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Kontroverse Ausstellung«Respekt für den Penis des Präsidenten»

In Südafrika sorgt eine Ausstellung für Streit. Gezeigt wird unter anderem der Penis des Präsidenten Jacob Zuma. Auch Oscar Pistorius spielt eine Rolle.

von
Markus Schönher
Kapstadt

Und wieder einmal polarisiert der «First Penis». In Südafrika sorgt eine Kunstausstellung des Karikaturisten Anton Kannemeyer für Aufregung, die neben anderen Kuriositäten das Geschlechtsteil von Staatspräsident Jacob Zuma zeigt. Kannemeyer antwortet damit auf ein früher entstandenes Gemälde des Künstlers Brett Murray. Denn der präsidiale Penis versetzt die Nation am Kap nicht zum ersten Mal in Aufruhr.

Murrays «Speer» präsentierte Zuma 1,85 Meter gross in Ölfarben, gehüllt in einen Mantel und mit heraushängendem Geschlechtsorgan. Innerhalb von drei Monaten wurde das Gemälde zur Zerreissprobe für die Regierung. Von der Goodman-Galerie in Johannesburg aus spaltete es nicht nur den regierenden African National Congress (ANC) und die Opposition, es hetzte auch die Polizei und die Justiz gegeneinander auf, führte zu vier Anklagen, Vandalismus und Bombendrohungen in der Galerie. Der ANC kritisierte das Gemälde. Es beleidige Zumas Amt, seine Würde und seine Kultur. Die Kontroverse eskalierte vor allem, weil sie schnell in eine Rassendiskussion abglitt. Viele bezeichneten das Werk als rassistisch. Der Künstler ist weiss, Zuma gehört der Zulu-Ethnie an und ist schwarz.

«Keine Zeit für Rassismus, der als Kunst getarnt wird»

Hier knüpfte Cartoonist Kannemeyer an. In seinem Werk «R is for Respect» zeigt er eine Wutmenge von ANC-Anhängern und fordert: «Respekt für den Penis des Präsidenten – jetzt!» Erneut reagierte die Regierungspartei mit Trotz: «Wir haben keine Zeit für Engstirnigkeit und offensichtlichen Rassismus, der als Kunst getarnt wird», so Vizepräsidialminister Buti Manamela. Von den Galerie-Besuchern erhielt Kannemeyer gemischte Kritik. Während viele seinen Kampf für Presse- und Meinungsfreiheit lobten, fühlten sich andere von dem «Fetisch» um schwarze Männerkörper beleidigt.

Tatsächlich dürfte den Künstler die negative Kritik freuen. Ziel seiner Ausstellung in der Johannesburger Stevenson-Galerie ist es, die Missstände des jungen Landes aufzuzeigen und die Politik an ihre Versäumnisse zu erinnern. In seinem Werk «M is for Mayhem and Murder» etwa posiert der wegen Totschlags verurteilte Paralympics-Star Oscar Pistorius strahlend mit einer Flagge des Landes. Ein weiteres Werk «G is for Genocide» zeigt Zumas Vorgänger, Thabo Mbeki, und erinnert an dessen verheerende Aids-Politik, die 330'000 Tote forderte. Während seiner Regierungszeit leugnete Mbeki den Zusammenhang zwischen HIV und Aids und empfahl Infizierten eine Diät aus Roter Beete, Olivenöl und Knoblauch.

«Kannemeyers Cartoon ist nicht nur beleidigend gegenüber dem Präsidenten, er ist auch rohe Bigotterie, die als Kunst getarnt wird», schreibt Twitter-User Zama Mvulane

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