Aktualisiert 27.01.2011 19:35

Engelberg OWRekordjahr für die Bergbahnen Titlis Rotair

Gute Schneeverhältnisse und ein massiver Zustrom von Touristen aus Asien haben den Bergbahnen Titlis Rotair das beste Betriebsergebnis der Geschichte ermöglicht. Trotz eines Betrugsfalls bleibt netto ein Gewinn von 1,3 Millionen Franken.

Im Ende Oktober abgeschlossenen Geschäftsjahr 2009/2010 erzielten die Bergbahnen Engelberg-Trübsee-Titlis AG (BET) einen rekordhohen Umsatz von 51,9 Millionen Franken. Dies entspricht gegenüber dem Vorjahr einer Zunahme von 18 Prozent, wie es in einer Mitteilung vom Mittwoch heisst.

Der Aufwand erhöhte sich um lediglich 8 Prozent. Weil auch die Abschreibungen konstant auf Vorjahresniveau verharrten, resultiert ein ordentliches Betriebsergebnis von knapp 12 Mio. Franken oder 84 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Verwaltungsrat beantragt eine unveränderte Ausschüttung von 60 Franken pro Aktie.

Betrugsfall: Untersuchung läuft

Ein dunkles Kapitel im vergangenen Geschäftsjahr sei der massive Betrugsfall in der Finanzabteilung gewesen, heisst es weiter. Angeblich um der Firma zusätzliche Erträge zu verschaffen, hatte der Finanzbuchhalter und stellvertretende Finanzchef seit April 2009 eigenmächtig erst kleinere Zahlungen und ab Januar 2010 grosse Beträge in eine vermeintlich seriöse asiatische Investmentgesellschaft investiert.

Die Zahlungen verschleierte er anfänglich, indem er sie gegen Kassaeinnahmen abbuchte. Die gesamte Deliktsumme beträgt 10,4 Millionen Franken und wurde nach und nach auf ein Konto der Best Market Holding bei der HSBC in Macau einbezahlt - eine Firma, die, wie sich später herausstellte, ein mafiöses Konstrukt darstellt.

Als die Sache im Juni 2010 aufflog, wurde der fehlbare Mitarbeiter fristlos entlassen, und die BET reichte beim Verhöramt des Kantons Obwalden Strafklage ein. Der Fall ist hängig.

Ob und in welchem Umfang die veruntreuten 10,4 Mio. Franken wieder zurückgeschafft werden können, sei derzeit noch unklar. Die Anwälte seien bemüht, via das Justizdepartement von Macau an die Gelder heranzukommen.

Neue Führungscrew

Der Verwaltungsrat sei sich bewusst, dass das Vieraugenprinzip missbraucht worden sei und die Kontrolle in der Unternehmensleitung versagt habe, heisst es im Communiqué. Als Folge wurde das Verbuchungssystem geändert, und der Verwaltungsrat hat zur strengeren Überwachung der Geschäftsleitung ein audit committee gebildet.

Die Stellen des Geschäftsleiters und des Finanzchefs sind neu besetzt. Seit Anfang November amtet Norbert Patt als neuer Geschäftsführer, und seit Anfang Jahr hat Esther Schneider die Leitung der Finanzen übernommen.

Zum Rücktritt als Geschäftsführer habe sich Albert Wyler schon 2009 entschieden, also lange vor dem Betrugsfall, genauso wie Finanzchef Giann Theler, der seinen Rücktritt ebenfalls schon 2009 angekündigt habe.

«Wegen des hohen Schadens durch die betrügerischen Machenschaften des Finanzbuchhalters» hat der Verwaltungsrat entschieden, sich selber sowie dem CEO und dem CFO keine Boni auszuzahlen. (sda)

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