Frankreich: Rentenreform-Gegner geben nicht auf
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FrankreichRentenreform-Gegner geben nicht auf

Der Konflikt zwischen Gewerkschaften und Regierung um die Rentenreform in Frankreich geht in eine neue Runde. Am Dienstag findet ein weiterer Protesttag statt.

Die Gewerkschaften sehen diese Woche als entscheidend für den Widerstand gegen das Vorhaben der Regierung an. Nach jüngsten Umfragen unterstützen 69 Prozent der Franzosen die Gewerkschaften, 66 Prozent sind für eine Ausweitung der Proteste.

Die einflussreiche Gewerkschaft CGT in der Metallbranche der Region Nord/Pas-de-Calais votierte am Montag einstimmig dafür, einen verlängerbaren Streik in allen Unternehmen der Branche auszurufen. Über eine Verlängerung sollen jeweils die Beschäftigten befragt werden.

Zuvor hatten sich bereits die Metaller-CGT im Département Isère und die CGT im Energiesektor für einen ähnlichen Schritt ausgesprochen. Auch andere Belegschaften, etwa bei der Bahn, sollen am Mittwoch entscheiden, ob sie ihre Streiks jeweils um 24 Stunden verlängern.

Zug- und Flugausfälle

Bei der Bahn und in der Flugbranche war der Streik bereits auf Montagabend angesetzt. Die Zivilluftfahrt-Behörde rechnet damit, dass am Dienstag an den Pariser Flughäfen 30 bis 50 Prozent der Flüge gestrichen werden. Ab Basel waren mindestens 14 Flüge von und nach Frankreich gestrichen - das sind 8 Prozent der Flüge, wie eine Sprecherin des Euroairports auf Anfrage sagte.

Auch die Flughäfen Zürich und Genf rechnen mit Ausfällen oder Verspätungen. Reisende sollten deshalb früh genug am Flughafen sein und sich bei ihren Fluggesellschaften über mögliche Auswirkungen auf ihre Reise erkundigen, riet eine Sprecherin des Flughafens Zürich.

Die staatliche Bahngesellschaft SNCF erwartete, dass nur einer von drei TGV-Schnellzügen zwischen Paris und dem Rest des Landes fährt. Dies hat auch Auswirkungen auf die Schweiz. Ab Dienstag fallen mehrere TGV-Züge nach Paris aus, wie die SBB mitteilte.

Betroffen seien zudem alle TGV-Verbindungen nach Südfrankreich. Für den Nachtzug «Pau Casals» sollten Ersatzbusse zwischen Genf und Spanien verkehren.

Abstimmung im Senat

Gewerkschaften und Opposition machen seit Monaten gegen die geplante Rentenreform mobil. Zuletzt waren am 3. Oktober laut Gewerkschaften bis zu drei Millionen Demonstranten auf die Strasse gegangen, das Innenministerium sprach von knapp 900 000.

Besonders umstritten ist die Erhöhung des Renteneintrittsalters von 60 auf 62 Jahre. Die Nationalversammlung hat der Reform bereits zugestimmt. In dieser Woche soll sie im französischen Senat endgültig verabschiedet werden.

Dort liegen aber noch hunderte Änderungsanträge vor, so dass der genaue Zeitpunkt der Abstimmung unklar ist. Am vergangenen Freitag hatte der Senat der Erhöhung des Renteneintrittsalters im Einzelnen aber bereits zugestimmt. (sda)

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