900 Mio. Fr. Verlust: Rennen der Credit Suisse jetzt die Kunden davon?
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900 Mio. Fr. VerlustRennen der Credit Suisse jetzt die Kunden davon?

Die Credit Suisse rechnet fürs erste Quartal mit fast einer Milliarde Franken Verlust. Das Vertrauen sei verloren, glaubt ein Experte. Viele Kunden würden nun ihr Geld abziehen.

von
Fabian Pöschl
Raphael Knecht
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Der Ruf der Credit Suisse muss einen weiteren Schlag hinnehmen.

Der Ruf der Credit Suisse muss einen weiteren Schlag hinnehmen.

GETTY IMAGES
Anfang 2021 wurde bekannt, dass die Bank gleich bei zwei viel zu risikofreudigen Hedgefunds Kundengelder investiert hatte.

Anfang 2021 wurde bekannt, dass die Bank gleich bei zwei viel zu risikofreudigen Hedgefunds Kundengelder investiert hatte.

20min
Die Bank rechnet mit einem Verlust von 900 Millionen Franken fürs erste Quartal.

Die Bank rechnet mit einem Verlust von 900 Millionen Franken fürs erste Quartal.

20min/Marco Zangger

Darum gehts

  • Die Credit Suisse ist gleich bei zwei grossen Finanzskandalen involviert.

  • Die Bank erwartet einen Quartalsverlust von 900 Millionen Franken.

  • Viele Kunden dürften versuchen, ihr Geld bei anderen Banken in Sicherheit zu bringen.

  • Manager müssen auf Boni verzichten.

  • Der Ruf der Bank ist stark beschädigt.

Jetzt reagiert die Credit Suisse (CS) auf den Tumult rund um die kollabierten Hedgefonds. Fürs erste Quartal rechnet die Grossbank mit einem Verlust von 900 Millionen Franken. Was bedeutet der Eklat für die Kunden? Wie viel Lohn wird den Managern gestrichen? Und wie muss es weitergehen? Das sind die Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Was heisst das für die Kunden?

Er dürfte davon wenig mitbekommen, ausser dass seine Bank wieder in den Schlagzeilen ist. «Das will der typische Kunde nicht. Daran muss jetzt wirklich gearbeitet werden», sagt Maurice Pedergnana von der Hochschule Luzern zu 20 Minuten. Doch die Bank verfüge international betrachtet weiterhin über ein attraktives Angebot und teilweise herausragende Dienstleistungen

Laufen der CS jetzt die Kunden weg?

Ja, es sei zu erwarten, dass Kunden angesichts der grossen Verluste ihr Erspartes bei einer anderen Bank «in Sicherheit» bringen werden, sagt Branchenkenner Bernhard Bauhofer zu 20 Minuten. Vor allem Kantonalbanken und Raiffeisen könnten davon profitieren. «Das Vertrauen ist offensichtlich verloren. Immer mehr bedeutende, auch institutionelle Investoren sind mit ihrer Geduld am Ende und ziehen das Geld von der Bank ab», sagt der Reputationsexperte.

Wie schlimm sind 900 Millionen Franken Verlust?

«Das sind keine Peanuts», sagt der emeritierte Wirtschaftsprofessor und Unternehmer Martin Janssen zu 20 Minuten. Die CS hatte zuvor eine Börsenkapitalisierung von 30 Milliarden Franken. Mit Greensill und Archegos hat sie nun etwa 20 Prozent ihres Börsenwerts verloren. «Das ist eine gewaltige Zahl. Die Bank kann dadurch erheblich erschüttert werden», so der Ökonom. Die CS selbst teilt mit, der Abschreiber mache eine ansonsten sehr starke Performance in der Vermögensverwaltung zunichte. Aus Sicht der Grossbank ist der Verlust somit zwar schmerzhaft, dürfte aber verkraftbar sein.

Hedgefonds-Debakel

Credit Suisse verliert Kontrolle über Investitionen

Die Credit Suisse (CS) ist gleich bei zwei taumelnden Hedgefonds involviert: Die Firma Greensill Capital nahm zu viele Risiken auf sich und geriet in finanzielle Schwierigkeiten. Die CS hatte rund zehn Milliarden Franken an Kundenvermögen bei Greensill investiert – offenbar ohne von den enormen Risiken zu wissen – und zog das Geld plötzlich zurück. Greensill musste daraufhin Insolvenz anmelden. Fast gleichzeitig brach auch der Hedgefonds Archegos Capital zusammen. Dieser verspekulierte sich mit Kurswetten auf Aktientitel, nachdem ihm die CS und andere Banken hohe Kreditlinien gewährten. Die beiden Fälle zeigen laut Branchenkennern, dass die CS in Geschäfte investiert, die für ihr Management zu komplex seien.

Werden den Bankerinnen und Bankern die Boni gestrichen?

Ja, die CS will an der Generalversammlung keine variable Vergütung für die Geschäftsleitung beantragen. Ende Jahr waren 13 Personen in der Geschäftsleitung, die insgesamt 40,8 Millionen Franken Boni hätten erhalten sollen. Laut Cash.ch wären davon 5,6 Millionen Franken dem CEO Thomas Gottstein zugute gekommen. Er erhält nun noch 2,9 Millionen Franken Fixgehalt. Auch Präsident Urs Rohner soll auf 1,5 Millionen Franken Vorsitzhonorar verzichten – seine reguläre Vergütung beträgt damit noch rund 3,2 Millionen Franken.

Was ist mit den Aktionären?

«Einmal mehr sind die Aktionäre die Leidtragenden», findet Branchenkenner Bauhofer. Die CS will die Dividende um fast zwei Drittel kürzen – von 29 auf zehn Rappen pro Aktie. Das könnte sie verärgern. Normalerweise segnen die Aktionäre an der Generalversammlung die vergangene Geschäftsperiode ab. Es sei denkbar, dass die Aktionäre diese Decharge verweigern werden, sagt Wirtschaftsexperte Janssen.

Hätte das für Präsident Rohner ein Nachspiel?

Rohner wird wohl nicht persönlich zur Verantwortung gezogen werden und mit seinem eigenen Vermögen haften müssen. «Man müsste ihm eine ungetreue Geschäftsführung beweisen, was kaum möglich ist. Zudem gibt es für einfache Fälle Versicherungen», so Experte Janssen.

Macht die CS nur Bauernopfer?

Investment-Chef Brian Chin und Risikochefin Lara Warner müssen noch diesen Monat gehen. «Warner und Chin sind keine Bauernopfer, die haben das mitverursacht», sagt Janssen. Im Gegenteil, würde man von CEO Gottstein den Rücktritt verlangen, wäre er das Bauernopfer: «Gottstein ist nicht involviert, er hat diese Probleme nur geerbt. Das wäre auch ein Fehler, weil Gottstein die Bank kennt und den Übergang zum neuen Verwaltungsratspräsidenten leiten muss», so Janssen.

Was muss jetzt geschehen?

Um die Bank vor einem weiteren Abstieg zu retten, brauche es einen «fundamentalen Kulturwandel», sagt Bauhofer. Die Veränderungen im Management und die gestrichenen Boni seien nur taktische Massnahmen, um die Aktionäre zu beruhigen. Bauhofer sieht nun Gottstein und den neuen Präsidenten in der Pflicht, um den «massiv beschädigten» Ruf der Bank wiederherzustellen.

Wird die CS zum Übernahmekandidaten, wenn der Aktienkurs weiter sinkt?

Janssen will zum jetzigen Zeitpunkt keine Möglichkeit ausschliessen. «Denkbar ist, dass die CS Teile der Bank wie das US-Geschäft und die Vermögensverwaltung verkauft oder dass nur noch das Schweizer Geschäft übrig bleibt», sagt der Experte. Allerdings scheint das Köpferollen in der Chefetage sowie die Boni-Streichungen an der Börse gut anzukommen. Nach einem negativen Start kletterte der Kurs der CS-Aktie in die Gewinnzone. Am frühen Nachmittag liegt er bei rund plus 1 Prozent.

Deine Meinung

428 Kommentare
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Berg singt

07.04.2021, 21:14

Lieber Rohnersocken als CS- Aktien! Da weiss man was man hat.

TukTuk

07.04.2021, 17:27

Logische Abfolge, erst rennt das Geld davon, dann die Kunden.

Aktien Kurs

07.04.2021, 15:44

Vor langer Zeit war der Aktienkurs der CS sogar um die 70. CHF, dann mal 50.- . Ein gewisser Brady D. hat es dann geschafft, dass der Kurs um die 20.- CHF sinkte. Aber die aktuelle obere Etage kann es noch besser: jetzt ist der Kurs um 10.- CHF pro Aktie. Glanzresultat.