Moraltest per Handy : Religiöse Menschen sind keine besseren Menschen
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Moraltest per Handy Religiöse Menschen sind keine besseren Menschen

Wie wir es mit der Moral halten, hängt nicht von unserer Religiosität ab. Eine deutlich grössere Rolle spielt unsere politische Einstellung.

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Wenn jemand andere bei guten Taten beobachtet, macht er es ihnen höchstwahrscheinlich nach.

Wenn jemand andere bei guten Taten beobachtet, macht er es ihnen höchstwahrscheinlich nach.

Was ist richtig? Was falsch? Theoretisch weiss jeder die Antwort darauf. Doch nicht immer verhalten wir uns moralisch einwandfrei. Welche Faktoren unser Gebaren beeinflussen, haben Forscher der Universität Köln untersucht.

Für die Studie sendete das Team um Wilhelm Hofmann den insgesamt 1252 Probanden fünfmal am Tag zu zufällig ausgewählten Zeiten eine SMS. In dieser wurden die Teilnehmer gefragt, ob sie innerhalb der letzten Stunde eine moralische oder unmoralische Tat begangen oder bei anderen beobachtet hatten. Diese mussten sie dann beschreiben. Zudem mussten sie in einem Kurzfragebogen angeben, welche Gefühle die Handlungen bei ihnen ausgelöst hatten.

Auf diese Weise kamen in drei Tagen 13'340 Feedbacks zusammen - in rund 30 Prozent berichteten die Teilnehmer von moralischen beziehungsweise unmoralischen Taten.

Wer Gutes tut, wird nachlässiger

Die Auswertung der Daten brachte mehrere Erkenntnisse hervor. So können moralische Taten ansteckend sein: Wenn sich jemand anderes als fair und hilfsbereit präsentiert hat, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass man es ihm nachmacht. Ist man jedoch selbst mit einer guten Tat in den Tag gestartet, heisst das nicht, dass man dieser viele weitere folgen lässt - im Gegenteil: Es machte eine unmoralische Tat im weiteren Tagesverlauf überproportional wahrscheinlicher, so die Forscher im Fachjournal «Science».

Zudem konnten Hofmann und seine Kollegen zeigen, dass religiöse Menschen nicht mehr gute Taten vollbringen als Nicht-Gläubige. Jedoch reagierten sie emotionaler. So zeigten sie sich beschämter, wenn sie unmoralisch gehandelt, und stolzer, wenn sie etwas Gutes getan hatten, heisst es.

Wem Gutes widerfährt, ist glücklicher

Die politische Einstellung spielte hingegen schon eine deutlich gewichtigere Rolle. So berichteten die liberalen Probanden häufiger von Ereignissen, die mit Fairness/Ungerechtigkeit und Aufrichtigkeit/Unehrlichkeit zu tun hatten, und die konservativen von solchen, in denen es um Loyalität/Illoyalität und Reinheit/Unreinheit ging.

Am Glücklichsten waren die Studienteilnehmer übrigens, wenn sie selbst die Adressaten der moralischen Taten anderer waren. Die eigenen guten Taten wurden jeweils als wertvoller beurteilt als die der anderen.

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