Aktualisiert 05.07.2018 10:25

Sprung in JetstreamRekordversuch von Berner endet beinahe tödlich

Während seines Sprungs aus 7500 Metern Höhe in den Jetstream erlebte Marc Hauser aus Bern dramatische Szenen. Es ging um Leben und Tod.

von
Raphael Casablanca

Während der brenzligen Situation, filmte der Kameramann den Schreckensmoment. Wie durch ein Wunder kam niemand zu Schaden. (Video: Marc Hauser/ Erfolgswelle)

Sky-Diver Marc Hauser tat, was sich zuvor noch keiner traute: Als erster Mensch der Welt sprang der Berner aus über 7500 Metern über Australien in einen Jetstream. Dies sind besonders starke Windströmungen, die sich in grosser Höhe um die Welt ziehen. Mit Hilfe eines Jetstreams wollte Hauser am Samstag einen Geschwindigkeitsrekord aufstellen. Der Sprung sollte aus einem Heissluftballon erfolgen. Doch kurz vor dem Absprung spielten sich im Ballon dramatische Minuten ab, welche zwei seiner Teamkollegen fast das Leben gekostet hätten: «Wir hatten riesiges Glück», sagt Hauser zu 20 Minuten.

Auf gut 7600 Metern über dem Boden und bei 40° Grad unter Null gerieten der 47-Jährige und sein zweiköpfiges Team in eine lebensbedrohliche Situation: «Wir hatten plötzlich grosse Probleme mit unserem Sauerstoffsystem, das zu gefrieren begann», erzählt Hauser. Neben ihm waren noch Kameramann Tom Näf und Ballonfahrer Steve Griffin an Bord des Heissluftballons.

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«Wir führten im Vorfeld zahlreiche Tests durch. Immer wieder prüften wir unsere Atemgeräte in Eiskammern und optimierten das System fortlaufend», so Hauser.

«Wir führten im Vorfeld zahlreiche Tests durch. Immer wieder prüften wir unsere Atemgeräte in Eiskammern und optimierten das System fortlaufend», so Hauser.

erfolgswelle
Das Team kurz vor dem Abflug. Die drei ahnten zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass sie sich in wenigen Momenten in einer lebensbedrohlichen Situation befinden würden.

Das Team kurz vor dem Abflug. Die drei ahnten zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass sie sich in wenigen Momenten in einer lebensbedrohlichen Situation befinden würden.

erfolgswelle
Auf dem Bild ist zu sehen, wie Marc Hauser und der Ballonfahrer verzweifelt versuchen, die Brenner des Ballons wieder anzukriegen.

Auf dem Bild ist zu sehen, wie Marc Hauser und der Ballonfahrer verzweifelt versuchen, die Brenner des Ballons wieder anzukriegen.

erfolgswelle

«Ich befürchtete, dass die beiden sterben würden»

Doch es kam noch dicker: «Plötzlich versagten alle drei Brenner des Heissluftballons und wir begannen zu sinken», so Hauser. Der Ballonfahrer habe verzweifelt versucht, die Brenner wieder zu zünden. Die Situation war extrem gefährlich.

«In brenzligen Situationen ist es besonders wichtig, nicht in Panik zu geraten», weiss Hauser. Dies sei jedoch im Angesicht des Todes leichter gesagt als getan. Seine Teamkollegen drängten ihn zum Absprung: «Mit mir an Bord verbrauchten wir noch mehr Sauerstoff und sanken schneller.» Also stürzte er sich widerwillig in die Tiefe. «Ich dachte, ich hätte meine Teamkollegen zum letzten Mal gesehen.» Dennoch habe er versucht, im Jetstream seinen Geschwindigkeitsrekord zu brechen (siehe Box) – er kam aber «nur» auf rund 270 km/h.

Restrisiko bleibt auch nach zahlreichen Tests

Als Hauser landete, versuchte er sofort, sein Team zu erreichen und suchte den Himmel nach ihnen ab: «Weder ging jemand ans Telefon noch konnte ich den Ballon sehen.» Bange Minuten später erhielt Hauser dann die erlösende Entwarnung. «Es ist wirklich ein Wunder, dass niemand zu Schaden kam», sagt er.

Nachdem Hauser absprang, schafften es seine Kameraden, die Brenner wieder anzukriegen und hatten noch genug Sauerstoffreserven, um es bis zu Boden zu schaffen. Auch wenn beide Männer unverletzt blieben, hat der Vorfall Spuren hinterlassen – besonders beim Kameramann. Hauser: «Er schwor mir, nie wieder einen Fuss in einen Heissluftballon zu setzen.»

Weltrekord wird zur Nebensache

Hauser hält einen Weltrekord im Speed Tracking, dem horizontalen Fliegen mit hohen Geschwindigkeiten. Ihm geht es jedoch in erster Linie nicht darum, einen Rekord nach dem anderen zu jagen. Das Ziel seiner Mission ist es, auf das noch weitgehend ungenutzte Energiepotenzial von Höhenwinden aufmerksam zu machen: «Jetstreams könnte man auch als alternative Energiequelle nutzen.»

Trotz des verpassten Rekordes gibt sich Hauser zufrieden: «Das Wichtigste ist, dass niemand verletzt wurde.» Immerhin: «Ich sprang als erster Mensch in einen Jetstream.»

Das ganze Video von Marc Hauser, findest du hier.

Wer ist Marc Hauser?

Der Berner Marc Hauser machte seine Leidenschaft zum Beruf. Seit mehr als 28 Jahren fliegt der gebürtige Berner durch die Lüfte. Seine Berufung nennt sich Speed Tracking. Das Ziel dabei: mit möglichst hoher Geschwindigkeit horizontal durch die Luft zu düsen. «Mit meiner Körpergrösse von zwei Metern und meinen 110 Kilogramm war ich im freien Fall immer sehr schnell unterwegs», erzählt Hauser in einem Interview mit 20 Minuten. So kam die Idee des Weltrekords. Diesen realisierte Hauser, der seine Höhenangst immer wieder aufs neue überwindet und sich selber als «einen kleiner Höseler» betitelt, bereits im Jahre 2012. Damals erreichte er eine Vorwärtsgeschwindigkeit von 304 Kilometern pro Stunde. Mehr Infos zu Marc unter diesem Link.

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