Aktualisiert 13.09.2016 09:45

Waffenplatz Thun

Rekruten schiessen aus Versehen auf Wohnhaus

Auf dem Waffenplatz Thun gingen bei einer Materialkontrolle fünf Schüsse eines Maschinengewehrs los. Erschreckend: Sie trafen ein zwei Kilometer entferntes Haus.

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sul/cho
Von so einem Schützenpanzer 2000 lösten sich fünf Schüsse aus dem festinstallierten MG51. Mindestens ein Projektil traf ein zwei Kilometer entferntes Wohnhaus. (KEYSTONE/Monika Flueckiger)

Von so einem Schützenpanzer 2000 lösten sich fünf Schüsse aus dem festinstallierten MG51. Mindestens ein Projektil traf ein zwei Kilometer entferntes Wohnhaus. (KEYSTONE/Monika Flueckiger)

Keystone/Digitalbe

Zum Glück war die Wohnung leer, als die Scheiben zersplitterten: Am 30. August um 17.30 Uhr lösten sich auf dem Waffenplatz Thun fünf Schüsse aus einem Maschinengewehr MG 51, Kaliber 7,5 Millimeter. Diese sind standardmässig auf den Schützenpanzern 2000 fest montiert.

Das Wohnhaus, das von mindestens einem Projektil getroffen wurde, befindet sich ganze zwei Kilometer Luftlinie entfernt vom Waffenplatz Thun. Eine Scheibe ging zu Bruch und in der Wand klafft ein grosses Loch. Nur durch Glück gab es keine Verletzten oder gar Toten.

Tobias Kühne, Mediensprecher der Militärjustiz, bestätigt den Vorfall. «Die Schüsse wurden vom Bereich der Panzerhallen in südlicher Richtung abgefeuert.» Es habe sich um einen «Abpraller, beziehungsweise Querschläger» gehandelt.

Wieso war scharfe Munition im Spiel?

Wie 20 Minuten weiss, handelte es sich um eine Funktionsbereitschaftskontrolle, in der Militärsprache eine FuBeKo. Eigentlich sollten die Waffen dabei niemals scharf geladen sein. Ein Insider erzählt: «Der ausführende Armeeangehörige wollte wohl das MG mit Manipuliermunition laden, welche aus Plastik besteht, jedoch optisch genau gleich aussieht wie scharfe Munition.» Doch für ihn stellt sich ohnehin die Frage, warum überhaupt mit Munition hantiert wurde.

Dies untersucht nun die Militärjustiz. Wie Sprecher Tobias Kühne sagt, laufe eine Untersuchung gegen drei Rekruten. «Nach bisherigen Erkenntnissen hat vermutlich eine Kombination von Fehlmanipulationen zur Schussabgabe geführt. Die genauen Umstände werden noch abgeklärt.»

Über allfällige Konsequenzen für die Betroffenen könne er zum jetzigen Stand der Untersuchung noch nichts sagen. «Es wird insbesondere der Straftatbestand der Nichtbefolgung von Dienstvorschriften geprüft.»

«Hoher Druck, wenig Schlaf»

Der Insider ist keineswegs überrascht über den Vorfall: «Wenn man so wenig schläft und dann noch unter Druck gesetzt wird, eine FuBeKo möglichst rasch auszuführen, passieren schnell Sachen, die im Normalfall nicht denkbar sind.»

Manchmal hätten die Soldaten sowie auch ihre Vorgesetzten «einfach keine Lust mehr und wollen sich einen Spass erlauben, welcher dann schiefgeht.»

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