Genf: Rentner sollen beweisen, dass sie noch leben
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GenfRentner sollen beweisen, dass sie noch leben

In Genf müssen pensionierte Staatsbeamte ihrer Pensionskasse beweisen, dass sie noch leben. Dieser Nachweis kommt nicht bei allen gut an.

von
qll
Die Rentner sollen persönlich beim Schalter auftauchen oder ihre Dokumente per Mail schicken.

Die Rentner sollen persönlich beim Schalter auftauchen oder ihre Dokumente per Mail schicken.

Carole Reiff ist wütend. Vor ein paar Tagen erhielt die Rentnerin ein Schreiben von der Pensionskasse des Kantons Genf (CPEG), indem sie gebeten wird, nachzuweisen, dass sie noch lebt. Die Rentnerin, die für das Universitätsspital Genf tätig war, solle persönlich mit einer ID am Schalter erscheinen oder ein Zivilstandsdokument per Mail senden. «Im Brief heisst es, dass wir bis am 31. Juli reagieren sollen», sagt Reiff zu «Tribune de Genève». «Das ist unmöglich! Man bittet ältere Menschen sich bei dieser Hitze zu beeilen, um ein zertifiziertes Dokument zu erhalten. Viele Freunde, die ebenfalls im Ruhestand sind, finden das unwürdig.»

20'000 Rentner informiert

Auf Anfrage von «Tribune de Genève» bestätigt die CPEG, dass sie tatsächlich eine «Lebensuntersuchung» bei den Rentnern durchführt. «Diese Art der Befragung ist Teil der Routinen einer Pensionskasse», so Sprecherin Fabienne Bouvier. «Die AHV führt diese Untersuchung jedes Jahr durch. Dadurch soll sichergestellt werden, dass keine ungerechtfertigten Leistungen gewährt werden. Dies würden allen Versicherungsnehmern schaden.»

Die Umfrage wurde in der Tat an alle Leistungsempfänger der öffentlichen Pensionskasse gesendet. Insgesamt erhielten rund 16'700 Personen in der Schweiz und 3300 im Ausland ein solches Schreiben. Um die dadurch entstandene Arbeitsbelastung zu bewältigen, hat die Kasse sogar vorübergehend ihren Personalbestand erhöhen müssen.

Zeitverzögerung bis Ende August

In Bezug auf den auferlegten Zeitdruck im Schreiben, teilte die Sprecherin mit, dass beschlossen worden sei, den Meldetermin von Ende Juli auf Ende August zu verschieben. «Es gab Probleme mit dem Postversand», rechtfertigt sie das Vorgehen. «Viele Empfänger haben sie zu spät erhalten, um rechtzeitig reagieren zu können.»

Doch die hohe Anzahl an Anfragen ist nicht das einzige Problem: Da diese Praxis neu ist, könnten die Rentner die Anforderung der Pensionskasse möglicherweise nicht richtig erfüllen. Das wiederum könnte zu Verzögerungen führen.

Umfrage soll alle zwei Jahre stattfinden

Auch wenn diese Umfrage für die Rentner anstrengend ist, wird sie wahrscheinlich nicht das letzte Mal stattfinden: «Es ist geplant, diese Umfrage alle zwei Jahre zu organisieren», sagt Bouvier. «Sie ist Teil der bewährten Verfahren, die wir aufbauen wollen. Es war nicht möglich, sie unmittelbar nach der Fusion in Kraft zu setzen.»

Auf die Frage, wie viele Todesnachrichten der Unterstützungskasse bisher nicht gemeldet wurden, antwortet Bouvier, dass es schwierig sei, Statistiken über die Zahl der potenziellen Fälle bereitzustellen. «Allerdings haben wir seit Anfang der Woche zwei Personen, bei denen man es versäumt hatte, die Kasse über ihren Tod zu informieren», sagt Bouvier.

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