Aktualisiert 21.01.2016 15:55

US-Wahlen

Republikaner stolpert über seine Designerstiefel

Wegen seiner Booties wurde Marco Rubio als verweichlichter Geck dargestellt. Nun markiert der US-Präsidentschaftsanwärter Männlichkeit.

von
sut

Ein männlicher Kandidat im amerikanischen Wahlkampf muss vor allem eines sein: ein Mann. Wehe, er zeigt sich von seiner weniger maskulinen Seite, dann strafen ihn die Rivalen sogleich ab.

Ein kleinerer Shitstorm von dieser Sorte bläst seit Anfang Jahr Senator Marco Rubio ins Gesicht. Der Republikaner aus Florida stieg im Vorwahlstaat New Hampshire in seine neuen Stiefel aus schwarzem Glanzleder, was dem gewieften Korrespondenten Michael Barbaro von der «New York Times» auf einer Fotografie auffiel. Sogleich tweetete der: «Marco Rubio rockt heute mit echt modischen schwarzen Stiefeln in New Hampshire».

Der Bildausschnitt der eleganten «Booties» mit 4,4 Zentimeter hohen Absätzen verbreitete sich auf dem Netz wie die Vogelgrippe. Rick Tyler, Kommunikationsdirektor des Rivalen Ted Cruz, schrieb: «Eine Stimme für Marco Rubio ist eine Stimme für hochhackige Männerstiefel.» Rand Paul, ein weiterer Senatskollege, nannte die Booties «cute» (hübsch). Jeb Bush verwendete den Mode-Lapsus für eine Kritik an Rubio als politischem Wendehals. In dem Video tanzen «Flip-Flop-Stiefel»:

«Man versucht klar, Marco Rubio zu verweiblichen», sagte der republikanische Stratege Steve Schmidt zu «Politico». «Und das ist überhaupt nicht neu. Das Styling eines Kandidaten wird seit jeher von Gegnern dazu verwendet, etwas Negatives über dessen Charakterzüge auszudrücken, manchmal mit verheerendem Effekt.»

Wie John Edwards

Schmidt dachte womöglich an ein Video aus dem Jahr 2008, das den damaligen Präsidentschaftskandidaten John Edwards beim Kämmen zeigt, unterlegt mit dem Song «I Feel Pretty» («Ich fühle mich hübsch»):

Das Video stellte Edwards als selbstverliebten Schönling dar, was – neben einem unehelichen Kind – zu seinem Fall beitrug.

Dem bubenhaft aussehenden Marco Rubio soll das nicht passieren. Seit «Bootgate» bemüht sich der 44-jährige Senator darum, seine Männlichkeit unter Beweis zu stellen. Wie die «New York Times» berichtet, ging er an Heiligabend in einen Waffenladen, um sich ein Gewehr zu kaufen. In einem Video zeigt er eine weitere männliche Seite, indem er sich als Football-Fan outet:

Laut der «Times» muss der aussenpolitisch als aggressiv geltende Rubio zwar nicht fürchten, als Weichling unterzugehen. Dennoch muss er aufpassen. Gouverneur Chris Christie, ein anderer Rivale, sagte kürzlich voraus, in der Endausscheidung hätte Hillary Clinton mit Rubio leichtes Spiel: «Sie wird seinen Kopf tätscheln und ihm dann das Herz herausschneiden.»

Rivale Cruz

Manche markigen Republikaner ziehen den Texaner Cruz vor, der am liebsten Cowboystiefel aus Straussenleder trägt. Phil Robertson von der Reality-Serie «Duck Dynasty» bewertet Politiker danach, ob sie eine Ente töten, in den Topf tun und ein Enten-Gumbo zubereiten können. «Ich habe die Kandidaten angeschaut», sagte Robertson zur «Times». «Ted Cruz ist mein Mann.»

Wie «Politico» nachzeichnet, spekulierten Blogs von Modezeitschriften lange darüber, in was für Stiefeletten der 177 Zentimeter grosse Rubio überhaupt stakste. «Vanity Fair» stellte Leser vor die Alternative: ein Paar für 85 Dollar von Giorgio Brutini oder eins für 1990 Dollar von Tom Ford? In Wahrheit kaufte Rubio ein 135 Dollar kostendes Modell von Florsheim – mit Werbewirkung: Auf der Website des Herstellers sind die Stiefel derzeit in den meisten Grössen ausverkauft.

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