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Rekordhoher Ölpreis lässt Benzinpreise weiter steigen

Autofahrer müssen ab heute wieder tiefer in die Tasche greifen: Esso erhöht am Mittwoch die Preise für Benzin und Diesel um fünf Rappen. Der TCS rechnet ab Sommer mit Kosten um 1,80 Franken pro Liter. Die Ölpreise auf Rekordniveau stellen aber keine Gefahr für die Konjunktur in der Schweiz dar.

Auf dem aktuellen Niveau von über 70 Dollar pro Fass sei der Ölpreis keine Gefahr für den Wirtschaftsaufschwung, sagte Aymo Brunetti, Chefökonom im Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) am Dienstag auf Anfrage. Die anderen Faktoren seien so günstig, dass die Wachstumsprognose von zwei Prozent, die von einem Ölpreis um 60 Dollar pro Fass ausging, nicht revidiert werden müsse. Für die Konjunktur wirklich belastend wäre laut Brunetti erst ein weiterer starker Sprung der Preise nach oben. Zum Glück sei das Inflationsrisiko wegen der sehr tiefen Inflationserwartungen relativ gering. Der erstaunliche Anstieg des Ölpreises in den vergangenen Jahren habe die Nationalbanken nicht veranlasst, geldpolitisch einzugreifen.

Die Preise für Ölprodukte steigen allerdings weiter. So erhöht die Mineralölgesellschaft Esso am (morgigen) Mittwoch die Preise für den Liter Bleifrei 95 und 98 sowie Diesel um fünf Rappen. Durchschnittlich beträgt der Preis für einen Liter Bleifrei 95 im Raum Zürich damit 174,5 Rappen. Den Kunden werde damit nur ein Teil der Kosten übertragen, wie ein Sprecher sagte. «Wir beobachten den Markt sehr genau», sagte Rainer Winzenried von Shell auf Anfrage. Entscheide seien aber noch keine gefällt. Aktuell liegen die Durchschnittspreise für Bleifrei 95 und 98 bei 1,68 und 1,73 Franken pro Liter. Auch die Heizölpreise sind rund zehn Franken pro 100 Liter über dem Vorjahr. Sie steigen aber weniger stark als die Treibstoffe, wie Rolf Hartl, Geschäftsführer der Erdölvereinigung sagte.

Der Touring Club Schweiz (TCS) rechnet wegen anhaltend starker Nachfrage und knapper Raffineriekapazität in den USA damit, dass die Benzin- und Dieselpreise ab kommendem Sommer für längere Zeit um 1,80 Franken liegen werden, wie Erich Schwizer, Projektleiter Technik und Wirtschaft, sagte. Benzinpreise über 1,60 Franken gebe es erst seit vergangenem Jahr. Der bisherige Rekord für Bleifrei 95 vom vergangenen September stehe bei 1,77 Franken. Im vergangenen Jahr war der Durchschnittspreis beim Benzin um rund 15 Rappen, beim Diesel um rund 20 Rappen gestiegen.

Für eine Preissenkung beim unverarbeiteten Öl gibt es laut Hartl derzeit keine Anzeichen. Mit konkreten Prognosen hielt er sich allerdings zurück. Als Ursachen für den andauernden Anstieg nannte er politische Ängste im Zusammenhang mit dem Streit um das Atomprogramm im Iran, dem mit einem 5,2-Prozent-Anteil viertgrössten Erdöllieferanten, dann auch die Lage in Nigeria und die antiamerikanische Rhetorik in Venezuela. Ein scharfer Treiber seien zudem die tiefen Bestandsdaten beim Benzin in den USA, die Lieferungen aus Europa nach den USA erwarten liessen. (dapd)

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