Aktualisiert 03.07.2012 11:42

Weg vom GlaubenReligion dient vor allem der Ausgrenzung

Es ist paradox: Immer weniger Menschen in der Schweiz glauben an Gott, doch enervieren sie sich immer öfter öffentlich über Religion. Religion wird vermehrt zur Abgrenzung eingesetzt, haben Forscher festgestellt.

In punkto Religion wächst in der Schweiz eine Kluft: Ihre Bedeutung im Privaten schrumpft, während sie als Zankapfel in Politik und Medien bedeutsamer wird. Zu diesem Schluss kommt das Nationale Forschungsprogramm «Religionsgemeinschaften, Staat und Gesellschaft» (NFP 58) in seinem Schlussbericht vom Dienstag.

Religion werde in den Medien, aber auch auf dem Schulhof und in der Politik oft zur Abgrenzung der «einheimischen» von «fremden» Gruppen benutzt, wie der Schweizerische Nationalfonds (SNF) in einem Communiqué schreibt. Dies geschehe häufig im Zusammenhang mit gewalttätigem Handeln oder stereotypen Wahrnehmungen von Migranten.

Im Gegensatz dazu griffen einzelne Menschen immer seltener auf die traditionelle Religion zurück, schlossen die Forschenden, die für das NFP 58 die Religionslandschaft der Schweiz in 28 Projekten durchleuchtet hatten. Die grossen christlichen Kirchen verlören Mitglieder und besonders unter Jüngeren gelte Religion als «Privatsache».

Wenige Mitglieder, aber sehr engagiert

Trotz der Säkularisierung erführen manche Religionsgemeinschaften Zulauf, schreibt der SNF. Sie hätten zwar wenige, aber hoch engagierte Mitglieder, die eine konservative Lebensführung propagieren. «Diese Heterogenität verschärft das Verhältnis zwischen stark Religiösen und Religionsdistanzierten», zitiert die Mitteilung Christoph Bochinger, Präsident der Leitungsgruppe des NFP 58.

Daher gelte es, den respektvollen Umgang zwischen den verschiedenen Gruppen zu fördern, sagt Bochinger. Die Leitungsgruppe empfiehlt deshalb den Behörden auf allen Ebenen, mehr für die Gleichstellung der religiösen Gruppierungen zu tun. Auch die neuen Gemeinschaften sollten bei politischen Aushandlungen berücksichtigt werden - aber ebenso säkulare Gruppen wie die Freidenker. (sda)

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