Aktualisiert 06.11.2015 06:21

Drama an der Grenze

Reporterin gerät zwischen die Fronten

Eine deutsche Journalistin der Sendung «Panorama» berichtet von der slowenischen Grenze. Plötzlich gerät sie zwischen die Polizei und die Migranten.

von
nab
Eingepfercht wie Tiere: Menschen an der slowenisch-österreichischen Grenze. (3. November)

Eingepfercht wie Tiere: Menschen an der slowenisch-österreichischen Grenze. (3. November)

Seit Monaten wird europaweit über die Flüchtlingsströme diskutiert – was das aber für die Betroffenen heisst, kann sich kaum einer vorstellen. Die deutsche NDR-Reporterin Alena Jabarine vom Magazin «Panorama» hat nun genau diesen Weg gewagt und geriet unverhofft zwischen die Fronten von Polizei und Migranten, schreibt «Zeit Online».

«Und dann kommen sie, rund 2000 Menschen aus Kroatien, angeführt von zwei Polizeipferden», schreibt die Reporterin als Einstieg in ihre Reportage. Auf einem Maisfeld fängt sie die Gruppe der Flüchtlinge ab und reiht sich ein, denn jeder, der ausbüxt, wird wieder zurück ins Heimatland geschickt. Und sie will mit, mit auf den Weg ins Ungewisse.

Die Journalistin muss entscheiden

Die Stimmung ist entspannt, die Menschen sind zuversichtlich. «Hauptsache Europa», heisst es. Wohin die Reise genau geht, wissen die 2000 Flüchtlinge nämlich nicht. Plötzlich ein Tumult, Pfiffe und Schreie, die Menschen bleiben stehen, die Stimmung kippt ins Negative. Auf der anderen Seite des Deichs steht ein Camp, Hunderte Flüchtlinge seien dort eingepfercht wie Tiere, ohne Nahrung und ohne Freiheit – und zwar seit Tagen. Kinder seien gestorben, heisst es von der anderen Seite. «Da gehe ich auf gar keinen Fall hin, kehrt um!», schreien Hunderte Menschen.

Zwischen den Flüchtlingen und den Polizisten sind es nur noch einige Meter, zwei Fronten – in der Mitte die Reporterin. Eine Stunde lang versucht Jabarine zu vermitteln, übersetzt den Flüchtlingen die Forderungen der Polizisten ins Arabische und die Wünsche der Flüchtlinge den Polizisten ins Deutsche. Die Migranten verlangen nach dem Roten Kreuz – ohne Erfolg, es ist niemand erreichbar.

Gefühl der Hilflosigkeit

Die Reporterin solle sich ein Bild vom Camp machen, denn sie sei die Einzige, der sie vertrauen würden, sagen die Menschen. Sie klettert über den Deich und geht ins Camp. Sie könnten nichts dafür, sagt ein Polizist. Sie hätten mit 5000 Flüchtlingen gerechnet, gekommen seien 15000.

Als ein UNO-Mitarbeiter auftaucht, hagelt es Vorwürfe – gegen die Journalistin: Sie sei die Einzige, die hier ein Chaos veranstalte. Ihre Aufgabe sei es, den Leuten Mut zu machen, sie spreche nicht umsonst Arabisch. Am Ende der Reportage schreibt Jabarine, sie habe sich noch nie so hilflos gefühlt wie in diesem Moment. Als sie zurück zu den wartenden Flüchtlingen gegangen sei, habe sie gesagt: «Es ist schrecklich dort, tut mir leid.»

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