Aktualisiert 19.03.2020 09:20

SchweizRestaurant-Ansturm auf die Delivery-Portale

Viele Restaurants wollen wegen der Massnahmen des Bundes auf Lieferung setzen. Dabei kommen Gastronomen auch auf kreative Ideen.

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Lieferdienste haben viel zu tun. Bei Eat.ch sind die Anfragen von Restaurants für Lieferungen um 50 Prozente gestiegen. Auch von Seite der Kundschaft habe der Traffic auf dem Portal um rund 30 Prozent zugenommen.

Lieferdienste haben viel zu tun. Bei Eat.ch sind die Anfragen von Restaurants für Lieferungen um 50 Prozente gestiegen. Auch von Seite der Kundschaft habe der Traffic auf dem Portal um rund 30 Prozent zugenommen.

eat.ch
Das Unternehmen empfiehlt zum Schutz von Kunden und Lieferanten, bargeldlos zu bezahlen und eine kontaktlose Lieferung zu wünschen.

Das Unternehmen empfiehlt zum Schutz von Kunden und Lieferanten, bargeldlos zu bezahlen und eine kontaktlose Lieferung zu wünschen.

eat.ch
Uber Eats verzichtet bis Sonntag auf die Liefergebühr. Zahlen will das Unternehmen nicht bekanntgeben.

Uber Eats verzichtet bis Sonntag auf die Liefergebühr. Zahlen will das Unternehmen nicht bekanntgeben.

Uber Eats

Seit Dienstag stehen sämtliche Restaurants in der Schweiz still. Der angeordnete Lockdown des Bundesrats trifft die Gastronomie hart. Bei McDonald's sind beispielsweise alle 170 Lokale geschlossen, auf die Möglichkeit eines weiterhin erlaubten Take-aways wird verzichtet. «Die 88 McDrives in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein sind geöffnet und auch der McDelivery-Service wird weiterhin angeboten», sagt Sprecherin Béatrice Montserrat. Dies seien Verpflegungsservices ohne direkten Kontakt zwischen Gast und Mitarbeiter, was in der aktuellen Situation besonders wichtig sei.

Dass viele Gastrounternehmen jetzt auf Lieferungen setzen wollen, bestätigt man auch bei Eat.ch, dem grössten Delivery-Portal der Schweiz: «Die Anfragen von Restaurants für Lieferungen sind um 50 Prozente gestiegen», sagt Sprecherin Séverine-Linda Götz. Auch von Seite der Kundschaft sei der Traffic auf dem Portal um rund 30 Prozent gestiegen. «Wir rechnen damit, dass die Anfrage noch weiter steigen wird», so Götz. Dabei sei es aber wichtig, dass sowohl Kunden wie auch die Lieferanten, die nötigen Schutzmassnahmen treffen: «Wir empfehlen zurzeit, bei der Bestellung bargeldlos zu bezahlen sowie eine kontaktlose Lieferung zu wünschen, wo die Ware vor der Haustür abgestellt wird.»

Uber Eats liefert derzeit gratis

Bei Uber Eats, der in mehreren Städten verfügbar ist, wird bis am 22. März mit dem Code FREEDELIVERYCH auf die Liefergebühr verzichtet. «So können wir Bestellungen zugänglicher machen, lokale Restaurants fördern und unseren Teil dazu beitragen, das Land in diesen Zeiten zu unterstützen», heisst es bei Uber Eats Schweiz. Aktuelle Zahlen zu Bestellungen will man aber keine nennen.

Wie die Gastronomen in den jeweiligen Regionen der Schweiz mit der Situation umgehen und welche innovativen Ideen dabei entwickelt wurden, finden Sie in unserer Übersicht:

Region Zürich

Bindella liefert in Zürich – 44 Lokale geschlossen

Die Zürcher Familie Bindella betreibt schweizweit 44 Restaurants, die nun alle geschlossen sind. «Wir sind besorgt und arbeiten an Lösungen für unsere Mitarbeitenden», sagt Rudi Bindella jr., der den Bereich Gastronomie verantwortet. Es sei klar, dass man auf die Unterstützung des Bundes angewiesen sei. Immerhin könne man in der Stadt Zürich einen Teil mit dem Delivery-Konzept vom Santa Lucia auffangen. «Ob Holzofenpizza, Pasta, Scaloppine al limone, Tiramisù oder der passende Wein: Wir liefern in der Stadt Zürich zurzeit ohne Liefergebühr an die Haustür – auf Wunsch natürlich auch kontaktlos.» Und um den Kunden die Zeit zu Hause zu versüssen, gibts zu jeder Bestellung ein Dessert gratis dazu.

Weiter Warteschlangen beim Sternen-Grill

Der traditionelle Sternen-Grill hat weiterhin geöffnet: «Von 11 bis 18 Uhr bieten wir weiterhin ein reduziertes Angebot zum Mitnehmen an», sagt Küchenchef Fabio Lombardi. Am Dienstagmittag kam es bereits zu einer längeren Warteschlange. «Wir machen unsere Kunden natürlich darauf aufmerksam, dass sie mit genügend Abstand anstehen sollen und sich auch nicht innerhalb des Lokals aufhalten sollen.»

Péclard hilft seinen Zulieferer mit Gemüse-Delivery

Zürcher Gastronom Michel Péclard besitzt im Grossraum Zürich 13 Restaurants: «Es sind die ersten Tage seit 20 Jahren, an dem ich keinen Franken Umsatz mache.» Obwohl er einige seiner Lokale als Take-Away weiterbetrieben könnte, verzichtet er darauf. «Wenn ich die Pumpstation aufmache, stehen dann 100 Leute am Seebecken, das bringt niemandem was – die Gesundheit und der Kampf gegen den Virus ist nun wichtiger. Das müssen jetzt alle begreifen.» Die Löhne seiner Mitarbeiter seien mindestens bis Juni sichergestellt. «Wir suchen nun nach Lösungen, um unseren Zulieferern zu helfen, die ums Überleben kämpfen», so Péclard. Pumpstation-Chef Baba startet ab Dienstag einen Gemüse-Delivery für die Bauernfamilie Müller aus Steinmaur, die ihre frischen Produkte nicht mehr auf dem Markt verkaufen kann.

Region Bern

Beliebter Thai hat eigenen Delivery

Das beliebte Berner Thai-Restaurant Suban im Lorraine-Quartier hat weiterhin geöffnet. Es steht montags bis freitags eine kleine Menü-Auswahl als Take-Away zur Verfügung. «Ausserdem haben wir gerade einen kleiner Lieferdienst für die Mittagszeit auf die Beine gestellt», sagt Inhaberin Nari. Die Bestellungen hierfür müssten jedoch bis 9 Uhr eingehen. Die Infos finden Kunden auf der Internetseite des Lokals.

Essen und Kinderbetreuung

Rolf Caviezel, ist Molekularkoch aus Grenchen führt das Gastro-Unternehmen Freestyle Cooking: «Der Montag war einer der schlimmsten Tage, die ich je erleben musste. Wir haben Tränen in den Augen und wissen nicht, wohin die Reise geht. Aber wir geben nicht auf und kämpfen weiter.» Sein Restaurant ist geschlossen, bietet jedoch von 11 bis 12.30 Uhr ein Take-away-Angebot an. «Wir bieten zudem auch einen Lieferservice an für Menschen, die im Homeoffice sind.» Zudem finde das Programm «Kids ab an den Herd» weiterhin statt – wenn auch in Kleingruppen. Caviezel: «Auf diese Weise bieten wir auch ein Betreuungsangebot. Die sind in dieser Zeit besonders wichtig.»

Lieferung mit Porzellangeschirr

Das Restaurant Landhaus Liebefeld hat am Dienstag kurzfristig ein Take-away-Angebot und einen Hauslieferdienst eingerichtet. Das Besondere an letzterem: Die Gerichte werden auf Porzellantellern serviert. «Not macht bekanntlich erfinderisch», sagt Gastgeber Tom Christen: «Uns traf die Corona-Krise wie ein Hammerschlag, der Umsatz brach massiv ein. Also suchten wir nach Lösungen.» Am Mittag wie am Abend können die Landhaus-Gerichte nun nach Hause bestellt werden. Auf der Website ist die aktuelle Karte aufgeschaltet. Christen: «Wir bereiten die Speisen in unserer Küche frisch zu und liefern diese direkt nach Hause. Die Porzellanteller holen wir wieder ab.»

Krone-Menü über Mittag

In der unteren Berner Altstadt haben praktisch alle der unzähligen Restaurants seit Montag geschlossen. Einzig das Restaurant Krone bietet von 11.30 bis 13.30 Uhr ein Pasta-und-Salat-Menü an. Zur Auswahl stehen jeweils zwei Varianten. «Auf Wunsch liefern wir auch grössere Mengen für ganze Büros und Familien», teil das Restaurant im Netz mit.

Region Basel

Velogourmet stockt Personal auf

Beim Basler Kurierdienst Velogourmet ist die Geschäftsführerin überzeugt, dass der grosse Ansturm noch kommt: «Die Leute sind noch ein bisschen verhalten, aber wir würden gerne loslegen und stocken bereits Personal auf. Extrem gehäuft haben sich Restaurants, für die wir neu liefern.»

Bäckerei backt weiter

Man munkelt, dass die Kult Bäckerei das beste Brot der Stadt Basel macht. Und auf dieses müssen die Basler trotz Coronavirus nicht verzichten. Wer den Weg in eine der zwei Filialen findet, muss jedoch mit Karte zahlen: Bargeld wird vorerst nicht angenommen.

Hipster-Pizzeria

«Die Pizza-Grundversorgung bleibt weiterhin gewährleistet», verkündet die Pizzeria Vito in Basel. Die Pizza werde in den beiden Filialen weiterhin zum Mitnehmen verkauft.

Menü mit Wein für 25 Franken

Die Osteria Acqua, der gehobene Italiener im Industrie-Ambiente, vermeldet auf Facebook: Acqua a Casa – Home-Delivery. Es tue gut, in dieser schwierigen Zeit etwas tun zu können, was hilft und ein bisschen Freude bringt. Am Mittag liefert das Restaurant 2-Gang-Menüs nach Hause oder ins Büro – inklusive Dessert oder Wein ab 25 Franken.

Region Ostschweiz

Frische Menüs für zu Hause

Unikatessen am Corso in St. Gallen hat einen Lieferservice eröffnet. Das Restaurant liefert frisch zubereitete Menüs nach Hause. Diese sind vakuumiert und können zu Hause angebraten oder aufgewärmt werden. Angeboten werden verschiedene Gerichte und Beilagen. Auf Stadtboden ist die Lieferung ab 30 Franken kostenlos, ausserhalb der Stadt St. Gallen ab 80 Franken

Spezielle Delivery-Preise für Risikogruppe

Die Stadt-Metzgerei in Rorschach reagiert auf die sinkenden Kundenzahlen. Die Metzgerei führt ab sofort einen Lieferservice ein. Bis um 9.30 Uhr am jeweiligen Tag können Bestellungen für Mittagessen aufgegeben werden. Der Menüpreis variiert zwischen 10 und 15 Franken für umliegende Gemeinden. Senioren und Menschen aus der Risikogruppe erhalten einen Rabatt. Die Metzgerei liefert auch Lebensmittel direkt nach Hause, unter anderem Teigwaren, Konserven oder Gemüse.

Familienbetrieb liefert Gemüse und Früchte

Die Erich Berner AG in St. Gallen öffnet ab sofort die Tore für den Privatverkauf. Das Angebot umfasst Lagerverkauf und auch einen Lieferservice ab 50 Franken Warenwert. Neben Früchten und Gemüse gibt es etwa Milch- und Tiefkühlprodukte.

Suppen, Menüs und Salate

In Weinfelden und Umgebung liefert Madörin ab sofort Lebensmittel nach Hause. Inbegriffen sind sämtliche Produkte aus dem Laden, wie beispielsweise Suppen, Menüs oder Salate. Ab 50 Franken ist die Lieferung kostenlos, sonst werden fünf Franken zusätzlich verrechnet. Der Hauptladen bleibt geöffnet.

Region Zentralschweiz

«Gutscheine unterstützen Betriebe»

Gäste, die ihrem Lieblingswirt oder ihre Stammbeiz in diesen existenzbedrohenden Zeiten helfen möchten, können das etwa so tun: «Mit einem verschenkten Gutschein unterstützt man die Betriebe und macht zudem jemandem eine Freude», sagt Simone Müller-Staubli von der Luzerner Schatz AG, die mehrere Gastrobetriebe betreut. Dies habe nicht nur den Vorteil, das Gastrobetriebe wieder liquider werden, ohne sofort eine Leistung dafür erbringen zu müssen. «Ein Gutschein, der in Zukunft eingelöst werden kann, ist auch ein symbolisches Zeichen dafür, dass das Virus besiegt werden wird und man wieder ganz normal in einem Restaurant essen kann.»

Eine weitere Idee, wie Gäste den Wirten helfen können, hat Barbara Schneider, Präsidentin des Verbands Gastro Zug, wie sie gegenüber Zentralplus sagt: «Ich würde mir wünschen, dass Reservationen nicht abgesagt, sondern nach Möglichkeit verschoben werden. Das gibt den Gastronomen etwas Planungssicherheit für die Zeit danach.»

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