wirkung aus dem Vorstand auszuschliessen.

«Nur so kann der Schweizer Berufsreiterverband wieder seine hohe Berufsethik verkörpern und ein klares Zeichen gegen Missbrauch und Tierquälerei setzen», sagt Uschi Regli von «Fair zum Pferd». Der SHP sende mit dieser Wahl ein völlig falsches Signal an die Reiterwelt. B. sei mit seiner Vergangenheit kein Vorbild für die zahlreichen jungen Berufsreiter.

«Ich bin kein Tierquäler»

Morgen Montag wird sich der SHP im Rahmen einer Vorstandssitzung mit der Angelegenheit befassen. B. bestätigt, dass er sein Amt zur Verfügung stellen wird. Er wolle dem Vorstand nicht schaden. B. möchte dies aber nicht als Schuldeingeständnis verstanden wissen: «Es gibt nicht viele, die so viel Positives für die Anliegen des Pferdes gemacht haben wie ich». Überall, wo gearbeitet werde, passierten Fehler, auch bei der Arbeit mit Tieren. Er sei aber kein Tierquäler. Zu den Petitionären, die seinen Rücktritt fordern, sagt B.: «Der Tierschutz ist heutzutage in den Händen von Fundamentalisten, die mit ihren extremen Ansichten zum Teil gegen das Wohl des Tieres arbeiten.»

*Name der Redaktion bekannt

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