Republikaner lassen Gonzales fallen
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Republikaner lassen Gonzales fallen

Für US-Justizminister Alberto Gonzales wird es eng: In der Affäre um die Entlassung von acht Bundesanwälten fordern nun auch einflussreiche Republikaner den Rücktritt des Vertrauten von US-Präsident George W. Bush.

Nach einer stundenlangen Anhörung vor dem US-Senat sagte der republikanische Senator Tom Coburn am Donnerstag in Washington, in der Angelegenheit sei «inkompetent» gehandelt und «grauenhaft» kommuniziert worden. «Ich denke, der beste Weg, dies hinter uns zu lassen, ist Ihr Rücktritt», richtete er sich an Gonzales.

Auch der republikanische Senator Arlen Specter legte dem Minister wegen des «Verlusts an Glaubwürdigkeit» einen Rücktritt nahe. Zwei Menschen könnten über Gonzales' Verbleiben im Amt entscheiden. Wenn er selbst entscheide zu bleiben, liege die Entscheidung bei Bush.

Der demokratische Ausschussvorsitzende Patrick Leahy warf Gonzales vor, in seinem Ministerium eine beispiellose Führungskrise herbeigeführt zu haben. «Das Justizministerium sollte niemals zu einem politischen Arm des Weissen Hauses degradiert werden.»

«Keine politischen Motive»

Der Minister entschuldigte sich für sein ungeschicktes Vorgehen bei der Entlassung der Bundesanwälte, lehnte einen Rücktritt aber ab. Er blieb bei seiner Version, wonach bei der Entlassung politische Motive keine Rolle gespielt hätten.

Hintergrund des Streits ist die Entlassung von 8 der 93 hochrangigen US-Bundesanwälte im vergangenen Jahr, die nach Ansicht der Gonzales-Kritiker erfolgte, weil ihre Loyalität zur Bush-Regierung in Frage stand.

Gonzales hatte behauptet, die Juristen seien wegen schlechter Leistungen entlassen worden, und er selbst habe dabei keine Rolle gespielt. Inzwischen wurden Dokumente aus dem Justizministerium veröffentlicht, die diese Darstellung in Frage stellen.

Nachdem nach den Demokraten nun auch führende Republikaner Gonzales' Rücktritt befürworten, steht allein Bush noch hinter dem Minister mit mexikanischen Wurzeln. Gonzales geniesse das volle Vertrauen des Präsidenten, sagte Bushs Sprecherin Dana Perino nach der Anhörung. (sda)

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