«Miserabler Kaffee und zu wenig Zeit»: Rekruten motzen über Armee-Zmorge

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«Miserabler Kaffee und zu wenig Zeit»Rekruten motzen über Armee-Zmorge

Laut einem ehemaligen Rekruten starten viele angehende Soldaten schlapp in den Tag. Schuld daran sein sollen das angebotene Frühstück und die mangelnde Zeit.

von
Bettina Zanni

Darum gehts

  • Der Betreiber der Instagram-Seite «Armysieche» klagt im Namen von Rekruten über den Zmorge in der Armee.
  • Da das Angebot und die Zeit nicht ausreichend seien, müssten viele Rekruten mit Zigis und Energy Drinks in den Tag starten. Das mache sie schlapp.
  • «Grundsätzlich sind die RS und der Militärdienst weder Wunschkonzert noch Wellness-Oase», sagt Stefan Holenstein, Oberst im Generalstab und Präsident der Schweizerischen Offiziersgesellschaft.

Schiessübungen, Kampfsport und Theorie: Schon frühmorgens erfordert das Programm von den angehenden Soldaten einiges an körperlicher und geistiger Fitness. Viele Rekruten starten aber alles andere als fit in den Tag. Schuld daran seien das Frühstück und mangelnde Zeit.

In einem Post der Instagram-Seite «Armysieche» jammern Rekruten, dass sie mit lediglich einem Energy Drink und Zigaretten in den Tag starteten. Im Militär müsse man morgens entscheiden, ob man auf die Toilette gehen oder essen wolle. Beides gehe nicht, schreibt ein User, der dafür viel Zustimmung erntet.

«Das Problem ist, dass man in der RS für das Frühstück viel zu wenig Zeit hat. 20 Minuten reichen nicht», sagt A. P .* (22), der Betreiber der Instagram-Seite und Ex-Rekrut. Wer auch noch Raucher sei, habe gleich verloren. «Um in die spezielle Raucherecke zu gehen, müssen einige Rekruten zuerst den halben Kasernenplatz überqueren.»

«Altes Brot und wässriger Instant-Kaffee»

Laut A. P . entspricht auch das Frühstück nicht den Bedürfnissen der angehenden Soldaten, wie er den «zahlreichen Rückmeldungen von Rekruten aus Kasernen schweizweit» entnehme. «Sehr oft gibt es altes Brot, teilweise auch zu wenig Brot, und die immer gleiche Konfitüre.» Dazu sei der Kaffee «miserabel». «Es gibt immer wässrigen Instantkaffee – da kann man gleich einfach Kaffeesatz trinken.»

Anstatt gestärkt seien viele Rekruten in der Folge morgens schlapp, sagt A. P. «Die Laune ist dann komplett im Keller und die Energie kaum da. Viele Leute brauchen ein gutes Frühstück, um fit zu sein.» Seiner Meinung nach müsste die Zmorge-Zeit auf mindestens eine halbe Stunde ausgedehnt werden. Auch seien viele Rekruten der Meinung, dass es ein grösseres Angebot brauche. «Frisches Brot wäre wünschenswert. Auch wäre es motivierend, wenn es ab und zu etwas Spezielles wie Gipfeli, Rührei, Speck oder Baked Beans gäbe.»

«Keine Wellness-Oase»

Militärvertreter haben kein Verständnis für die Frühstückswünsche. «Grundsätzlich sind die RS und der Militärdienst weder Wunschkonzert noch Wellness-Oase», sagt Stefan Holenstein, Oberst im Generalstab und Präsident der Schweizerischen Offiziersgesellschaft. In besonderen Fällen, zum Beispiel nach einer starken Mannschaftsleistung, könnten die Vorgesetzten auch einmal Gipfeli und Rührei als Anerkennung und «Motivationsspritze» anordnen. «Das muss aber klar die Ausnahme bleiben.»

In der RS, wie überhaupt im Militär, hätten die individuellen Ansprüche und Wünsche des Einzelnen hinter dem gemeinschaftlichen Ziel des Kollektivs zurückzustehen, so Holenstein. «Das ist ein wichtiger Integrations- und Erziehungsfaktor der RS.» Den Mix aus Zigis und Energy Drinks zum Zmorge erachtet der Präsident nicht als sinnvoll. «Zigaretten und Energy Drinks sind nicht gerade das, was man sich unter einem guten und gesunden Start in einen anspruchsvollen Rekrutenausbildungstag vorstellt.» Deshalb sei ein ausgewogenes Frühstück umso wichtiger.

Zeit sei angemessen

Die generelle und pauschale Kritik schweizweit am ungenügenden RS-Frühstück trifft laut Holenstein keineswegs zu. Dies könne er aus persönlicher Erfahrung bei RS-Besuchen und aufgrund vieler Rückmeldungen bestätigen. Auch die Armee bestätigt, dass das Angebot den Bedürfnissen entspreche (siehe Box unten).

Die Zeit für das Frühstück beurteilt Holenstein als angemessen. «20 Minuten sind ein durchaus angemessener Durchschnitts- und Erfahrungswert für die Einnahme des Frühstücks.» Eine Ausdehnung und damit Anpassung des Tagesplans sei unnötig und unnütz.


*Name der Redaktion bekannt.

Frühstück in der Armee

Zum Frühstück werden den Rekruten in der Schweizer Armee Brot, Butter, Marmeladen, Honig, Haselnuss-Schokoladenmasse, eine Wurst- und Käseplatte, Frühstückscerealien und Joghurt angeboten, wie Armeesprecher Stefan Hofer auf Anfrage schreibt. «Manchmal wird zudem, je nach Truppe, ein Extra gekocht, wie zum Beispiel: Eier, Speck, Porridge und so weiter.» Lasse es das Budget zu, werde manchmal auch ein Gipfeli abgegeben.

Laut Hofer wird das Brot grundsätzlich am Morgen angeliefert. «Allerdings wird, um ‹Food Waste› zu vermeiden, auch das Brot vom Vortag abgegeben.» Die derzeit zum Frühstück verfügbaren Getränke seien Instantkaffee, Cappuccino, Schokolade, Malz, Früchtetee sowie Orangensaft.

Angebot sei ausgewogen

Das Nahrungsmittelangebot in der Armee ist laut Hofer ausgewogen und auf eine gesunde Ernährung ausgerichtet. «Die Rekruten und Soldaten sind Bürger in Uniform und nehmen auch ihre Vorlieben und Gewohnheiten aus dem zivilen Alltag in den Militärdienst mit.» Die für das Frühstück zur Verfügung stehende Zeit beurteilt Hofer als ausreichend. Diese erfülle erfahrungsgemäss die Bedürfnisse der Rekruten und sei Bestandteil des Tagesbefehls der Kommandanten. Die angebotene Vielfalt sollte die Bedürfnisse aller Rekruten abdecken. Die aktuellen Corona-Einschränkungen erlaubten derzeit allerdings nicht überall und in allen Bereichen die übliche Selbstbedienung, da die Rekruten zum Schutz von Menschen und Lebensmitteln durch Plastik, Kunststoff und Glas vom Küchenpersonal getrennt seien. «Es ist also nicht immer möglich, all diese Wahlmöglichkeiten anzubieten.»

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