06.11.2015 20:28

Bellende Chihuahuas

Rentnerin muss 7 ihrer 10 Hunde weggeben

Sie lebt seit 60 Jahren mit Hunden im Kanton Bern. Nun hat das Veterinärmt Jacqueline Locher ein Ultimatum gesetzt: Sie müsse ihr Rudel reduzieren.

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Die 10 Hunde von Jacqueline Locher sind alle gesund. Trotzdem muss sie sieben davon weggeben.

Die 10 Hunde von Jacqueline Locher sind alle gesund. Trotzdem muss sie sieben davon weggeben.

Jacqueline Locher (77) lebte bis vor kurzem mit 11 Hunden in einem Chalet in Magglingen BE. Vor drei Wochen starb eines ihrer Tiere, während sie im Spital war. «Als ich nach Hause kam, war er tot», so Locher zu 20 Minuten.

Die Rentnerin kämpft aber noch mit ganz anderen Problemen. Ihre Nachbarn stören sich am Lärm ihrer Chihuahuas und haben deshalb das Veterinäramt und die Polizei alarmiert. «In einem Wohnquartier muss man sich an gewisse Regeln halten», sagt eine Anwohnerin. Die Hunde würden Tag und Nacht bellen.

Nach den Behörden kam nun am Donnerstag eine Verhaltenstierärztin bei der Rentnerin vorbei. Fazit: Den ältesten der Hunde, einen 19-jährigen Chihuahua, soll Locher einschläfern.

«Die Frau braucht Hilfe»

«Ich will Okapi nicht töten», sagt Locher zu «Le Matin». Der Hund sei zwar blind und taub, aber er leide nicht. «Er ist glücklich, er frisst und geht in den Garten», so Locher zu 20 Minuten. Sie könne das Theater nicht nachvollziehen. Die Nachbarn, die sich wegen ihrer Hunde beschwert hatten, seien ein Paar mit zwei kleinen Kindern. «Die sollten doch ein eigenes Leben haben, wieso müssen die mich kaputtmachen?» Sie habe seit 60 Jahren Hunde und wisse, was sie tue.

Auch eine Freundin der 77-Jährigen, die ihr im Haushalt hilft, verteidigt sie: «Ihre Hunde lieben sie und fühlen sich wohl bei ihr.» Locher hat über die Jahre hinweg hauptsächlich Hunde von Leuten aufgenommen, die sie nicht mehr wollten oder sich nicht um sie kümmern konnten. Doch bei den Nachbarn sorgt dies offenbar schon seit längerem für Probleme. «Es ist eine traurige Geschichte, diese Frau braucht Hilfe», sagt eine Nachbarin.

Ultimatum bis 15. Dezember

Sogar die Bürgermeisterin von Magglingen, Madeleine Deckert, hat Locher nun einen Besuch abgestattet. Viel sagte sie dazu nicht: «Die Abklärungen laufen.» Locher habe Deckert zwar nett gefunden. Aber was sich beim Besuch der Bürgermeisterin herausstellte, gefällt der älteren Dame gar nicht. Sie dürfe nur drei ihrer zehn Hunde behalten, hiess es.

Obwohl das Veterinäramt bestätigt, dass all ihre Tiere gesund sind, muss Locher ihr Rudel reduzieren. Das Ultimatum des kantonalen Tierarztes dauert noch bis zum 15. Dezember. Doch die Hundenärrin kämpft weiter: «Ich gebe keinen meiner Schätze ab.» Das sei unmöglich, so alte Hunde dürfe man überhaupt nicht mehr fremdplatzieren.

Ein Freund der alten Dame will ihr nun helfen. Er habe einen tollen Brief an die Behörden geschrieben, so Locher. Und er habe sich zudem bereit erklärt, einige der Hunde auf seinen Namen umzuschreiben – mit dem Ziel, sie dann bei Locher im Chalet zu lassen.

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