Überforderte Halter: Reptilien landen immer öfter im Tierheim
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Überforderte HalterReptilien landen immer öfter im Tierheim

Exotische Haustiere sind im Trend. Doch manche Reptilien-Liebhaber kaufen die Tiere unüberlegt, halten sie nicht artgerecht und wollen sie schnell wieder loswerden.

von
Camille Kündig

Die Besitzerin von Ava und Maro war nicht mehr in der Lage, für die Schlangen zu sorgen. Die zwei Königspythons wohnen nun im Zürcher Tierheim.

Anstatt dem Charme eines Büsi oder Hamsters zu verfallen, vergucken sich immer mehr Schweizer in Schlangen, Geckos oder andere Reptilien und halten diese zu Hause. Verlieren die Halter aber das Interesse am Tier, wird es schwierig, dieses wegzugeben. Wie eine neue Studie des Schweizer Tierschutzes STS zeigt, sind spezialisierte Tierheime und Auffangstationen hierzulande Mangelware.

Das Zürcher Tierheim ist eine der wenigen Institutionen, die auch Reptilien aufnimmt. Tierpflegerin Nicole Bühler sagt:«Bei uns werden viele Reptilien abgegeben. Diese können im Gegensatz zu Nagetieren und Co. bis zu 30 Jahre alt werden. Das ist eine lange Zeit, nicht alle Besitzer sind sich dessen bewusst.»

Verkauf an Reptilienbörsen und in Facebook-Gruppen

Die STS-Studie zeigt ebenfalls auf, dass Leute, die die Tiere «aus einem Impuls heraus» gekauft haben, nach einer gewissen Zeit das Interesse an ihnen verlieren und sie weggeben wollen.

Was mit den zahlreichen Tieren geschieht, die zum Beispiel im Internet zur Abgabe ausgeschrieben sind und nicht platziert werden können, bleibe ungewiss. Was feststeht, ist, dass es auf spezifischen Facebook-Gruppen und an sogenannten Reptilienbörsen nur so von Verkaufsangeboten wimmelt.

Schlechte Haltung kann zum Tod führen

Gemäss der Studie halten ausserdem viele Besitzer ihre Reptilien nicht artgerecht. Die Halter müssten im Terrarium einen künstlichen Lebensraum erstellen, der dem natürlichen Habitat des Tiers nahekommt, steht in der Publikation. So sollten auch die Klima- und Lichtverhältnisse und die Landschaftsstruktur dem Reptil gerecht werden.

Damit seien viele Tierhalter überfordert, so der Bericht. Dies kann schwerwiegende Folgen haben: Die Zürcher Kantonstierärztin Regula Vogel sagte gegenüber der NZZ, dass die Tiere langsam sterben würden, wenn der Besitzer den Mangel bei der Haltung nicht erkenne.

Reptilien-Boom

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