Amriswil TG – Rentnerin will Busse nicht bezahlen – und muss 4 Tage ins Gefängnis
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Amriswil TGRentnerin will Busse nicht bezahlen – und muss 4 Tage ins Gefängnis

Die 77-jährige Agatha Bortolin wurde am Donnerstagmorgen auf ihren Wunsch von der Polizei abgeholt und ins Gefängnis Frauenfeld gebracht.

von
Shila Ochsner
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So oder so ähnlich wird für die nächsten vier Tage das Zuhause von Agatha Bortolin aussehen. (Symbolbild)

So oder so ähnlich wird für die nächsten vier Tage das Zuhause von Agatha Bortolin aussehen. (Symbolbild)

20min/Taddeo Cerletti
Im Kantonalen Gefängnis Frauenfeld wird die Bortolin vier Tage verbringen. 

Im Kantonalen Gefängnis Frauenfeld wird die Bortolin vier Tage verbringen.

Google Maps 
Die 77-Jährige wartete am Donnerstagmorgen bis sie von der Polizei abgeholt wurde.

Die 77-Jährige wartete am Donnerstagmorgen bis sie von der Polizei abgeholt wurde.

Kantonspolizei Thurgau

Darum gehts:

  • Anstatt eine Busse zu zahlen, will Agatha Bortolin (77) aus Amriswil TG ihre Strafe im Gefängnis absitzen.

  • Am Donnerstagmorgen trat sie ihre viertägige Haft an.

  • Sie fühle sich ungerecht behandelt.

Agatha Bortolin (77) hat sich für ihren Haftantritt ein Kostüm zusammengestellt mit der Aufschrift «Ich war es NICHT». Am Donnerstagmorgen um 8.15 Uhr musste sie ihre viertägige Haft im Kantonsgefängnis Frauenfeld antreten.

«Nichterscheinen hat die polizeiliche Einlieferung zur Folge», heisst es in ihrer Vorladung zum Strafantritt, was bedeutet, dass Bortolin zu Hause abgeholt wird. Sie wird auf die Beamten und Beamtinnen warten und wie all ihren Gästen einen Kaffee anbieten, wie sie gegenüber dem «St. Galler Tagblatt» sagt.

Wegen Fahrerflucht angezeigt

Grund dafür ist ein Vorfall, der sich am 31. August 2020 ereignete. Die Rentnerin wollte ihre Tochter mit ihrem Auto in Erlen TG abholen. Als sie ihre Tochter erblickte, wendete sie das Auto auf dem Vorplatz eines Einfamilienhauses, wobei sie ein Sandsteinmäuerchen touchiert haben soll. Dabei hat sich ein Stein gelöst und ist aus der Mauer auf den Vorplatz gefallen. Die Hausbesitzer hätten das Touchieren gehört und Bortolin wegen Fahrerflucht angezeigt.

Agatha Bortolin ist der festen Überzeugung, nichts vom Touchieren bemerkt zu haben. Die Überraschung war deshalb gross, als zwei Streifenwagen bei Bortolin vorfuhren. Trotz Schlichtungsversuch wird an der Strafanzeige festgehalten. Die 77-Jährige fühlt sich von der protokollierenden Beamtin sowie der Staatsanwältin ungerecht behandelt und nicht ernst genommen. Sie beschliesst deshalb, die Busse von 1280 Franken nicht zu bezahlen. «Es ist lächerlich, man hätte das auch anders lösen können», sagt sie. Die Reparaturkosten von 50 Franken für die Mauer habe sie aber bezahlt.

Für Katze und Pflanzen ist gesorgt

Sie ist gewillt, die Strafe abzusitzen. «Ich mache eine Staatsaffäre daraus», sagt sie. Wie es wird im Gefängnis weiss sie noch nicht, doch schocken wird es sie nicht, wie sie sagt. Für die vier Tage nimmt sie Bücher und ihre selbst gebastelten Umschläge mit, um Briefe aus dem Gefängnis zu verschicken. Das «Lismen» hat man ihr aus Sicherheitsgründen verboten. «Ich muss es mit Humor nehmen, damit es mir nicht zu nahe geht», sagt die 77-Jährige. «Aber vier Tage, das überstehe ich», sagt sie. Dafür, dass während dieser Zeit jemand auf ihre Katze und ihre Pflanzen acht gibt, ist gesorgt.

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