Unwetter im Juli - Reparaturen an Gebäuden werden sich über Jahre hinausziehen
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Unwetter im Juli Reparaturen an Gebäuden werden sich über Jahre hinausziehen

850 Millionen – Das ist die bisher geschätzte Schadenssumme an Gebäuden, welche die Unwetter vom Juli verursacht haben. Dabei melden viele Betroffene ihre Schäden scheinbar nicht.

von
Tino Limacher
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Heftige Unwetter zogen im Juli über die Schweiz und haben unter anderem Storen zerstört.

Heftige Unwetter zogen im Juli über die Schweiz und haben unter anderem Storen zerstört.

Andreas Bürki 
Laut Ofri.ch wissen scheinbar viele nicht, dass Storen ebenfalls versichert sind. 

Laut Ofri.ch wissen scheinbar viele nicht, dass Storen ebenfalls versichert sind.

20min/News-Scout
Wegen des Hagels haben die Storen-Handwerker viel zu tun. Besonders viele Aufträge kamen aus der Zentralschweiz. 

Wegen des Hagels haben die Storen-Handwerker viel zu tun. Besonders viele Aufträge kamen aus der Zentralschweiz.

20min/News-Scout

Darum gehts

  • Im Juli zogen über die Zentralschweiz heftige Gewitter mit Hagel.

  • Viele Storen und Rollläden wurden beschädigt oder gar zerschlagen.

  • Laut dem Handwerkerportal Ofri melden viele Hausbesitzer die Schäden nicht.

  • Laut der Vereinigung Kantonaler Gebäudeversicherung (VKG) sind solche Schäden grundsätzlich versichert, wobei zuerst geprüft wird, ob die Sorgfaltspflicht seitens Hausbesitzer eingehalten wurde.

  • Zum jetzigen Zeitpunkt rechnet die VKG mit einer Schadenssumme von 850 Millionen Franken an Gebäuden. Zudem werden sich die Reparaturen noch über Monate oder Jahre hinausziehen.

Die Unwetter vom Juli sorgen immer noch für viel Arbeit unter den Handwerkern. So sind Karosserien und Garagen noch bis zum nächsten Jahr mit Autoreparaturen beschäftigt. Ein ähnliches Bild zeichnet sich bei Lamellenstoren, Rollläden und Sonnenstoren ab. Jedoch wissen laut dem Handwerkerportal Ofri.ch viele Hausbesitzer nicht, dass bei den Gebäudeversicherungen die Storen mitversichert sind. «Ein Handwerker hat uns darauf hingewiesen, dass viele seiner Kunden nicht wussten, dass Storenschäden in den Gebäudeversicherungen geregelt sind», sagt Julia Wöhrle, Kommunikationsbeauftrage des Portals.

Warum die Hausbesitzer nicht wissen, dass solche Storenschäden versichert sind, darüber kann auch Wöhrle nur spekulieren: «Wenn etwas Unvorhergesehenes passiert, denkt man nicht zwingend daran, dass eine Versicherung das abdecken könnte. Ausserdem: Wer kennt schon all seine Versicherungsverträge auswendig? Besonders, wenn seit Abschluss einige Jahre vergangen sind.»

Eines steht allerdings fest, nämlich dass die Reparaturanfragen für volle Auftragsbücher bei den Handwerkern sorgen. «Ungefähr mehr als die Hälfte unserer Kunden stammt aus der Zentralschweiz», wie Bashkim Avdiu, Inhaber von Bashi Rollladen und Storenbau, sagt. «Wir können zudem nicht abschätzen, wie lange wir noch mit den Reparaturaufträgen beschäftigt sind, da es so viele sind», wie Avdiu weiter meint. Avdiu war es auch, der das Portal auf das Unwissen vieler Kunden und Kundinnen zu den Versicherungen hingewiesen hatte.

Handwerker weisen Kunden auf Versicherung hin

Andreas Bürki, Inhaber von ABL Bürki Sonnenschutztechnik GmbH, hatte ebenfalls alle Hände voll zu tun. «Unsere Niederlassung im Aargau musste ebenfalls viele Kunden aus dem Raum Luzern und Zug betreuen». Mittlerweile konnte aber sein Team viele Aufträge abschliessen. Bezüglich Versicherungen geht sein Team aktiv auf die Kundschaft zu: «Unsere Handwerker weisen den Kunden stets darauf hin, dass sie unsere Offerten an die entsprechende Versicherung weiterleiten können, am besten mit einem Bild vom kaputten Storen.»

850 Millionen Franken Schadenssumme

Die Versicherung zahlt aber nicht in jedem Fall: «Grundsätzlich sind Storen auch gegen Hagelschäden versichert. Werden die Storen bei Gewitter und Hagel jedoch nicht eingezogen und in der Folge beschädigt, muss überprüft werden, ob der Hauseigentümer seiner Sorgfaltspflicht nachgekommen ist», teilt die Vereinigung Kantonaler Gebäudeversicherungen (VKG) auf Anfrage mit. «Stellt sich heraus, dass dies nicht der Fall ist, lehnen es die Versicherungen ab, diese Schäden zu übernehmen.»

Zum jetzigen Zeitpunkt rechnet die VKG mit einer Schadenssumme von insgesamt 850 Millionen Franken in den 19 Kantonen, die der Vereinigung angeschlossen sind. Zudem hoffe die VKG, dass der Grossteil der Dachschäden bis zum Winter gemacht werden kann, sodass die Gebäude durchgängig bewohnbar sind. Denn provisorisch reparierte Dächer isolieren weniger und halten auch einer allfälligen Schneedecke weniger gut stand, so der Versicherungsverband. Weitere Reparaturen werden sich aber noch über Monate oder Jahre hinausziehen, wie es bei der VKG weiter heisst.

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