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Notsaison mit SpektakelRekorde und Verlierer des verrückten Formel-1-Jahres

Ein F1-Jahr zum Vergessen war es für Ferrari-Pilot Sebastian Vettel. Aber auch andere werden sich ungern erinnern. Der Dominator fuhr aber wieder allen davon.

Der grösste Schock-Moment im Formel-1-Jahr 2020: Grosjeans Unfall in Bahrain.

Video: SRF

Darum gehts

  • Die Formel-1-Saison geht am Sonntag mit dem GP in Abu Dhabi zu Ende.

  • Es war wegen Corona eine aussergewöhnliche Saison.

  • Es gab Gewinner und Verlierer – wir stellen sie vor.

Eine Formel-1-Saison, die sportlich schon entschieden schien, bevor sie anfing. Eine Saison, die doch ganz anders war als geplant. Rekorde und Rennen auf unbekannten oder lange nicht genutzten Strecken mit grossem Unterhaltungswert. Neue Hauptdarsteller, aber auch alter Ärger. Gewinner und Verlierer der Formel-1-Saison 2020 im Zeichen der Corona-Pandemie.

Die Gewinner

Spektakel trotz Krisenzeiten

22 Rennen sollten es werden. So viele wie noch nie. 17 wurden es. Mehr, als zu erwarten war. Corona bremste auch die Formel 1. Vier Monate später als geplant ging es erst los. Dann aber im Eiltempo. Strikte Hygieneprotokolle konnten einzelne Corona-Fälle nicht verhindern, sorgten aber für einen letztlich fast reibungslosen Ablauf in den weltweiten Krisenzeiten. Die Formel-1-Macher erliessen Startgebühren, improvisierten und kehrten auf lange gemiedene Strecken zurück: Nürburgring, Imola, Istanbul. Ganz neu dazu kamen Mugello, Portimão. Fahrer und Fans, selbst wenn nur eher wenige an die Strecken durften, schwärmten. Und endlich mal neue Gesichter auf den Podesten, sogar auf dem obersten Treppchen: Pierre Gasly in Monza und Sergio Perez in Bahrain.

Verstappen holt sich die letzte Pole der Saison

Der Niederländer Max Verstappen hat sich die Pole-Position für das Saisonfinale in Abu Dhabi vom Sonntag gesichert. Der Red-Bull-Pilot setzte sich in der packenden Zeitenjagd mit nur 0,025 Sekunden Vorsprung vor Vizeweltmeister Valtteri Bottas im Mercedes durch. Platz drei belegte Weltmeister Lewis Hamilton im zweiten Silberpfeil. Nach seiner Corona-Zwangspause hatte der Brite auch nur 0,086 Sekunden Rückstand auf Verstappen, der sich erstmals in dieser Saison den ersten Startplatz sicherte.

Die beiden Alfa-Romeo-Piloten Antonio Giovinazzi und Kimi Räikkönen kamen nach bereits enttäuschenden Trainings zu keinem Exploit müssen von Position 14 bzw. 16 starten.

Nachdem Hamilton schon seit einem Monat als Weltmeister feststeht, geht es im 17. Saisonlauf noch darum, wer Vize-Champion wird. Bottas hat mit 205 Punkten die besten Chancen, aber auch Verstappen (189) kann noch auf Rang zwei klettern. (dpa/lai)

Der Überlebende

Flammen, ein Auto in zwei Teilen, Trümmer. Ein Unfall, wie er schlimmer kaum vorstellbar sein konnte. Ein Wunder, wie es kaum unerklärlicher sein könnte. Bei dem furchterregenden Feuercrash von Bahrain im drittletzten Saisonrennen erleidet Romain Grosjean aber nur Verbrennungen an den Handrücken. Er steigt selbst aus dem Auto, auch die Liebe zu seiner Familie, zu den Kindern, gibt ihm die Kraft, sich nach fast einer halben Minute aus dem brennenden Wrack zu befreien.

Ein Streckenposten versucht in Sakhir, den Brand von Romain Grosjeans Haas-Boliden einzudämmen. 

Ein Streckenposten versucht in Sakhir, den Brand von Romain Grosjeans Haas-Boliden einzudämmen.

Foto: AP

Der Rekordweltmeister

Titel Nummer 7 machte er perfekt, er führte Mercedes auch zum siebten Team-Triumph in Serie. Lewis Hamilton steigerte sich wieder einmal, degradierte Teamkollege Valtteri Bottas zum Statisten. Nur eines konnte er in diesem Jahr nicht: den 13-Siege-Rekord in einer Saison einstellen. Corona bremste den Briten aus. Mit 35 Jahren und ungestillter Gier ist Hamiltons Siegeszug aber nicht beendet. Er will mehr, und er will auch weiterhin seine Strahlkraft nutzen, um den Kampf gegen Rassismus, für Gleichheit und Diversität in der Formel 1 anzuführen – so wie in diesem Jahr.

Der Aufsteiger

Er fuhr aus dem Rahmenprogramm in die Königsklasse: Mick Schumacher. Der Rekordweltmeister-Sohn, der längst selbst Karriere macht. Haas hat sich ihn dank Ferrari-Beziehungen schnappen können. Nach einer anfänglichen Ergebniskrise trotz guter Leistungen startete der 21-Jährige in der Formel 2 durch und krönte sich am vergangenen Sonntag zum Champion. Ein Aufstieg mit Würde und Titel.

Die Verlierer

Der Ausgebootete I

Zu wissen, dass ein Rennstall nicht mehr auf einen setzt, bevor das erste Rennen startet, das musste Sebastian Vettel verkraften. Mittlerweile 33 Jahre alt, dreifacher Familienvater, viermaliger Weltmeister. Für Ferrari aber ein Auslaufmodell. Die sechste und letzte gemeinsame Saison wurde zum Tiefpunkt. WM-13. mit 33 Punkten bis jetzt. Die holte Vettel zu besseren Zeiten in zwei Rennen. Der Wagen für Vettel oft unfahrbar, Vettel für den Wagen nicht anpassungsfähig genug. Ein unwürdiger Abschied einer in vielerlei Hinsicht gescheiterten Beziehung.

Der Ausgebootete II

Da gewinnt er in seinem 190. Rennen. Ist WM-Vierter, nur geschlagen von Hamilton, Bottas und Max Verstappen im Red Bull. 16 Stammpiloten sind schlechter im Klassement als dieser Sergio Perez aus Mexiko, der wegen seiner positiven Corona-Tests noch zwei Rennen hatte aussetzen müssen. Er bringt Geld mit von Sponsoren. Er gilt als äusserst zuverlässig, er wird als feiner Kerl beschrieben. Nützt nichts. Bei Racing Point ist kein Platz mehr. Perez muss weg. Racing Point braucht das Cockpit für Vettel. Lance Stroll, Filius des steinreichen Mitbesitzers Lawrence Stroll, stand natürlich nicht zur Disposition.

Der junge Herausforderer

Max Verstappen hatte 2020 die letzte Chance, sich den Titel des jüngsten Formel-1-Champions von Vettel zu holen. Verstappen scheiterte. Mit seinen 23 Jahren hat der Niederländer bereits 118 Rennen absolviert. Nach drei Siegen 2019 schaffte er bis zum letzten GP am Sonntag nur einen. WM-Dritter. Das reicht Verstappen nicht. Im Red Bull reicht es für Verstappen gegen Mercedes nicht. Als Team ging diesmal noch weniger. Alexander Albons Bewerbungsfahrten für nächstes Jahr mit nur zwei Podestplätzen – zu wenig.

Der alte Herausforderer

Jährlich grüsst am Saisonanfang der Finne. Valtteri Bottas gibt sich immer wieder zuversichtlich, diesen Hamilton doch irgendwie schlagen zu können. Und er hält auch immer wieder dagegen, siegte beim Auftakt in Spielberg. Am Ende reicht es aber wieder nicht für den 31-Jährigen aus Nastola, der seit 2017 für die Silberpfeile fährt. 68 Rennen hat er seitdem für Mercedes bestritten. Neun davon gewann er. Im gleichen Zeitraum feierte Hamilton 42 Siege, das sagt alles. Dass Bottas am vergangenen Wochenende gegen Hamilton-Vertreter George Russell im Rennen alles andere als gut aussah, lässt manche sogar daran zweifeln, dass der Finne auch im kommenden Jahr zum Saisonanfang im Mercedes-Overall grüssen wird.

(dpa)

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3 Kommentare
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KF

13.12.2020, 13:44

Schade, Vettel war die einzige sypmpathische Figur in der F1 :-(

Jodie Mills

12.12.2020, 17:19

Was ein Vettel bei Ferrari nicht kann, was hingegen ein M. Schumacher hervorragend konnte: Dem Team entscheidende technische Hinweise zu geben, um das Auto schneller zu machen und immer wieder neu zu entwickeln. Da wird Vettel künftig auch bei Aston Martin nicht glücklich und erfolgreich werden. Das selbe gilt für Mick bei Haas. Fahren im hinteren Mittelfeld.