Aktualisiert 20.08.2013 09:38

Flug Zürich-LondonReporter stieg mit fünf Sackmessern ins Flugzeug

Ein Reporter der britischen «Mail on Sunday» ist mit fünf Schweizer Sackmessern im Handgepäck von Zürich nach London geflogen. Was die Zeitung als grosses Sicherheitsrisiko darstellt, war ganz legal, heisst es beim Flughafen Zürich.

von
lüs

«Tödlichere Messer als jene, die bei 9/11 benützt wurden, im Duty-free-Shop verkauft – und auf London-Flug genommen»: So titelt die Online-Ausgabe der britischen Boulevardzeitung «Daily Mail on Sunday».

Für die Story hatte Reporter Simon Murphy im Victorinox-Shop im Transitbereich des Flughafens Zürich fünf Schweizer Armeesackmesser gekauft und mit ihnen ein Flugzeug nach London bestiegen. Weder sei er vor dem Betreten des Flugzeugs noch einmal kontrolliert worden noch seien die gekauften Messer sicher verpackt worden. Dass dies möglich gewesen sei, gebe Anlass zu grossen Sicherheitsbedenken, schreibt die Zeitung. Der britische Tory-Parlamentarier Nick de Bois ist tief besorgt: «Ein Schweizer Armeemesser kann tödlich sein, wenn es in die falschen Hände gerät.» Und der britische Flugsicherheitsexperte Chris Yates sagt: «Es ist lächerlich, dass kürzlich am Flughafen Leeds ein Kind daran gehindert worden ist, mit seiner Spielzeugwaffe ein Flugzeug zu betreten, wenn es diesem Kind zugleich erlaubt gewesen wäre, mehrere Messer auf sich zu tragen.» Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 seien die Türen vom Passagierbereich zum Cockpit zwar geschlossen, würden aber auch immer wieder geöffnet, damit die Crew genügend frische Luft hat. So sei es jemandem, der einem Sitzplatz weit vorne habe, durchaus möglich, auf einen Moment zu warten, in dem die Tür offen ist: «Und in wenigen Sekunden ist er mit gezücktem Messer im Cockpit.»

Versuchte Flugzeugentführung mit Schweizer Sackmesser

So ging im April 2011 ein Kasache vor, der ein Alitalia-Flugzeug von Paris nach Rom kidnappen wollte: Er hielt einer Flight Attendant ein Schweizer Armeemesser an die Kehle. Die Flugzeugentführer, die für die Anschläge von 9/11 verantwortlich waren, hatten Teppichmesser benutzt, deren Klingen noch kürzer waren als jene von Schweizer Armeemessern.

Beim Flughafen Zürich heisst es auf Anfrage, beim Versuch des «Mail on Sunday»-Reporters sei alles mit rechten Dingen vor sich gegangen. Flughafen-Sprecherin Jasmin Bodmer verweist auf die EU-Richtlinien zum Handgepäck, die man im Auftrag des Bundesamts für Zivilschutzfahrt umsetze: «Diese lassen Messer zu, deren Klingen eine Länge von nicht mehr als sechs Zentimetern haben.» Der Reporter hätte die Messer daher auch behalten dürfen, wenn er mit ihnen die Sicherheitskontrolle am Flughafen Zürich passiert hätte.

Auf Flügen in die USA sind sämtliche Messer verboten

Natürlich werde im Victorinox-Shop nichts verkauft, was nicht auch als Handgepäck im Flugzeug erlaubt sei. «Entsprechend sind dort keine Messer zu finden, deren Klingen länger sind als sechs Zentimeter», so Bodmer. Strengere Regeln als die Sechs-Zentimeter-Vorschrift gebe es etwa auf US-Flügen, wo keinerlei Messer erlaubt sind. Bodmer: «Dort ist es Sache der Fluggesellschaft, die den entsprechenden Flug durchführt, dies zu kontrollieren.» Pläne der US-Flugaufsicht, Sackmesser als Handgepäck wieder zuzulassen, sind im Juni am Widerstand der Flugbegleiter gescheitert.

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