Drug-Checking Zürich: Rekordhoch bei überdosiertem MDMA
Aktualisiert

Drug-Checking ZürichRekordhoch bei überdosiertem MDMA

Das Drogeninformationszentrum Zürich (DIZ) hat 2016 doppelt so viele Tests durchgeführt wie noch ein Jahr zuvor – und warnt vor verunreinigtem Koks und überdosiertem MDMA.

von
ced
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In Zürich gibt es Drug-Checking seit vielen Jahren - und es ist breit akzeptiert. Hier das mobile Labor anlässlich einer Street-Parade.

In Zürich gibt es Drug-Checking seit vielen Jahren - und es ist breit akzeptiert. Hier das mobile Labor anlässlich einer Street-Parade.

Keystone/Alessandro Della Bella
Jeweils am Dienstag- und seit Anfang 2016 auch am Freitagabend bietet das Drogeninformationszentrum DIZ in Zürich kostenlos und anonym Drug-Checking an. An einer Magnettafel hängen Warnungen von Pillen mit zu hohen MDMA-Dosen.

Jeweils am Dienstag- und seit Anfang 2016 auch am Freitagabend bietet das Drogeninformationszentrum DIZ in Zürich kostenlos und anonym Drug-Checking an. An einer Magnettafel hängen Warnungen von Pillen mit zu hohen MDMA-Dosen.

gio

Drogentests boomen: 3050 Personen, 70 Prozent davon Männer, liessen sich 2016 vom Drogeninformationszentrum Zürich (DIZ) beraten. Das sind doppelt so viele wie noch ein Jahr zuvor. Insgesamt wurden 2064 Substanzproben getestet – 2015 waren es noch 1357 Portionen (ohne das mobile Drug-Checking).

Der markante Anstieg lässt sich durch die erstmals ausgewerteten Daten des mobilen Drug-Checkings erklären: An acht Anlässen wurden im Schnitt 33 Substanzen direkt vor Ort getestet. Aber auch ein weiterer DIZ-Öffnungstag, der Anfang 2016 eingeführt wurde, trägt zur Zunahme bei. «Wir sind momentan gut ausgelastet – aber nicht überlastet», sagt Chritian Kobel, Leiter Jugendberatung Streetwork.

Koks wird mit Tiermedikament gestreckt

Mit 43 Prozent machte Kokain auch 2016 den grössten Anteil der vom DIZ getesteten Proben aus. Deutlich mehr als die Hälfte der abgegebenen Kokainproben enthielten ein psychoaktives Streckmittel, meist Levamisol. Das in der Tiermedizin gegen Wurmbefall eingesetzte Medikament führt dazu, dass die Wirkung des Kokains stärker wahrgenommen wird. Es kann bei regelmässigem Konsum aber zu schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen.

Auch Amphetamin (20 Prozent) und MDMA-Pillen oder -Pulver (18 Prozent) wurden häufig getestet. Seit 2011 verzeichnet das DIZ zunehmend extrem hoch dosierte Tabletten mit einem Gehalt von über 160 mg MDMA. Dies ist die Maximaldosierung für einen 106 Kilogramm schweren Mann oder eine 123 Kilogramm schwere Frau. «Diese Entwicklung ist besorgniserregend, besonders, weil man den Pillen die Dosierung nicht ansieht», sagt Kobel.

Rekordhoch bei überdosiertem MDMA

Rund ein Fünftel der Tabletten enthielt sogar über 200 mg MDMA – ein neuer Rekord. Hohe Dosen können zu Überhitzung, Dehydration und Herz-Kreislauf-Überbelastungen führen – im schlimmsten Fall gar zu Hirnschäden, Organversagen oder Kreislaufzusammenbruch. Kobel: «Wir weisen Konsumenten in persönlichen Gesprächen darauf hin und warnen sie vor möglichen Folgen.»

120 Personen haben sich im letzten Jahr nach Gesprächen zu einer Therapie bereit erklärt. Kobel: «Oft kommt es auch vor, dass Konsumenten die Substanzen gleich bei uns lassen, weil sie selbst nicht an überdosierten oder verunreinigten Drogen interessiert sind.»

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